Wintergäste aus dem Norden

Von: Günter Krings
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Die Wacholderdrossel wurde früher gefangen und im Restaurant als Delikatesse zubereitet. Foto: stock

Nordeifel. Ein großer Teil der in Nordeuropa brütenden Kraniche hat unsere Region überflogen, aber es werden wohl noch weitere Zugformationen zu beobachten sein, denn manchmal fliegen die letzten Kraniche erst im Dezember los.

Andere Vögel aus Nordeuropa rasten für einige Wochen in der Heckenlandschaft und suchen dort nach Bucheckern, von denen es in diesem Jahr sehr viele gibt, so dass der Tisch für die nordischen Zugvögel reichlich gedeckt ist. Aber auch Weißdornbeeren und Schlehen sind in diesem Herbst in verschwenderischer Menge vorhanden.

Auffälligste Vögel in dieser Zeit sind die Wacholderdrosseln, die früher bei uns im Dialekt Krammetsvögel genannt wurden und gefangen wurden, um sie an Hotels und Restaurants in Monschau zu verkaufen, wo sie dann als Delikatesse zubereitet wurden. Diese Drosseln sind sehr groß und an ihren lauten Rufen leicht zu erkennen. Kleiner sind die Rotdrosseln, die man mit einem Fernglas an den roten Flanken unterhalb der Flügel erkennen kann. Wacholderdrosseln sind den ganzen Winter über bei uns zu beobachten, Rotdrosseln ziehen bei Schneefall und größerer Kälte weiter in den Süden.

Bergfinken, die in Nordeuropa brüten, ähneln unseren einheimischen Buchfinken, aber Schultern und Brust sind orangebraun gefärbt. Sie ernähren sich im Winter vor allem von Bucheckern, so dass in den großen Buchenwäldern Süddeutschlands manchmal Hunderttausende dieser Finken anzutreffen sind. Ein weiterer Finkenvogel, der aus Nordeuropa hier überwintern kann, ist der grünliche Erlenzeisig, den man mit größter Wahrscheinlichkeit in den Erlenbeständen im Rurtal beobachten kann, aber durchaus auch in den Höhendörfern.

Auch nordische Birkenzeisige überwintern manchmal in der Eifel, jedoch längst nicht so zahlreich wie die vorher genannten Vögel. Fichtenkreuzschnäbel ernähren sich hauptsächlich von Samen der Nadelbäume, und weil in diesem Herbst viele Fichten Zapfen tragen, tauchen auch diese Finkenvögel bei uns auf und können sogar jetzt noch brüten.

In der feien Landschaft auf den Höhen des Monschauer Landes kann man auch ziehende Lerchen beobachten, die sich häufig auf den abgeernteten Maisfeldern niederlassen, um Nahrung aufzunehmen, wobei sie jedoch nicht die großen Maiskörner aufnehmen können, sondern kleinere Samenkörner von Pflanzen, die im Maisacker gewachsen sind.

Die Rotkehlchen, die bei uns überwintern, sind mit größter Wahrscheinlichkeit Wintergäste aus dem hohen Norden, während die hier brütenden Rotkehlchen nach Südeuropa fliegen.

Auf dem Obersee bei Pleushütte und auf der Perlbachtalsperre kann man gelegentlich den kleinen Zwergtaucher entdecken, die tauchend unter Wasser nach Nahrung suchen. Wenn im Norden Deutschlands die Seen zufrieren, können hin und wieder auch Gänsesäger auf den hiesigen Talsperren zu beobachten sein. Im kalten Winter 1997 landeten sogar zwei Singschwäne und ein Zwergsäger auf dem Rursee bei Rurberg und blieben dort, bis es in Norddeutschland wieder wärmer wurde.

Häufig wird die Frage gestellt, ob man im Winter den Vögeln im Garten Futter anbieten soll. Sicherlich kann mit einer solchen Maßnahme keine vom Aussterben bedrohte Art gerettet werden. Andererseits macht es Freude, wenn man im Winter hinter der Fensterscheibe aus dem warmen Zimmer Vögel bei der Futtersuche beobachten kann.
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