Monschau - Windpark stört den Schwarzstorch kaum

Windpark stört den Schwarzstorch kaum

Von: Heiner Schepp
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Ein Kranich beim Vorbeiflug an einer Windkraftanlage: Für die bei uns sehr häufig querenden Zugvögel müssten die neuen Höfener Windräder zeitweise abgeschaltet werden, fordert der Artenschutz. Foto: Imago
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Ein Schwarzstorch ist in der Nähe von Rohren zuhause.

Monschau. Der neue Windpark Höfen hat auf dem Weg zu seiner Realisierung eine weitere Hürde genommen. Das Vorkommen von seltenen Vogelarten und Fledermäusen im geplanten Gebiet jedenfalls „wird das Projekt nicht oder kaum beeinträchtigen, wenn gewisse Maßnahmen eingehalten werden“, sagte Dieter Liebert vom Büro für Freiraumplanung jetzt im Monschauer Planungsausschuss.

Der Landschaftsarchitekt stellte Politik und Verwaltung die abschließenden Ergebnisse seiner artenschutzrechtlichen Prüfung vor, die Teil des Flächennutzungsplanverfahrens ist und mit der das Alsdorfer Fachbüro betraut worden war. „Um das potenzielle Eintreten artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände bei der Umsetzung des Vorhabens zu prüfen, wurden umfangreiche ornithologische Untersuchungen durchgeführt, wobei Schwarzstorch und Rotmilan im Vordergrund der Erfassungen standen“, erläuterte Liebert, dass für beide Arten eine umfangreiche Raumnutzungsanalyse durchgeführt worden sei.

Der sehr seltene, bei Rohren aber nachweislich brütende Schwarzstorch (im vergangenen Jahr wurde ein Paar mit vier Jungen dort beobachtet) nutzt das gesamte Plangebiet als Verbindung zwischen Horst und Nahrungsvorkommen. Eine Beeinträchtigung der Fortpflanzungsstätte sei aufgrund der Entfernung aber auszuschließen, so der Landschaftsplaner. Experten kommen auch zu dem Schluss, „dass Schwarzstörche nicht schlaggefährdet sind und auch größere Windparks um- bzw. durchfliegen“, berichtete Liebert.

Beim Rotmilan verhält sich dies etwas anders. Dieter Liebert präsentierte eine Statistik, nach der alleine in Deutschland im vergangenen Jahr über 180 Greifvögel dieser Gattung von Windrädern tödlich verletzt worden seien, eine Dunkelziffer nicht mehr aufgefundener Tiere gar nicht mitgerechnet. Im Falle Höfen nutze der Rotmilan insbesondere die westlichen Bereiche des Untersuchungsgebietes als Verbindung zwischen Horst und Nahrungsflächen am Eschenhof, wie es im Bericht heißt.

„Dabei überquert er regelmäßig den Wald in kritischen Höhen“, so Liebert, der aber den Konflikt zwischen Artenschutz und Energiewende beigelegt sieht: „Da somit das Eintreten von Verbotstatbeständen zu prognostizieren war, wurden die Grenzen des Plangebietes nach Osten, außerhalb des ermittelten Schwerpunktbereiches des Rotmilan verschoben“, so Liebert. Im Klartext: Der Hauptaufenthaltsbereich des Rotmilan wurde aus dem Plangebiet herausgenommen.

Hinsichtlich der Brut, Zug- und Rastvogelfauna seien „keine außerordentlichen Ergebnisse zu verzeichnen“, heißt es im Bericht. Dieter Liebert: „Das Plangebiet liegt weder in einem stark frequentiertem Zugkorridor, noch werden das Offenland oder der Wald als bedeutendes Rastgebiet genutzt.“

Kraniche, die die Eifel sehr gerne als Zugroute nutzen, seien eventuell bei Starknebel gefährdet. Schlechte Sicht könne die Tiere dazu veranlassen, ihre Flughöhe drastisch zu reduzieren und die nächstgelegenen Rastgebiete aufzusuchen. Deshalb gehören bestimmte Abschaltzeiten der Windräder zum Schutz ziehender Kraniche zu den wenigen Auflagen, die der Artenschutzbericht vorschreibt.

Als weitere sogenannte „Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen“ sind einzuhalten eine Gehölzfällung außerhalb der Brutzeit, die Gestaltung der Kranstellflächen zum Schutz des Rotmilans, die Erfassung von Höhlen- und Horstbäumen vor einer Fällung sowie eventuell das Anbringen von künstlichen Nisthilfen für Fledermäuse. Außerdem seien die planungsrelevanten Arten Haselmaus und Geburtshelferkröte im Rahmen der Bauleitplanung nach Konkretisierung der Standorte zu berücksichtigen, heißt es abschließend im Gutachten.

Das Plangebiet zwischen den bestehenden Windparks südöstlich von Höfen hat eine Größe von ca. 300 Hektar und liegt in einem Wald mit größtenteils naturfernen Fichtenforsten.

Nach Ausweisung einer Windkraftkonzentrationszone sollen hier voraussichtlich zehn bis zwölf Anlagen gemäß dem aktuellen Stand der Technik (Nabenhöhe ca. 140 Meter, Rotorlänge ca. 60 Meter, Gesamthöhe rund 200 Meter) errichtet werden.

Grundsätzlich befürworte man die Nutzung der Windkraft, „aber man sieht auch, wie kritisch dieser Bereich ist“, sagte Gregor Mathar (SPD) auch infolge „grundsätzlicher Bedenken gegen das Vorhaben seitens der Nationalpark-Verwaltung“, wie Bürgermeisterin Margareta Ritter zu berichten wusset. Allerdings, so Ritter, habe die Nationalparkverwaltung im betroffenen Gebiet keine Planungshoheit, wenn die Abstandsflächen eingehalten werden.

Die CDU-Fraktion möchte das Verfahren dagegen so rasch wie möglich nach vorne bringen: „Wir kämpfen derzeit um jede zusätzliche Anlage in Höfen, um auf diesem Wege – ohne die Bürger zu belasten – die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben“, stellte Fraktionssprecher Micha Kreitz jüngst im Infoblatt der Monschauer CDU klar.

Die Christdemokraten gehen derzeit von zwölf Anlagen und mindestens 600.000 Euro an jährlichen Einnahmen aus, wobei Bürgerbeteiligungsmodelle zu berücksichtigen seien: „Die Bürgerinnen und Bürger müssen die Möglichkeit bekommen, sich finanziell an diesem Projekt zu beteiligen und davon zu profitieren. So wird der Windpark Brath zu einem Bürgerwindpark“, so Kreitz.

Im Zuge eines „Angebotsverfahrens“ soll im Laufe des Jahres ein Partner für die Umsetzung und Vermarktung des Windparks gefunden werden, wenn die Beteiligung der Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange am Planverfahren abgeschlossen ist. Sollte dies ohne größere Hindernisse vonstatten gehen, könnten noch in diesem Jahr die ersten Arbeiten beginnen und könnte 2014 der erste Strom eingespeist werden.

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