Ziel: Die Eifel als barrierefreie Vorzeigeregion

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Dieses Team setzt sich für eine Zertifizierung von barrierefreien Nationalpark-Gastgebern ein. Foto: Nationalpark Eifel

Nordeifel. Mit einer gemeinsamen Initiative wollen der Naturpark Nordeifel und das Nationalparkforstamt Eifel bis Oktober barrierefreie Nationalpark-Gastgeber zertifizieren. Bis dahin sollen Restaurants und Übernachtungsbetriebe für die Belange von Menschen mit Behinderungen sensibilisiert werden, Angebote für Gäste mit und ohne Handicap entwickelt und schließlich auch beworben werden.

Unterstützt werden sie dabei von der Eifel Tourismus (ET) GmbH. Auf Einladung von Naturpark und Nationalpark trafen sich dieser Tage interessierte Betriebe zu einer Auftaktveranstaltung. 16 Betreiber von Hotels, Restaurants, Ferienwohnungen, Campingplätzen und eines Gästehauses entschlossen sich spontan zur Teilnahme.

Die geplante Zertifizierung wird begleitet durch die Nationale Koordinationsstelle Tourismus für alle (NatKo e.V.) aus Düsseldorf. Deren Vorsitzender Johann Kreiter unterstrich die Bedeutung barrierefreier Angebote: „Die Eifel spielt im Bereich des barrierefreien Naturerlebens bereits in der ersten Liga. Gäste benötigen aber eine geschlossene Servicekette, sie wollen auch barrierefrei Essen gehen, mobil sein und übernachten. Eine derart geschlossene Servicekette für Menschen mit und ohne Behinderungen ist mehr als selten. Mit der geplanten umfassenden Berücksichtigung der Barrierefreiheit gehört die Eifel, wenn sie so weiter arbeitet, bald zu den barrierefreien Vorbildregionen.”

Bundesweite Beachtung und Anerkennung fanden bereits die verschiedenen Initiativen des Naturparks Nordeifel und des Nationalparkforstamtes Eifel, die beispielsweise mit dem Deutschen PR-Preis und dem 1. Preis des Euregio-Awards 2008 in der Kategorie „Freizeit und Tourismus” ausgezeichnet worden sind.

Angebote ab 2010

Die nun bevorstehende Qualifizierung barrierefreier Gastgeber sieht eine Begutachtung durch die NatKo, die Erfassung der vorhandenen Angebote und eine Erstellung von Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Barrierefreiheit vor. Dabei sollen die Belange von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen berücksichtigt werden.

So sind bei der Gestaltung einer Speisekarte oder eines Hotelzimmers für blinde oder gehörlose Gäste beispielsweise andere Dinge zu beachten als bei Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Rollstuhl nutzenden Personen. Darüber hinaus sollen die Mitarbeiter der Betriebe über eine Fortbildung für die Belange von Menschen mit Behinderung sensibilisiert werden.

Bis zum Herbst soll das Projekt abgeschlossen sein, um die barrierefreien Angebote in die Gastgeberverzeichnisse und Medien für 2010 integrieren zu können. Begrenzt ist die erste Runde zur Zertifizierung barrierefreier Betriebe vorerst auf die Angebotsgruppe „Gastgeber Nationalpark Eifel”. Um dieses Markenzeichen nutzen zu dürfen, nahmen dessen 43 Betreiber an mehrtägigen Fortbildungen teil. Darüber hinaus müssen die Betriebe spezielle Umwelt- und Qualitätskriterien erfüllen. Finanziell gefördert wird das Projekt der Qualifizierung mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes Nordrhein-Westfalen.

6,9 Millionen Behinderte

Laut Statistischem Bundesamt sind in Deutschland 6,9 Millionen Menschen als schwerbehindert amtlich anerkannt. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung gelten als mobilitätsbehindert. Hierzu zählen beispielsweise gehbehinderte Personen, klein- und großwüchsige Menschen, ältere Personen und kleine Kinder, Personen mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck oder auch Menschen, die durch vorübergehende Unfallfolgen eingeschränkt sind.

Entsprechend beschreibt die Studie „Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus für alle” des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (2004) eine barrierefrei zugängliche Umwelt als zwingend erforderlich für etwa zehn Prozent der Bevölkerung, als notwendig für etwa 30 bis 40 Prozent und als komfortabel für 100 Prozent.

In der Nebensaison

Dass die Eifel mit ihren barrierefreien Urlaubsangeboten wichtige Zielgruppen ansprechen kann, zeigt auch die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F.U.R.). Nach ihr hat „Natur erleben” als Reisemotiv für Menschen mit Behinderungen eine noch höhere Bedeutung als für den gesamtdeutschen Durchschnitt. Zudem verbringen Menschen mit Behinderung ihren Urlaub verstärkt während der so genannten Nebensaison, was zu einer touristischen Saisonverlängerung beitragen kann.
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