Wollgarten: „Wir haben die Wirkung unterschätzt”

Von: Bernd Büttgens
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AKV-Präsident Horst Wollgarten: „ Wir würden uns sehr freuen, wenn wir die explosionsartige Stimmungslage entschärfen Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nach Tagen des Schweigens hat sich am Dienstag AKV-Präsident Horst Wollgarten - nach Abstimmung mit den geschäftsführenden Vorständen Norbert Königs und Thomas Frings - zur Debatte um seinen Verein geäußert.

Die Medienkritik an der Fernsehsitzung hat den AKV-Elferrat aufgebracht, die Reaktion, nämlich die Absage einer Straßenkarnevalssitzung am Holzgraben, sorgte für reichlich Zündstoff. Schlimmste Auswirkung: persönliche Bedrohungen. Wollgarten verteidigt die Sitzung, räumt Fehler ein und bittet um Besonnenheit.

Herr Wollgarten, wie blicken Sie auf die Diskussion, die rund um den AKV und seine Stellung in Aachen vehement geführt wird?

Wollgarten: Die Stimmungslage spricht im Moment nicht für uns als AKV. Die negative Berichterstattung nach der Festsitzung hat uns hart getroffen. Inwieweit dies in allen Punkten gerechtfertigt war, ist meiner Meinung nach sehr diskussionsfähig. Diese lokale Kritik steht im Widerspruch zu der überregionalen positiven Resonanz auf die Fernsehsitzung. Das irritiert uns und tut auch weh.

Haben Sie wirklich keine Schwächen in der Sitzung ausgemacht? Der Vorwurf lautet, dass Sie die Aachener Identität als Zugeständnis an die ARD geopfert hätten.

Wollgarten: Wir haben die Sitzung nicht schlecht gesehen. Und wir hatten mit den 4 Amigos, Lennet Kann, dem Kinderkarnevalspreis, Kinderprinz, Jürgen Beckers, Rolf Gerrads, dem AKV-Elferrat und weiteren mehr auch reichlich Öcher Flair im Programm. Wir bedauern aber in der Tat, dass der Prinz und die Prinzengarde nicht im Bild zu sehen waren. Das war ebenso ein Fehler wie die Tatsache, dass unser Oberbürgermeister Marcel Philipp herausgeschnitten worden ist. Das war alles andere als gut und wird sich im nächsten Jahr ändern.

Darüber haben wir mit den Fernsehverantwortlichen gesprochen. Bei Markus Bongers, dem Kommandanten der Prinzengarde, habe ich mich persönlich entschuldigt, mit OB Philipp habe ich gesprochen. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir die explosionsartige Stimmungslage entschärfen könnten. Sie tut keinem hier in Aachen gut.

Die Kritik war sicherlich hart, aber aus journalistischer Sicht gerechtfertigt und professionell. Darf man von einem Karnevalsverein, der eine ARD-Show produziert, nicht auch einen professionellen Umgang mit Kritik erwarten?

Wollgarten: Wir haben mit dieser vehementen Kritik nicht gerechnet. Man sollte doch bei aller Kritik und Häme auch anrechnen, welches Engagement der Elferrat, der Präsident, der AKV und viele Ehrenamtler da aufbringen. Die Kritik in ihrer geballten Wirkung ging unserer Meinung nach über das Ziel hinaus.

Ist Ihre Reaktion darauf, Ihre Straßenkarnevalssitzung am Holzgraben, bei der alle interessierten Fastelovvendsjecken mitfeiern dürfen, abzusagen, richtig gewesen?

Wollgarten: Diese Sitzung, die in den letzten Jahren immer weniger besucht worden ist, wird jetzt zur Großveranstaltung hochstilisiert. Hier scheinen aus unserer Sicht unterschiedliche Blickwinkel zu existieren. Während wir mit der Absage lediglich eine weitere Konfrontation Medien und AKV vermeiden wollten, haben wir die Bedeutung als Startschuss des Straßenkarnevals unterschätzt. Wir haben dabei den großen Fehler gemacht, dass wir nicht sofort den Aachener Karnevalisten eine Ersatzveranstaltung angeboten haben. Der Versuch, dies nachzuholen, scheiterte in der Folge an terminlichen und organisatorischen Gründen der Akteure sowie an einer geeigneten Räumlichkeit.

In Wahrheit ist diese Entscheidung nach hinten losgegangen. Die Resonanz auf diese Absage ist einheitlich schlecht: Der beleidigte AKV sagt den Straßenkarneval ab! Hatten Sie das nicht einkalkuliert?

Wollgarten: Nein, nicht in dieser Form. Das ist wirklich heftig. Uns als Verein macht vor allem sehr nachdenklich, dass die jetzt aufkommende Kritik wohl weniger mit der Open-Air-Sitzung am Holzgraben zu tun hat als vielmehr mit dem Gesamtthema AKV. Da geraten der AKV und die handelnden Personen des Elferrats in den Fokus. Diese zum Teil sehr scharfe, auch unter die Gürtellinie gehende Kritik macht uns alle sehr betroffen. Das hat kein Ehrenamtlicher eines Vereins verdient. Also, Kritik ja, aber so?

Was folgt daraus?

Wollgarten: Ganz ehrlich, wir als AKV freuen uns doch auch darauf, beim Straßenkarneval, vor allem auch beim Rosenmontagszug, mitzufeiern, auch wenn wir zugeben müssen, dass die Lust doch mittlerweile getrübt ist. Wir haben für die Festsitzung monatelang hart gearbeitet und möchten in den jecken Tagen genauso Spaß haben wie alle anderen.

Haben Sie Sorgen, dass sich daran etwas ändert in diesem Jahr?

Wollgarten: Ja, diese Sorge haben wir im Elferrat in der Tat. Hier ist ein Ausmaß erreicht, das mit konkreten persönlichen Anfeindungen einhergeht, die nicht nur ehrverletzend sind, sondern die mit Blick auf den Rosenmontag eine massive Bedrohung darstellen. Wir haben daher ernsthafte Befürchtungen, hoffen aber, dass sich die Gemüter bis dahin beruhigt haben werden. Am Ende des Tages geht es uns allen doch um Spaß an der Freud´.

Noch einmal zur TV-Sitzung. Die Kritik in Aachen ist fast einheitlich negativ, werden Sie reagieren?

Wollgarten: Wir müssen uns natürlich fragen, warum wir in Aachen so schlecht wegkommen. Wir landen dann schnell bei der Grundsatzfrage, nämlich bei diesem ewigen Spagat zwischen dem Öcher Karneval, auf der einen Seite, und Programminhalten für die bundesweite Zielgruppe der ARD, auf der anderen Seite. Der Karneval starker Öcher Prägung läuft nach einhelligem Bekunden aller Fernsehverantwortlichen uns gegenüber jedenfalls nicht im Ersten. Wir haben uns für den Tanz auf dem dünnen Seil entschieden: Aachen ja, so viel und so gut wie es geht, aber auf der anderen Seite müssen wir auch die Leute am Bildschirm außerhalb Aachens erreichen. Da sind die Erwartungen andere.

Dieser Spagat ist extrem kompliziert, wir haben aber keine andere Wahl.

Er kann auch verrutschen.

Wollgarten: Ja, das stimmt, wobei wir diesen Eindruck in diesem Jahr in der Gesamtschau nicht haben. Aber wir haben uns für diesen Weg entschieden. Der Weg ins Dritte Programm ist für diesen Elferrat kein Ziel. Unser Anspruch ist es, die Stadt Aachen im Ersten zu präsentieren. Es steht aber den Mitgliedern als Souverän des Vereins natürlich jederzeit zu, dies zu verändern, aber dann muss man auch die Konsequenzen dessen hinnehmen.

Haben Sie Fehler gemacht?

Wollgarten: Wir haben die Sache mit dem Holzgraben unterschätzt. Aber mein Wunsch ist: Wir leben alle in dieser Stadt, nun lasst uns auch gemeinsam Karneval feiern!
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