Zehn Katzen bleiben im Dreck zurück

Von: Peter Stollenwerk
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Unerträglicher Gestank: In di
Unerträglicher Gestank: In diesem Räumen lebte die Vermieterin gemeinsam mit ihren Katzen.

Kesternich. Das mit grauen Eternitplatten verkleidete Fachwerkhaus in Kesternich, Im Sief 7, ist sicherlich kein Vorzeigeobjekt dörflicher Idylle.

Das weiß auch Hausbesitzer Reinhold Wenn (53), der nebenan mit seiner Familie in einem Neubau lebt und das benachbarte Elternhaus seit Jahren vermietet, „damit sich wenigstens die laufenden Kosten tragen.”

Entsprechend günstig hat er auch die Miete angesetzt - 200 Euro für 90 Quadratmeter Wohnfläche. Doch seit Anfang des Jahres steht für Reinhold Wenn fest, „dass ich nie mehr vermiete.” Zu massiv waren die negativen Erfahrungen in den zurückliegenden Monaten. Die zuletzt im Haus lebende Mieterin, eine alleinstehende Frau, hat die Wohnung in einem Zustand verlassen, der das Objekt an die Grenze der Unbewohnbarkeit gebracht hat. „Ich weiß nicht, ob die Wohnung noch zu retten ist,” schüttelt Wenn den Kopf.

Schon beim Betreten des Hauses würde man am liebsten fluchtartig den Rückzug antreten. Ein beißender Gestank macht sich breit. Im Treppenhaus, auf dem Flur sowie im Wohn- und Essbereich ist der geschundene Laminat-Boden übersät mit Katzenkot. Mit rund zehn Katzen lebte die Besitzerin hier zuletzt zusammen; nur eine total überbeanspruchte Katzentoilette soll zur Verfügung gestanden haben; die gesamte Wohnung trägt bis auf einen Raum die Spuren der wenig artgerechten Tierhaltung.

Inzwischen lebt die Mieterin in einer Wohnung in Simmerath, doch ehe Reinhold Wenn nach fristloser Kündigung wieder über sein Eigentum verfügen konnte, war es ein langer und kräftezehrender Weg. Erst nach dem Austausch der Türschlösser und der Ausschöpfung von Rechtsmitteln bis hin zum Betretungsverbot des Grundstückes war das Mietverhältnis Anfang des Jahres endlich beendet.

Neben einer schmutzstarrenden Wohnung und jahrelangem Ärger steht der bei der Firma Picard als Dreher beschäftige Vermieter auch noch vor einem Berg bisher unbeglichener Kosten. „Die schlimmste Erfahrung”, sagt Reinhold Wenn als Fazit des nervenaufreibenden Disputs, „ist die Tatsache, dass man sich so allein gelassen fühlt.”

Sein Anwalt spricht zwar von einem „dreisten Verhalten” der Mieterin, aber ob er dem Rat seines Rechtsbeistandes folgen soll, abermals gerichtlich vorzugehen, ist für Reinhold Wenn mehr als fraglich: „Das bringt nichts mehr. Es entstehen nur neue Kosten.” Zu den einschneidenden Erfahrungen gehört für ihn auch die Erkenntnis, „wie schwer es als Mieter ist, seine Rechte durchzusetzen.”

Dabei hatte Reinhold Wenn schon 2006 als er die Wohnung im Obergeschoss seines Elternhauses vermietete, ein leicht mulmiges Gefühl, aber er kannte die neue Mieterin flüchtig, die im gleichen Ort wohnte und als Aushilfe einem großen Betrieb in der Region beschäftigt ist. Erst viel später hörte er, dass die Frau zuvor bereits in einer anderen Wohnung im Ort beim Auszug jede Mengen Maden zurückgelassen haben soll.

Mit drei Katzen, einem Hund und zwei Kaninchen hatte die Mieterin 2006 das Haus im Sief bezogen. Als Reinhold Wenn vor etwa einem Jahr einmal durch die zufällig offen stehende Tür einen Blick ins Obergeschoss werfen könnte, wurde ihm schlagartig klar, dass sich hier unerträgliche Zustände breit gemacht hatten. Der Vermieter schaute auf ein vollkommen verkotetes Treppenhaus. Es folgte die fristlose Kündigung und prompt ein Einspruch der Mieterin, dann ein wechselnder Schriftverkehr, der inzwischen einen ganzen Ordner füllt.

Wechselspiel der Zuständigkeiten

Als die Frau kurz vor Weihnachten 2011 schließlich auszog, blieben die Katzen in der leeren Wohnung zurück. Dann folgte ein Wechselspiel der Zuständigkeiten über Ordnungsamt, Veterinäramt und Tierheim Aachen, ehe der Vermieter am Ende die verwahrlosten und verängstigten Tiere schließlich per Anhänger im Tierheim abliefern konnte.

Eingeschaltet wurde zuvor auch Katzenhilfe Nordeifel, deren Mitarbeiterin sich aber mit der Aufnahme von zehn ungepflegten Katzen überfordert sah. Beim Besuch vor Ort konstatierte die ehrenamtlich tätige Mitarbeiterin „Tierquälerei, katastrophale Zustände und einen unvorstellbaren Gestank.”

Um die Situation zu bezeugen, bat Reinhold Wenn dann auch noch Kesternichs Ortsvorsteher Ulrich Offermann als neutralen Beobachter hinzu, der in einer Notiz festhielt, dass etwa zehn Katzen zwischen rund 200 Kothaufen in der Wohnung umhersprangen. „Mit einem Wort: Es war ekelhaft.”

Auf zwei Monaten Mietrückstand, Nebenkosten und einer Rechnung über 3600 Liter Heizöl ist Reinhold Wenn bislang sitzen geblieben und fühlt sich ziemlich ratlos: „Ich bin zwar im Recht, das habe ich auch schriftlich, aber es nützt mir nichts,” sieht sich der Vermieter als großer Verlierer und allein zurückgelassen im Chaos.
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