Wollseifener Schule: Steineklopfen für die Sanierung

Von: Bernd Kehren
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Müssen zunächst gereinigt werden: Die 250 bis 300 Ziegelsteine, die bei der Sanierung verwendet werden sollen. Foto: Franz Küpper

Wollseifen. Jetzt können die Mitglieder des Traditions- und Fördervereins Wollseifen so richtig loslegen mit der Sicherung und Sanierung der alten Schule. Die Kreissparkassen-Stiftung steuert 10.000 Euro für die geplante historische Ausstellung bei.

51.000 Euro bewilligte die NRW-Stiftung für die Herrichtung des Gebäudes. Die Mitglieder des Traditions- und Fördervereins Wollseifen stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung.

Im November begann die Truppe um Vereinsvorsitzenden Wilfried Ronig aus Hühnerbusch bereits mit dem Beseitigen des Gestrüpps, das die Ruine umgab. Dabei wurde eine Treppe im hinteren Bereich freigelegt, von der nur der 85-jährige Franz-Josef „Fritz“ Sistig etwas wusste. Diese Treppe führte vom rückwärtigen Eingang zum Garten des Lehrers, der früher im heute nicht mehr existierenden oberen Stockwerk wohnte. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Eingestürzter Gewölbekeller

Unter den beiden Klassenzimmern befinden sich zwei Keller: Einer war für die Schule bestimmt, einer für den Lehrer. Ein Teil des Gewölbekellers ist eingestürzt. Mühsam musste dieser Bereich des Kellers wieder freigelegt werden. In Kürze wird Richard Schwarzer aus Hellenthal, der für das THW in Afrika schon einige Brunnen gebaut hat, das zerstörte Gewölbe wieder zumauern.

Zurzeit sind die Vereinsmitglieder, allen voran „Bauleiter“ Alois Esch aus Morsbach, dabei, eine Holzdecke zu installieren, in der die Fledermäuse ihre Winterquartiere und Wochenstuben finden können. Für sie müssen noch Einfluglöcher geschaffen werden, wie Architekt Klaus Freimark erklärt. Um bequem an dieser Holzkonstruktion arbeiten zu können, wurde eigens eine Arbeitsbühne aus Holzbohlen errichtet. Diese Bohlen werden später genutzt, um den Boden eines der Klassenzimmer auszulegen.

Historische Ausstellung

250 bis 300 Ziegelsteine wurden aus den Resten eines ehemaligen Wollseifener Hauses in die Schule geschafft. Derzeit ist Fritz Sistig emsig dabei, diese Steine von Moos und Mörtelresten zu befreien. Sie werden bei der Sanierung des alten Schulgebäudes Verwendung finden.

Parallel dazu bereiten Sistig und Gabriele Harzheim von „Vogelsang ip“, die bereits die Projektleitung bei der Innengestaltung der Kirche Wollseifen übernommen hatte, die Ausstellung in der alten Schule vor. Diese wird barrierefrei erreichbar und jederzeit zugänglich sein. Sistig, der von 1936 bis 1944 in der Wollseifener Schule unterrichtet wurde, besitzt zahlreiche historische Fotos und Dokumente. Sie bilden die Grundlage für die Präsentation, in der die Geschichte des Dorfes von der Zeit um 1200 bis zur Vertreibung der Wollseifener 1946 gezeigt wird.

Die Verantwortlichen hoffen, dass auch einige Exponate ausgestellt werden können. Vorhanden sind noch eine originale Bank aus der Kirche und eine Wetterfahne aus dem Jahr 1847, die einst auf dem „Bischofssitz“ mit Blick ins Tal stand. Die Mitglieder des Vereins wären froh, wenn sich weitere Exponate finden würden.

Ursprünglich war geplant, dass die Schule samt Ausstellung bis zum Rochusfest, dem Patron der Wollseifener Kirche, im August fertig ist. „Es ist aber noch ein gutes Stück Arbeit“, sagt Sistig: „Bis dahin werden wir wohl nicht fertig.“

Der heute in Gemünd lebende Fritz Sistig wurde 1929 in Wollseifen geboren. Seine Erinnerungen an die alte Schule sind auf einer Tafel vor der Ruine nachzulesen. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1946 wurde in der alten Schule unterrichtet. Vorher befand sich die Schule in einem anderen Gebäude, dem späteren Elternhaus von Sistig. Als die Schule in ihr neues Gebäude umzog, kaufte die Konsum-Genossenschaft das alte Schulhaus und eröffnete dort das Geschäft. 1920 erwarb Sistigs Vater dieses Haus, baute es um und betrieb dort bis zur Vertreibung 1946 das Kolonialwarengeschäft „Einkaufhaus“.

Verlies auf dem Speicher

Im Zweiten Weltkrieg lebte in der Lehrerwohnung der neuen Schule ein aus Köln stammendes Ehepaar mit Kind. Der Mann hieß Clemens Kaufmann und war Anstreicher. Fritz Sistig: „Ende 1944 kam er als Soldat auf Heimaturlaub. Als er wieder zur Einheit zurückkehren musste, war er plötzlich verschwunden. Clemens Kaufmann wurde von der Feldgendarmerie, auch Kettenhunde genannt, gesucht. Auf Fahnenflucht stand die Todesstrafe. Man fand ihn aber nicht. Er hatte sich auf dem Speicher der Schule ein Verlies gebaut und wartete dort auf das Vorrücken der Amerikaner Anfang Februar 1945.“ Nach der Vertreibung wohnte Clemens Kaufmann mit seiner Frau lange in Gemünd.

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