Ziemlich verwirrende „Nacht in Venedig”

Von: Josef Schreier
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Die Operette „Eine Nacht in V
Die Operette „Eine Nacht in Venedig” von Johann Strauß brachte südliches Ambiente und bekannte Melodien auf die Festivalbühne der Monschauer Burg. Foto: Josef Schreier

Monschau. Vor voll besetzten Rängen spielte sich am Samstagabend auf der Bühne der Burg in Monschau „eine Nacht in Venedig” ab. Trotz einigermaßen stabilisierter Wetterverhältnisse mochte die Diskrepanz zwischen dem südlichen Ambiente der Operette von Johann Strauß und dem in mehrfacher Hinsicht kühlen Klima der Nordeifel nicht ganz weichen.

Nachdem sich bei den einschmeichelnden Walzermelodien der Ouvertüre schon beinahe eine Art Schunkelgemütlichkeit beim Publikum einzustellen schien, hatte man doch anschließend mehrmals das Gefühl, dass die ungarischen Künstler vom Budapester Operntheater, die sicherlich auch wärmere Temperaturen gewöhnt sind, ihr Temperament nicht ganz zum Zuge bringen konnten. So blieb dann die Reaktion des Publikums anschließend und bis zum Schluss einigermaßen verhalten.

Dazu beigetragen haben mag auch, dass die Handlung der Operette doch allzu verwirrend war. Wer sich nicht zuvor ausgiebig in einem Operettenführer kundig gemacht hatte, konnte wohl mit dem Verwirrspiel um die amourösen Abenteuer eines Herzogs während einer venezianischen Karnevalsnacht so seine Schwierigkeiten haben.

Nicht weniger als drei weibliche und drei männliche Hauptrollen nebst etlichen Nebenpartien konnten dabei die Verständnisbemühungen eines unbefangenen Betrachters gehörig „ins Schwitzen” bringen, selbst wenn die immer wieder ansprechende und begeisternde Musik von Johann Strauß über vieles hinweghalf. Vor allem natürlich das berühmte „Gondellied” und der „Lagunenwalzer”. Die Budapester Künstler taten dabei ihr Möglichstes.

Sympathisch berührte nicht zuletzt der leichte ungarische Akzent der Sänger und Schauspieler, die ansonsten mit tadellosem Deutsch aufwarten konnten, gerade bei den gesprochenen Dialogen. Musikalisch war die Darbietung ebenfalls sehr ansprechend. Freilich konnten die Künstler eine gewisse Zurückhaltung offenbar nicht ganz ablegen, so dass ein letzter Gleichklang zwischen der musikalischen Vorlage und der Ausführung nicht zustande kam. Dabei waren die Leistungen vor allem der sechs Hauptpersonen in jeder Weise anerkennenswert.

Die drei männlichen Protagonisten sind dabei nahezu auf eine gleich hohe Stufe zu stellen, sei es der Herzog von Sándor Domoszlai, der Barbier Caramello von Zsolt Vadász oder der Makkaronikoch Pappacoda von Anton Kuhn. Bei den Damen ragte vielleicht - und zwar sowohl durch den Gesang wie durch die Darstellung - die Köchin Ciboletta von Mária Rikker ein wenig heraus. Aber auch Andrea Zsadon als Annina (die zugleich an den Gesamtleitung beteiligt war) sowie Szidonia Lugosi als Barbara durften sich ihren Anteil am Gesamterfolg zuschreiben.

Für den Chor und das Orchester des Budapester Operntheaters gilt das Gesagte in ähnlicher Weise. Ein wenig mehr Temperament - so wie es sich bei der Ouvertüre abgezeichnet hatte - hätte dem Ganzen sicher gut getan. Allerdings ging vom Dirigenten Imre Kollár ein entsprechender Impuls an diesem Abend letztlich nicht aus.

Eine mehr technische Anmerkung sei dem Chronisten auch in diesem Fall erlaubt. Im Vorfeld dieser Aufführung war ihm bei der Werbung nirgendwo ersichtlich geworden, welches Ensemble die „Nacht in Venedig” in Monschau denn darbieten würde. Es ist kaum zu verstehen, geschweige denn zu billigen, dass dieser außerordentlich entscheidende Faktor erst an Ort und Stelle sich klärt.
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