Zehn Jahre nach Kyrill: Was der Orkan in der Eifel anrichtete

Von: Andreas Gabbert
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So wütete Kyrill: Förster Wolfgang Klubert zeigt eine der Flächen in den Wäldern... Foto: A. Gabbert
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... wo der Orkan Kyrill vor zehn Jahren die größten Schäden anrichtete. Damals standen an dieser Stelle Bäume, demonstriert Förster Klaus-Jürgen Schmitz. Foto: A. Gabbert
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In Strauch war damals der Wetterhahn der Kirche samt Kreuz in eine bedrohliche Schieflage geraten. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Nordeifel. Als der Orkan Kyrill vor zehn Jahren eine Schneise der Verwüstung durch Mitteleuropa zog, wurde in Strauch das Gelände rund um die Kirche gesperrt, weil der Wetterhahn samt Kreuz in eine bedrohliche Schieflage geraten war.

Am Menzerather Weiher beschädigte ein umgestürzter Baum den Grundablass, am neuen Sportheim in Konzen wurde die Solaranlage auf den Kunstrasenplatz gewirbelt und auf der B258 im Wahlerscheider Wald mussten 30 bis 40 umgefallene Bäume weggeräumt werden. Viele Orte in der Eifel blieben zeitweise ohne Strom, weil Bäume auf die Hochspannungsleitungen gefallen waren. Die Freiwilligen Feuerwehren waren im Dauereinsatz. In den Wäldern der Eifel sind die Schäden teilweise heute noch erkennbar.

Auch wenn der Wirbelsturm in den Eifelwäldern Schäden in Höhe des gesamten Jahreseinschlags oder auch darüber hinaus hinterließ, sind sich die Förster der drei Nordeifelkommunen Roetgen, Simmerath und Monschau einig, dass die Region damals mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

„In der Eifel war es relativ händelbar. Für die Gemeinde Roetgen war Kyrill keine große Katastrophe“, sagt Roetgens Gemeindeförster Wolfgang Klubert. Im Roetgener Gemeindewald hatte Kyrill rund 7000 Festmeter Holz umgeworfen. „Die Stürme Vivian und Wiebke haben im Jahr 1990 den Boden bereitet“, sagt Klubert. Damals seien die Schäden globaler und deutlich umfangreicher gewesen und hätten sich bei den Stürmen in den Folgejahren weiter ausgeweitet, da die Angriffsfläche größer geworden sei.

Vor Wiebke hätten in dem Bereich des Münsterwaldes, wo die Stürme besonders heftig tobten, zu 90 Prozent ältere Fichten gestanden. In den Kammlagen gebe es inzwischen keinen Baum mehr, der älter als 25 Jahre ist. „Das ist auch eine Chance, den Wald den veränderten Bedingungen durch den Klimawandel anzupassen“, sagt Klubert.

Daher sei man in den Folgejahren dazu übergegangen, mehr Douglasien und Laubbäume zu pflanzen und auf eine Naturverjüngung der Fichten zu setzen. Bereiche wie die Vennabschnitte im Münsterwald habe man auch ganz der natürlichen Entwicklung überlassen, erklärt Klubert. Auf den ehemaligen Windwurfflächen liege der Laubholzanteil inzwischen bei fast 100 Prozent.

Typisch für solche Ereignisse seien Phasen mit hohen Niederschlägen und milden Temperaturen, dann werde der Boden weicher und biete den Bäumen weniger Halt, sagt Klubert, der im Zuge der Klimaänderung vermehrt mit solchen Naturereignissen rechnet. „Forscher haben das schon in den 1980er Jahren prognostiziert. Damals wurde das belächelt. Aber sie hatten recht“, sagt er.

Anders als in Roetgen habe Kyrill die durch Wiebke entstandenen Flächen nicht viel weiter aufgerissen, sondern eher neue Windwurfflächen erzeugt, sagt Simmeraths Gemeindeförster Dietmar Wunderlich. Insgesamt seien es 18.000 Festmeter Holz gewesen, die Kyrill im Simmerather Gemeindewald umstürzen ließ. Rund 10.000 Festmeter seien auf einer Fläche von 30 Hektar „flächig geworfen“ worden, der Rest des Schadens sei auf kleineren Flächen entstanden. Das entspreche dem geplanten Einschlag von zwei Jahren.

„Der größte Teil des Schadens ist damals im Buhlert entstanden und nicht in Lammersdorf, wo es feuchter ist und man es eher vermutet hätte“, sagt Wunderlich. Neben dem wirtschaftlichen Schaden sieht aber auch Wunderlich eine Chance zur Umgestaltung des Waldes. Ökologisch gesehen seien die Schäden kein Nachteil, auf kleineren Flächen könnten sie sogar vorteilhaft sein, „weil dadurch unterschiedliche Altersstrukturen und Höhen der Bäume entstehen“.

Die großen Flächen, auf denen früher fast nur Fichten wuchsen, seien inzwischen wieder mit unterschiedlichen Baumarten aufgeforstet worden. Mitte des Jahres 2007 seien 80 Prozent der Flächen bereits wieder aufgearbeitet worden. Jetzt würden Buche und Douglasien überwiegen, teilweise gebe es auch Eichen. „Auch wenn Stürme eine Chance für ein ausgewogeneres Verhältnis im Wald sein können, sollte man sie sich nicht herbei wünschen“, sagt Wunderlich.

Auf dem Gebiet der Stadt Monschau habe sich der Schaden eher punktuell verteilt, reine Flächenwürfe würden sich auf unter 20 Hektar summieren. Der Schaden in Höhe von rund 10.000 Festmetern habe damals die Einschlagmenge eines Jahres knapp überschritten. „Wir hatten wirklich Glück“, sagt Stadtförster Klaus-Jürgen Schmitz.

Besonders betroffen gewesen seien damals die Gebiete an der Florianhütte und am Holderbach bei Rohren, bei Gut Heistert in der Nähe von Kalterherberg sowie an der B 258 bei Wahlerscheid. Auf den meisten Flächen seien anschließend Douglasien und Laubhölzer gepflanzt worden. Das Ziel sei, mehr Mischwald und damit eine höhere Standfestigkeit und Widerstandsfähigkeit etwa gegen Schädlinge zu erhalten, erklärt Schmitz. Auch er erwartet, dass die Häufigkeit solcher Naturereignisse mit einer fortschreitenden globalen Erwärmung zunehmen wird. „Das hat es immer wieder gegeben und es wird auch immer wieder vorkommen. Wir rechnen alle zehn Jahre mit solchen Ereignissen“, sagt Schmitz.

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