FuPa Freisteller Logo

Windpark Münsterwald: Lärmschutzwerte überschritten?

Von: ag
Letzte Aktualisierung:
8932626.jpg
Die Gemeinde Roetgen wehrt sich gegen den von der Stadt Aachen geplanten Windpark im Münsterwald. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa (zu lrs "Nach Bruch an Windrad - Keine Mängel bei anderen Anlagen des Typs" vom 08.01.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Roetgen. Die Gemeinde Roetgen wehrt sich gegen den von der Stadt Aachen geplanten Windpark im Münsterwald und führt unter anderem Lärmbelastung, Brandgefahr und Artenschutz als Argumente an. Im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Verfahrens hat die Gemeinde nun eine Stellungnahme abgegeben.

Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass nun eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen sei. Dies ändere aber nichts daran, dass die beantragten Windkraftanlagen nicht genehmigungsfähig seien.

„Würde dem Antrag der juwi Energieprojekte GmbH entsprochen, liefe dies nicht bloß geltendem Recht zuwider, sondern zöge zugleich eine Verletzung eigener Rechte der Gemeinde Roetgen nach sich“, schreibt der von der Gemeinde beauftragte Anwalt Dr. Gellermann, um dann im Folgenden im Detail Stellung zu beziehen.

Die Gemeinde Roetgen sei nicht bereit, „erhebliche Lärmbelastungen der Wohnbevölkerung in den Baugebieten hinzunehmen“. Gemeint ist hier insbesondere der Bereich des Uelenbender Weges in Rott.

Erneut wird die Befürchtung geäußert, dass der Gemeinde jede Möglichkeit abgeschnitten wird, „der Windkraftnutzung im eigenen Gemeindegebiet breiten Raum zu geben“. Da sich der Investor inzwischen für einen anderen Anlagentyp entschieden habe, würden die Werte für den Lärmschutz an mehreren Stellen überschritten oder gerade noch eingehalten.

„Die auf den Betrieb von Windkraftanlagen im Aachener Teil des Münsterwaldes rückführbare Schallbelastung erreicht daher an den genannten Immissionspunkten bereits Ausmaße, die es aus immissionsschutzrechtlichen Gründen ausgeschlossen erscheinen lassen, auf Roetgener Seite weitere Windenergieanlagen zu errichten und zu betreiben“, schreibt Gellermann. Deshalb sei es unausweichlich, den Standort von zwei Windkraftanlagen zu verschieben.

Außerdem sei der Abstand dieser beiden Anlagen zu Waldflächen der Gemeinde Roetgen gering, so dass die ernst zu nehmende Gefahr bestehe, dass der Wald ein Opfer der Flammen werde, wenn die Anlagen in Brand geraten sollten. Hier sei die Installation einer automatischen Brandmelde- und Löschanlage nötig. Auch eine Verlagerung der Standorte könne zur Verringerung der Gefahr beitragen.

Kritisiert wird auch, dass die Rotoren der Anlagen teilweise Flächen überstreichen würden, die sich außerhalb der Konzentrationszonen befinden. Auch Schallreflexionen an Gebäuden seien nicht auszuschließen und Verkehrsgeräusche durch Kontroll- und Wartungsfahrten seien nicht in die Schallprognose eingeflossen.

Hinzu komme, dass von den Wohnhäusern eine direkte Sichtbeziehung zu einer Windkraftanlage bestehe, die ihrer Größe wegen sämtliche Bäume des Münsterwaldes weit überrage und daher eine optische Wirkung entfalte, die mit dem Baugesetzbuch nicht vereinbar sei.

In dem Schreiben des Anwaltes folgen Hinweise zum Denkmalschutz von Bunkeranlagen und Wegekreuzen.

Großen Raum nimmt der Artenschutz in der Stellungnahme ein. Den Anforderungen des Artenschutzes werde nicht genügt, wenn das Tötungsrisiko und der Verlust von Brutstätten für bestimmte Vogelarten „mit dem schlichten Hinweis aus der Betrachtung ausgeblendet werden, sie wären nicht planungsrelevant“.

Auf Unzulänglichkeiten bei der Erfassung habe man bereits aufmerksam gemacht. Die Stellungnahmen von Naturschutzverbänden und Zusatzinformationen zu Vorkommen von Uhu, Rotmilan und Kolkrabe würden in den aktualisierten Unterlagen nicht einmal erwähnt.

Die Vorkommen von Amphibien seien auch nicht korrekt erfolgt, obwohl es genügend Zeit dafür gegeben habe. Da ein Vorkommen der Wildkatze nicht erfasst wurde, würden die Unterlagen keine Basis für eine Entscheidung bieten. „Das ist vor allem mit Blick auf bau- und betriebsbedingte Vergrämungen der überaus störungsempfindlichen Wildkatze nicht hinnehmbar.“

Es folgen eine Reihe weiterer Kritikpunkte mit Blick aus die Fledermauskartierung, die Erfassung der Brutvögel, sensible Waldschnepfen, Horste des Rotmilans, Brutplätze des Uhus und ziehende Kraniche. Den Anforderungen des Naturschutzes werde schon deshalb nicht genügt, „weil der zu erwartende Lebensraumverlust nicht realitätsgerecht abgeschätzt wurde“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert