Nordeifel - Wo sind die jungen Köpfe in der Kommunalpolitik?

Wo sind die jungen Köpfe in der Kommunalpolitik?

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Auf den Plakaten für die Wahlen am 25. Mai vermisst man auch in der Nordeifel die jungen Gesichter. Nichts gegen Lebenserfahrung, aber der ein oder andere junge Kopf stünde allen Parteien gut zu Gesicht.

Nordeifel. Zählt man einmal nach, wie viele junge Leute unter 30 für die Räte in Monschau, Simmerath und Roetgen kandidieren, ist die Zahl ernüchternd: Von 209 Kandidaten sind gerade mal 15 unter 30 Jahren.

Auch auf den Reservelisten ist das Bild ein ähnliches. Von insgesamt 241 Reservekandidaten sind gerade mal 12 unter 30. Der Mangel ist parteiübergreifend. Der Politik geht eine Generation verloren, nämlich die, die gerade im Umbruch ist: zwischen Abi und Studium oder zwischen Studium und Beruf. Der Druck auf die Jungen ist gewachsen. Verkürztes Abitur nach zwölf Jahren sowie Bachelor und Master lassen kaum Zeit, sich noch in Vereinen oder Parteien zu engagieren. Viele ziehen zum Studieren oder für den ersten Job aus der Heimat weg – zumal ein guter Lebenslauf Auslandsstationen oder einen Aufenthalt in einer anderen Stadt zwangsläufig beinhaltet. Wer sich nicht abhebt, hat auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance. Die Konsequenz ist, dass Vereine ebenso wie Parteien hart um Nachwuchs kämpfen müssen.

Wir haben uns bei jungen Menschen umgehört, die sich in der Politik engagieren, und nachgefragt, warum sie es tun und warum es nicht mehr von ihnen gibt.

Meinung ist gefragt

Der 21-jährige Lukas Krüger aus Kalterherberg darf zwar nicht als Kandidat für die Kommunalwahl antreten, weil er für das Studium seinen Erstwohnsitz nach Aachen verlagert hat, er gehört als Beisitzer aber zum Vorstand des CDU-Stadtverbandes Monschau. „Ich will selber mitgestalten und meine Meinung und Ideen einbringen“, sagt der junge Mann über seine Motivation, sich in der Politik zu engagieren. Wenn Dinge umgesetzt werden, die er mit angestoßen hat, bereitet ihm das Freude. „Dazu gehört aber auch, sich auf die Arbeit in der Partei einzulassen. Das ist effizienter. Ich will die Sache von innen aufrollen“, sagt er.

Sein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens mit Fachrichtung Maschinenbau sieht er dabei nicht als Hindernis – im Gegenteil. „Als Student hat man die Möglichkeit, sich seine Zeit freier einzuteilen als ein Arbeitnehmer. Dafür sitze ich dann abends länger am Schreibtisch“, erklärt Krüger. Wenn es um Themen gehe, die junge Menschen betreffen, werde er auch von der Bürgermeisterin oder dem Vorsitzenden des Stadtverbandes angesprochen und nach seiner Meinung gefragt. „Da bin ich einfach näher dran“, sagt Krüger.

„Die Rathäuser überaltern, junge Leute fühlen sich nicht mehr repräsentiert“, sagt der 24-jährige Christoph Vormstein, der in Lammersdorf für die SPD antritt. Vor zwei Jahren ist er der Partei beigetreten und wurde als sachkundiger Bürger schnell in die Ratsarbeit einbezogen. Lange vorher war er schon gewerkschaftlich tätig und ist Vorsitzender des Bezirksjugendausschusses der IG Bergbau, Chemie, Energie, außerdem ist er im Betriebsrat seines Arbeitgebers vertreten. „Als Gewerkschaftler bildet man eine Einstellung zu politischen Themen, da lag die SPD nahe. Für mich ergibt das ein Gesamtpaket“, sagt er über seinen Eintritt in die Partei.

Viel Freizeit bleibt da nicht, aber das stört ihn auch nicht. „Ich bin froh, wenn ich am Ende des Tages etwas Sinnvolles getan habe“, sagt Vormstein. Wenn sich junge Menschen nicht in der Politik engagieren würden, hieße das noch lange nicht, dass sie keine politische Meinung hätten. Oft hätten private Sorgen aber den Vorrang. „Mit Blick auf die berufliche Perspektive werden die auch nicht geringer“, sagt Vormstein. Der Druck von außen nehme zu, und auf kommunaler Ebene sei in der Politik eben auch kein Geld zu verdienen.

Von Gleichaltrigen werde ihm für sein Engagement Respekt entgegen gebracht. Oft werde er auch gezielt angesprochen, ob er nicht ein Thema in der Partei oder im Rat der Gemeinde ansprechen könne. „Und genau dafür mach ich das ja auch“, sagt Vormstein.

Lukas Benner aus Rott ist einer der jüngsten Kandidaten und tritt für die Grünen an. Am 20. Februar ist er 18 Jahre alt geworden und gleich der Partei beigetreten. Auslöser seien ein allgemeines politisches Interesse, die Mitgliedschaft in Umweltorganisationen wie Seashepherd und die Unzufriedenheit mit der Kommunalpolitik gewesen, sagt er. Geärgert hatte er sich auch über „flächendeckende Bebauung, die wenig Grün übrig lässt“, schlechte Busverbindungen und fehlende Mülleimer im Wald. Dass er in der Partei meist auf Kollegen über 40 Jahre trifft, ist für ihn kein Hindernis. „Mir wird Vertrauen entgegengebracht, und ich habe die Möglichkeit, mich einzubringen“, sagt Benner.

Politik und Schule

Ende des Jahres will er eigentlich eine Zeit in Neuseeland verbringen und dann in Bonn sein Jura-Studium mit Schwerpunkt Umweltrecht beginnen. Sollte er gewählt werden, würde das mit seinem Mandat kollidieren. In diesem Fall wäre er aber auch bereit, zusätzlichen Aufwand in Kauf zu nehmen. Sollte er nicht gewählt werden, sieht er „unzählige Aufgaben, die man auch mal für ein Jahr übernehmen kann, etwa in Projekten“, sagt Benner. Viele wüssten nicht, dass man auch als junger Mensch etwas ändern könne, auch der „Spaßfaktor“ werde meistens nicht gesehen. Politikverdrossenheit begegne er in der Schule und in seinem Freundeskreis nicht. Viele fühlten sich auf kommunaler Ebene nicht vertreten und wüssten nicht, wohin sie sich wenden sollen. Gleichaltrige seien mit ihren Problemen gleich zu ihm gekommen, sagt Benners.

Für den 20-jährigen Patrick Krieger aus Lammersdorf war die letzte Landtagswahl ausschlaggebend dafür, dass er nun für die FDP bei der Kommunalwahl antritt. Damals habe er sich informieren wollen und sei dafür zu einer Wahlveranstaltung von Christian Lindner nach Aachen gefahren, sagt er. Der Auftritt überzeugte ihn, so dass er eine Woche später der Partei beitrat. Er fühlt sich dort ernst genommen, es gebe einen offenen Dialog, und wenn er Einwände hätte, würden die auch diskutiert. Er kümmert sich um die Gestaltung von Flyern, Newslettern und des Internet- und des Facebookauftritts, den er mit angeregt hat. Außerdem ist Krieger im Generationenbeirat aktiv.

Anders erlebt

Dass in der FDP Simmerath inzwischen einige junge Leute vertreten sind, erklärt er sich mit der Politik der Bundesregierung. Mit Blick auf die Renten und Generationengerechtigkeit fühlten sich viele junge Menschen nicht vertreten. Warum sich generell aber eher wenige junge Menschen in der Politik engagieren, ist für ihn klar. „Das liegt daran, dass aktuelle Politik im Schulunterricht nicht stattfindet“, sagt Krieger. Junge Menschen wüssten oft nicht, wie und warum sie wählen sollen. „Bei der ersten Wahl ist es so, als falle man aus einer Wolke“, sagt Krieger. Die Schulen müssten hier aktiver werden, fordert er. Der Wahlomat, könne dabei ein Hilfsmittel sein. Ein weiterer Grund sei die Politikverdrossenheit des Elternhauses.

Bis auf wenige Ausnahmen würden sich Gleichaltrige durchaus für sein Engagement interessieren. Bei dieser Gelegenheit könne er dann aufzeigen, welche Möglichkeiten man als junger Mensch hat, sich in die Politik einzubringen.

Als sie noch zur Schule ging, habe sich niemand aus ihrer Stufe politisch engagiert, sagt die 19-jährige Daniela Germ, die für das Bürgerforum 21 bei der Kommunalwahl antritt. „Die Begründung war, man könne doch ohnehin nichts erreichen. Das habe ich durch die politische Arbeit meines Vaters aber anders erlebt“, sagt sie. Ausschlaggebend dafür, sich selbst zu engagieren, waren schließlich die aus ihrer Sicht unbefriedigende Lösung beim Vennbad und zu wenige Angebote für Jugendliche. Sie habe die Parteien verglichen und sich schließlich für das Bürgerforum 21 entschieden. „Weil ich gerne das sage, was ich denke“, erklärt Germ. Wenn sie mit Gleichaltrigen über Engagement spricht, würden diese zunächst etwas belustigt reagieren. „Wenn man es dann aber erklärt, dann können sie es aber nachvollziehen. Den meisten fehlt einfach der Bezug“, sagt die 19-Jährige. Sie ist überzeugt, dass der Grundstein für diese Politikverdrossenheit oft schon im Elternhaus gelegt wurde.

Sorgen, ihr politisches Engagement nicht mit ihrem Bauingenieur-Studium vereinbaren zu können hat sie nicht. „Die Zeit sollte man sich nehmen, weil es uns alle betrifft, unsere Zukunft und die, die nach uns kommen“, sagt sie.

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