Lammersdorf/Simmerath - Windpark-Projekt: Belastung soll nur gering ausfallen

Windpark-Projekt: Belastung soll nur gering ausfallen

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Hinter dem Areal an der B 399, auf dem bereits auf privater Basis acht Windräder betrieben werden, soll der neue Windpark mit acht bis zehn Windrädern im Lammersdorfer Wald auf einer Fläche von 253 Hektar entstehen: Im Vergleich zu den jetzigen Windrädern (Nabenhöhe 103 Meter) sind diese mit einer Nabenhöhe von 140 Metern und einer Gesamthöhe von 190 Metern deutlich höher. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Lammersdorf/Simmerath. Nachdem das umstrittene Pumpspeicherwerk vom Tisch ist, will die Gemeinde mit dem geplanten neuen Windpark im Lammersdorfer Wald ihr zweites ehrgeiziges Energieprojekt vorantreiben.

Der Planungsausschuss hatte Ende Juni den entsprechenden Beschluss zur Änderung des Flächennutzungsplanes zum Ausbau der Windenergienutzung gefasst und stellte nun in einer Bürgerinformation in der Grundschule Lammersdorf das Projekt vor.

Gut 70 interessierte Bürger waren dieser Einladung gefolgt, um sich von Vertretern der Gemeinde, der „Stawag solar GmbH“, dem vermutlichen Betreiber „juwi renewalble“ und dem Planungsbüro Becker aus Kall über den neuen Windpark in Kenntnis setzen zu lassen.

Hierbei herrschte trotz geplanter umweltfreundlicher Energiegewinnung vor bei den Bewohnern der Waldsiedlung, die am nächsten an der neuen geplanten Windkraftzone wohnen, nicht nur eitel Freude. Bedenken zu Immissionsgeräuschen und Schlagschatten wurden vorgebracht.

Die betroffenen Anwohner konnten jedoch weitgehend beruhigt werden. Wie Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Jürgen Förster vom Bauamt mitteilten, haben man die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsflächen auf 1000 Meter ausgeweitet und die Schallimmissionen würden auch nur 35 dBA (deutlich weniger als bei den jetzt bestehenden Anlagen) betragen. Hermanns erläuterte hierzu: „Für die Waldsiedlung wollen wir nur eine geringe Belastung akzeptieren“.

Zuvor hatte er stolz verkündet, dass in Simmerath bereits 2011 gut 76 Prozent des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien (Wind, Photovoltaik, Biomasse) erzeugt worden war. Die Gemeinde habe ein Interesse, dieses Potenzial auszubauen.

Zu den für die neuen Anlagen zu opfernden Waldflächen hielt Hermanns fest, dass die Standorte mit Gemeindeförster Dietmar Wunderlich sorgfältig abgestimmt worden seien. Dieser sprach von Eingriffen in verträglichem Maße im Waldgebiet, das von einfachen Fichtenmonukulturen bestimmt werde. Wunderlich sah auch die Chance, an den Standorten der Windräder die Strukturen mit Laubholz anzureichern. Hermanns hielt im Hinblick auf die saubere Energiegewinnung fest: „Ich denke, dass der Eingriff vertretbar ist, wenn man bedenkt, dass wir die ersten Betroffenen sind, wenn im belgischen Atomkraftwerk Tihange etwas passiert.“

Natürlich würden sich für den Gemeindehaushalt auch nicht unerhebliche Einnahmen durch den neuen Windpark ergeben. Auf Nachfrage nannte Hermanns hierzu jährliche Pachteinnahmen im sechsstelligen Bereich, die den Gemeindehaushalt entlasteten und damit letztlich dem Bürger zukommen würden.

Bernd Becker vom gleichnamigen Planungsbüro in Kall hatte eingangs das Energieprojekt im Lammersdorfer Wald detailliert vorgestellt. Auf dem 253 Hektar großen Areal südöstlich der B 399 sollen acht bis zehn Windräder entstehen, die sich von der Höhe her deutlich von den acht Windrädern des im Privatbesitz auf Weideflächen befindlichen Windparks (Domäne) abheben. Die Nabenhöhe der neuen Räder wird 140 Meter (bestehende Anlagen 103 Meter) und die Gesamthöhe 190 Meter (140 Meter) betragen. Aufgrund der Höhe werden die neuen Stromerzeuger mit „Befeuerungsanlagen“ (Blinklichtern) versehen sein.

Keinen Einfluss gehabt

Dass nach jetzigem Stand nicht die Firma Enercon, deren Windräder auf der Domäne ihre Rotoren drehen, Betreiber des neuen Windparks werden soll, wurde aus der Versammlung heraus von Frank Ewert moniert. Er verwies dazu auf die bisherige gute Zusammenarbeit mit der Firma. Hierzu erläuterte Hermanns, dass man darauf durch ein europaweites Ausschreibungsverfahren keinen Einfluss gehabt hätte und sich nun die Firma „juwi renewalble“ als Betreiber herauskristallisiert habe. Die „juwi renewable IPP Beteiligungs GmbH“ ist neben der „Enwor GmbH“ (10 Prozent) 50-prozentiger Partner der „Stawag solar GmbH“.

Das Areal des geplanten Windparks im Lammersdorfer Wald, war im Rahmen einer Windkraftpotenzialstudie als geeigneter Standort ermittelt worden. In dem 75 Seiten dicken Dokument, das im Mai dem Planungsausschuss vorgelegt wurde, waren akribisch alle Flächen ermittelt worden, die neben dem bestehenden Windpark Strauch-Michelshof in Frage kamen.

Neben dem nun vorgestellten 253 Hektar großen Areal südöstlich der B 399, wurde darin auf der anderen Straßenseite der B 399 gleichfalls eine Zone von gut 200 Hektar ausgewiesen, die zwar für die Windenergie geeignet ist, jedoch in der Trinkwasserzone (Wasserschutzgebietszone II) der Dreilägerbachtalsperre liegt. Von Seiten der Verwaltung war daher vorgeschlagen worden, zunächst nur die Bereiche außerhalb dieser Wasserschutzgebietszone (17 Hektar) als Windkraftzone auszuweisen.

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