Roetgen - Wirtschaftlichkeit analysiert: Welches Potenzial hat der Wald?

Wirtschaftlichkeit analysiert: Welches Potenzial hat der Wald?

Von: ag
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Der Roetgener Gemeindewald dient nicht nur der Erholung, sondern soll auch Geld in die Kasse bringen. Dazu haben die Grünen jetzt eine Analyse vorgestellt. Foto: Archiv/ P. Stollenwerk

Roetgen. Die Grünen haben sich mit der Roetgener Forstwirtschaft auseinandergesetzt und deren Wirtschaftlichkeit analysiert. Die Ergebnisse wurden jetzt von Bernhard Müller in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss der Gemeinde präsentiert.

Die Fraktion der Grünen habe in der Vergangenheit immer wieder Vorschläge und Anträge zu einer ökologischeren und naturgemäßeren Waldwirtschaft in den Gemeinderat und die Ausschüsse eingebracht. Diese seien aber mit dem Hinweis auf die Funktion als Wirtschaftswald abgelehnt worden. Daher habe man sich nun mit der Wirtschaftlichkeit in der Roetgener Forstwirtschaft genauer auseinandergesetzt, erklärte Bernhard Vogel. Mit der Analyse der Grünen sei aber keine Kritik an dem Gemeindeförster verbunden, betonte er mehrfach. Der Gemeindeförster konnte krankheitsbedingt nicht an der Sitzung teilnehmen und daher zu den Ausführungen nicht Stellung beziehen.

Zunächst hielt Müller fest, dass es Abweichungen zwischen den im Forstwirtschaftsplan eingestellten Zahlen und denen der Haushaltssatzung gebe. Es gebe kein Ergebnis des Forstwirtschaftsplanes und damit sei auch keine Überprüfung möglich. „Es gibt gewaltige Abweichungen, die nie überprüft wurden“, sagte Müller. Der Förster entscheide auf unklarer Rechtsgrundlage allein über die Vergabe von Bestandsbegründungen in Höhe von 40.000 bis 50.000 Euro pro Jahr. Außerdem entscheide der Förster auch über die Erhöhung von Ausgaben für den Wegebau um fast 50 Prozent weitgehend ohne Rechtsgrundlage. Die Vergabepraxis beim Wegebau bezeichnete Müller als unverständlich.

Außerdem kritisierte er unter anderem, dass Verkaufsverträge schon vor den Entscheidungen im Ausschuss und im Rat abgeschlossen würden.

Seine Ausführungen zur Wirtschaftlichkeit des Gemeindewaldes untermauerte Müller mit einem umfangreichen Zahlenwerk, um am Ende zusammenfassend festzustellen, dass die Forstwirtschaft in Roetgen trotz aller Bemühungen unwirtschaftlich sei und nicht die gesetzten Ziele erfülle. Trotz des Verkaufs von Holz im Wert von 3,6 Millionen Euro und eines Holzertrages von 2,8 Millionen Euro entstehe im Zeitraum von 2009 bis 2018 ein Gesamtverlust von 115.500 Euro. Deshalb schlug er vor, die Forstwirtschaft grundlegend neu auf ein „modernes, naturnahes und ökologisch sinnvolles Flächenmanagement“ auszurichten. So seien dann jährliche Gewinne von mehr als 100.000 Euro für die Gemeinde möglich.

Die Wirtschaftlichkeit könne unter anderem durch eine Überarbeitung der Entscheidungs- und Controllingprozesse, durch eine Trennung der forstwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Festlegungen, durch eine Reduktion des Wildbestandes zur Minderung der Schälschäden und eine massive Förderung der Attraktivität für „sanften Tourismus“ erreicht werden. Mittelfristig müsse auch über eine gemeinsame Bewirtschaftung des Waldes im Südkreis nachgedacht werden, erläuterte Müller.

Bürgermeister Jorma Klauss sagte, es sei sinnvoll über ein Controllingkonzept nachzudenken. Die weitere Diskussion solle aber im zuständigen Umwelt-, Tourismus- und Forstausschuss (UTF) fortgeführt werden. Auch Helmut Mulorz (SPD) sprach sich für eine Diskussion im UTF über Müllers Ausführungen aus. „Wenn man genau hinschaut, stimmt alles nur halb“, sagte er.

Michael Seidel (CDU) sah einige Punkte, die man diskutieren könne und sprach sich für eine ergebnisoffene Diskussion aus. Die Politiker müssten sich auf den Förster verlassen, in der Vergangenheit habe es „immer gute Gründe“ für die getroffenen Entscheidungen gegeben.

Silvia Bourceau (UWG) erklärte, dass sie sich bislang vom Gemeindeförster immer gut informiert gefühlt habe. Es sei wichtig auch ihn anzuhören. Günther Severain (parteilos) legte Wert auf Kontrolle und Transparenz. Willi Axer (SPD) empfand die Ausführungen als einen Angriff auf den Gemeindeförster und die im UTF getroffenen Entscheidungen.

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