Zeugen des Kalten Krieges rasch abgeflext

Von: hes/dpa
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Auch an der Rurbrücke vor Richters Eck entfernten Mitarbeiter des Monschauer Bauhofs nun die letzten Exemplare der MLC-Beschilderung kurzerhand mit der Flex. Foto: Heiner Schepp
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Das sogenannte „Panzerschild“ ist international. In Deutschland wurde es 1955 nach dem Beitritt zum nordatlantischen Verteidigungsbündnis (Nato) eingeführt, um ein einheitliches Kennzeichnen in allen Nato-Staaten zu garantieren. Es stand immer vor Brücken, die zu militärisch wichtigen Straßen gehörten. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Der Schilderwald in der Altstadt Monschau hat sich ein wenig gelichtet. Vergangene Woche entfernte der Bauhof der Stadt an der Rurbrücke an Richters Eck sowie an der Brauerei die vermutlich letzten Exemplare der gelb-schwarzen Schilder im Stadtgebiet, wenn nicht gar in der gesamten Nordeifel. Es war nur eine Sache von Minuten, da waren die Relikte des Kalten Krieges auch schon abgeflext.

Fast jeder Autofahrer ist irgendwo schon einmal an ihnen vorbeigefahren, den kreisförmigen gelben Schildern, auf denen in schwarzer Farbe jeweils zwei durch einen Strich getrennte Zahlen angegeben sind. Zusätzlich befindet sich oft am oberen Rand wahlweise das Piktogramm eines Panzers oder eines Lastwagens. Die Bedeutung der Schilder kennt jedoch kaum ein Autofahrer, die von der Bevölkerung so genannten „Panzerschilder“ sind eben kein Verkehrsschild wie jedes andere.

Ihre Geschichte beginnt mitten im Kalten Krieg: 1955 war die junge Bundesrepublik der Nato beigetreten. Später beschlossen die Mitgliedsstaaten des Militärbündnisses, auf militärisch bedeutsamen Straßen die Brücken mit den „Panzerschildern“ zu kennzeichnen, um den Fahrern militärischer Fahrzeuge anzuzeigen, ob sie die Brücke mit ihrem Fahrzeug befahren können.

„In gewöhnlichen Militärkarten war das zulässige Gesamtgewicht der Brücken nämlich nicht eingezeichnet“, erklärt Dietmar Jeserich, Oberstleutnant im Generalstabsdienst des Verteidigungsministeriums in Berlin. 1960 wurden die ersten Schilder in Westdeutschland installiert.

Die „Panzerschilder“ heißen bis heute offiziell „MLC-Schilder“ und geben an, mit welcher maximalen „Military Load Class“ (MLC) die jeweilige Brücke befahren werden darf. Die Ketten- und Radfahrzeuge aller Nato-Mitgliedsstaaten sind in eine der verschiedenen MLC-Klassen eingeteilt, deren Zahlen aber nicht das Gewicht in Tonnen angeben, erläutert Jeserich.

Steht auf einem „Panzerschild“ zum Beispiel die Zahl 60 mit einem einzelnen Pfeil unter dem Panzersymbol, dann darf die „Panzerhaubitze 2000“ (MLC-Klasse 60), ein fahrbares Artilleriegeschütz, als einzelnes Kettenfahrzeug noch über die Brücke gesteuert werden, der „Leopard 2“ aber nicht. Mit seinem Gewicht von rund 60 Tonnen ist der Kampfpanzer der Bundeswehr (MLC-Klasse 70) für eine solche Brücke zu schwer.

Nach dem Ende des Kalten Krieges sind viele „Panzerschilder“ aus dem Straßenbild der alten Bundesländer verschwunden, während in den neuen erst gar keine aufgestellt wurden. Moderne Autobahnbrücken sind wegen der erhöhten Anforderungen durch den stärkeren Güterverkehr wesentlich robuster als ältere Modelle.

Auf Autobahnen 1993 abgebaut

Deshalb hat das Bundesverkehrsministerium bereits 1993 die Straßenbehörden angewiesen, die Schilder auf den Autobahnen abzubauen, sagt Angela Gareis vom nordrhein-westfälischen Verkehrsministerium. Die Beschilderung müsse nur erhalten bleiben, wenn „die militärische Lastenklasse MLC 50-50/100 unterschritten wird, um eventuelle Schäden durch militärische Fahrzeuge zu vermeiden“.

Im Westen sind die Schilder in den Kommunen dagegen noch an vielen Brücken zu finden. Dabei erklärt das Verteidigungsministerium, es habe 2009 generell darauf verzichtet, die Brücken „in Friedenszeiten“ zu beschildern. Also müssten die Schilder auf kommunalen Straßen mittlerweile eigentlich auch abgebaut worden sein. Es bestehe jedoch keine Frist für den Abbau der Schilder, so dass sich die oft klammen Kommunen damit Zeit lassen können.

Auch bei der Straßenmeisterei in Simmerath geht man davon aus, dass nunmehr diese (letzten?) Relikte des Kalten Krieges verschwunden sind – ganz ausschließen wollen die Schilder-Verantwortlichen jedoch nicht, dass es auch in der Nordeifel noch ein Exemplar der ohnehin seltenen Hinweistafeln gibt.

„Wenn, dann ist eines dieser Schilder irgendwo vergessen worden. Der Abbau hatte keine Priorität“, sagte Bruno Alzer von der in Rollesbroich sitzenden Straßenmeisterei.

Sollte jemand ein Exemplar finden, dann kann er die Straßenmeisterei informieren. „Wenn das Schild verschwindet, weil jemand der Meinung ist, dass es Sammlerwert hat, dann ist das auch nicht schlimm. Dann müssen wir es nicht mehr abbauen“, sagte Alzer.

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