„Wir haben im Blick, was gefahren wird“

Von: Heiner Schepp
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Was wird da auf unsere Wiesen gefahren? Die Skepsis in der Bevölkerung vor allem gegenüber Gülletransporten aus den Niederlanden ist groß im Monschauer Land. Die Landwirtschaftskammer versuchte im Umweltausschuss, den Bürgern Sorgen zu nehmen. Foto: Imago/McPhoto
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Protest: Plakat einer privaten Informationsveranstaltung in Kalterherberg Foto: Archiv/Gombert

Monschau. Das Aufbringen von Gülle stellt in der Eifel aktuell kein Problem für das Trinkwasser dar. Und: Nach Kenntnis der Landwirtschaftskammer NRW wird derzeit nicht mehr organischer Wirtschaftsdünger aus den Niederlanden auf den Eifeler Weideflächen aufgebracht als erlaubt.

Diese Kernaussagen traf am Dienstagabend im Monschauer Umweltausschuss Ewald Adams, Leiter der Bezirksstelle für Agrarstruktur im Bereich Aachen, Düren und Euskirchen.

Die Monschauer Politik hatte das Thema Gülle auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem unsere Zeitung bereits im März Klagen von Bürgern über erhöhten „Gülle-Tourismus“ im Monschauer Raum öffentlich gemacht hatte. Außerdem war am 29. April eine privat organisierte, öffentliche Veranstaltung zum Thema Gülle aus den Niederlanden in Kalterherberg auf breites Interesse bei Bürgern und Landwirten gestoßen. „Wir haben es daher als unsere Pflicht angesehen, diesen Sachverhalt im politischen Raum zu beraten, unterstützt von Experten der Landwirtschaftskammer und der Wasserversorger“, sagte Bürgermeisterin Margareta Ritter.

„Die Gülle ist überall ein wichtiges Thema“, ließ Ewald Adams die Zuhörer wissen und unterstrich, dass die Landwirtschaftskammer zuständig für die Kontrolle der aufzubringenden Nährstoffe, aber auch die Anlaufstelle für Beschwerden der Bürger sei, wenn es um Gülle gehe. Der Bezirksleiter ging auf die am häufigsten vorgebrachten Klagen von Bürgern gegen die Gülle ein. „80 bis 90 Prozent der Anrufe und Schreiben, die uns erreichen, richten sich gegen die Geruchsbelästigung durch Gülle, nicht gegen eine vermeintliche Belastung des Trinkwassers“, stellte Adams fest.

Diesem Problem aber sei letztlich nur durch technische Lösungen und eine Disziplin der Landwirte oder derjenigen, die von ihnen beauftragt werden, beizukommen, sagte der Experte von der Landwirtschaftskammer. „Wir können nur an die Landwirte appellieren, in Siedlungsnähe nicht am Wochenende Gülle zu fahren. Eine Verpflichtung gibt es dazu aber nicht. Die ganz große Mehrheit der Landwirte nimmt dennoch darauf Rücksicht, aber wie überall gibt es auch hier schwarze Schafe“, so Adams.

Ein anderes Problem an dieser Stelle ist die Häufigkeit des Güllefahrens. Adams: „Eigentlich ist es gut und gegeben, dass der Landwirt nicht nur einmal in der Vegetationsperiode Gülle aufbringt, sondern die praxisübliche Menge von 50 bis 60 Kubikmeter je Hektar Grünland für die gesamte Vegetationsperiode in drei bis vier Gaben à 15 bis 20 Kubikmeter verteilt. Aber dann stinkt es eben auch drei- bis viermal ...“

Eine andere Hoffnung macht jenen Bürgern, die sich von der Landluft belästigt fühlen, die Novelle der Düngeverordnung, wie Franz Courth, bei der Landwirtschaftskammer zuständig für die Wasserschutzberatung in den Kooperationsgebieten, im Ausschuss berichtete. Seit 2012 wird versucht, die zurzeit noch gültige Verordnung aus dem Jahr 2007 zu erneuern, doch Expertenmeinungen und Nachbesserungsforderungen der EU haben die Bundesregierung bislang mehrfach dazu gezwungen, das Inkrafttreten zu verschieben.

Die neue Düngeverordnung, die Zeitpunkt, Lagerdauer, Technik und Inhaltsstoffe aller Düngearten regelt, wird unter anderem die Sperrfrist (jetzt: 15. November bis 31. Januar, dann: 1. November bis 31. Januar) nach vorne verlängern und trifft laut Courth auch neue Aussagen zur Ausbringungstechnik für organische Nährstoffe. Im Vorgriff darauf, sind seit 1. Januar bereits sogenannte Prallteller, die die Gülle nach oben abstrahlen, nicht mehr erlaubt. Laut Entwurf der neuen Düngeverordnung wird die bodennahe Düngung ab 2020 für Ackerland und erst ab 2025 für Grünland Pflicht. „Diese langen Übergangszeiten werden den Landwirten eingeräumt, weil sie dazu kostspielige Technik anschaffen müssen“, so Courth.

Ewald Adams ging ausführlich auf den Vorwurf ein, gerade im Monschauer Raum werde zu viel Gülle aus den Niederlanden angeliefert. „Jeder Import muss dokumentiert werden. Jeder Landwirt muss zum 31. März einen Nährstoffvergleich für seine Flächen liefern. Deshalb haben wir als Kontrollinstanz einen guten Blick drauf“, versicherte der Bezirksleiter und stellte fest: „Es gibt kein Mengenproblem. Warum sollten die Landwirte mehr natürlichen Dünger aufbringen als notwendig?“ Zudem sei der Düngebedarf auf Grünland hoch. „Wenn ich das zuführe, was die Pflanze benötigt, wird es im Grundwasser nicht wiederzufinden sein“, stellte Adams fest. Der Bezirksleiter hat Verständnis dafür, dass Bürger skeptisch werden, „wenn spätabends so ein Geschoss mit Riesenfass und fremdem Kennzeichen durch die Landschaft brettert“, aber das gehe in aller Regel mit rechten Dingen zu.

Adams empfiehlt allen Bürgern, die sich für das Thema interessieren, aber auch jenen, die eine Beschwerde vorbringen wollen, die Internetseite www.guelle-nrw.de, wo Wissenswertes wie auch Kontaktmöglichkeiten zu finden seien.

Adams Schlussaussage („Nach der jetzigen Faktenlage ist die Gülle in der Eifel kein Problem“) konnten die beiden Experten der Wasserversorgung unterschreiben. „Ein Segen“ seien die Kooperationen mit den Landwirten, sagte Derk Buchsteiner, Betriebsleiter des Perlbachwerks, im Umweltausschuss. Die ständig unter Beobachtung stehenden Nitratwerte lägen für das Perlbachwasser „deutlich unter den Grenzwerten“ und seien in den letzten Jahren sogar rückläufig.

Natürlich sei es, so Buchsteiner, „nicht wünschenswert, wenn am letzten Tag vor der Sperrfrist noch einmal kräftig aufgefahren wird“, aber auch da könne man nur bei der jährlichen Besprechung mit den Landwirten an deren Rücksicht appellieren. Dass diese Kooperation funktioniere, bestätigte auch Michael Jentges von der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG). Man stehe zum Schutz von Obersee, Kall und Wehe seit 20 Jahren mit 180 Landwirten im engen Kontakt und habe „nitratmäßig kein Problem“.

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