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Windpark Lammersdorf: Großbaustelle mitten im Wirtschaftswald

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
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Als wäre ein Ufo gelandet: Die Betonfundamente für die sieben neuen und fast 200 Meter hohen Windkraftanlagen im Lammersdorfer Wald haben über 20 Meter Durchmesser und sind rund 3,50 Meter stark.
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Das Metallgerüst aus Stahl bildet kurz über der Erdoberfläche die Grundlage für die Befestigung der Windtürme.
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An der Baustelle im Wald: Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie GmbH (re.) und der technische Projektleiter Robert Schade.

Lammersdorf. Stark frequentiert ist derzeit der Lammersdorfer Wald im Bereich Jägerhaus. Der Betrieb hat spürbar zugenommen – sowohl, was die Fußgängerbewegungen als auch, was den Schwerverkehr betrifft.

Seitdem die Bauarbeiten für den Windpark Lammersdorf in vollem Gange sind, kommen immer häufiger Neugierige und Schaulustige vorbei, um die Entstehung der Windkraftanlagen, von der Rodung der Waldflächen bis zum Turmaufbau, zu verfolgen. Die Spaziergänger sehen sich, außer am Wochenende, im ständigen Begegnungsverkehr mit Betonmischfahrzeugen und Tiefladern, die Stahl anliefern.

Einem jahrelangen Genehmigungsverfahren folgt nun Schlag auf Schlag die Umsetzung des Windparks Simmerather Wald, wie das Projekt offiziell heißt. Man ist voll im Zeitplan. Bis zum Jahresende, so lautet das sportliche Ziel des Betreibers, der Stawag Energie GmbH, sollen die Windmaschinen ans Netz gehen und fleißig Strom produzieren.

Erneuerbare Energien ausbauen

Dass dies der Fall sein wird, steht für Dipl.-Ing. Frank Brösse außer Zweifel. Der Geschäftsführer der vor etwa zehn Jahren gegründeten GmbH bezeichnet den Lammersdorfer Wald als einen „sehr guten Standort“, wie auch ein Gutachten auf der Grundlage der über ein Jahr dauernden Windmessung gezeigt habe.

Der wesentliche Flächeneigentümer im Lammersdorfer Wald ist die Gemeinde Simmerath, die die Fläche für die Windkraftnutzung ausgeschrieben hatte. Die Stawag als Energieversorger vor Ort erhielt schließlich den Zuschlag.

Ziel der Stawag sei es, erläutert Pressesprecherin Eva Wußing, den Strombedarf des in der Region Aachen ansässigen Gewerbes zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien eigener Produktion zu decken. Dazu müsse ein Jahresbedarf von 600 Kilowattstunden bereitgestellt werden. Derzeit würden 50 Prozent durch erneuerbare Energien aus Stawag-Projekten abgedeckt. In der dafür eigens gegründeten Stawag Energie GmbH sind 40 Mitarbeiter in diesem Geschäftsfeld aktiv.

Dennoch weiß man auch bei der Stawag, dass vor allem die Errichtung von Windkraftanlagen in der Öffentlichkeit stets auf ein geteiltes Echo stößt, obschon laut einer aktuellen Stawag-Umfrage die Nutzung von erneuerbaren Energien in der Bevölkerung zu 84 Prozent Zustimmung erfährt.

Relativ geräuschlos im Vergleich zu anderen Standorten wurde die Entwicklung des Windparks bei Lammersdorf vollzogen. Als sehr angenehm empfand auch Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie GmbH, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Simmerath: „Wir hatten eine gute politische Grundlage.“

Dennoch hat die konkrete Umsetzung des Windparks bei Lammersdorf inmitten eines Fichten-Wirtschaftswaldes rechts der Bundesstraße 399 in Richtung Jägerhaus in Teilen der Bevölkerung Verwunderung ausgelöst, seitdem im sonst eher unspektakulären Fichtenbestand eine Großbaustelle nach der anderen errichtet wird.

So mancher Beobachter zeigt sich erstaunt vom Ausmaß des Eingriffs, der mit der Errichtung von Windkraftanlagen verbunden ist. Breite und kompakte Wege müssen neu angelegt oder verstärkt werden und Lagerflächen eingeebnet werden, damit das Baumaterial wie auch Windtürme sicher angeliefert werden können.

Pro Anlage müssen 0,5 Hektar Wald gerodet werden und für die Errichtung der Fundamente werden regelrechte Krater im Waldboden ausgehoben. Die Hälfte der gerodeten Fläche werde allerdings wieder aufgeforstet, erläutert Frank Brösse.

Jedes Fundament misst rund 20 Meter im Durchmesser und ist bis zu 3,50 Meter tief. Nur an einem der sieben Standorte musste der nicht ausreichend tragfähige Untergrund mit Rüttelstopfsäulen stabilisiert werden. Mit 90 Lkw-Ladungen Beton wird jedes Fundament verfüllt. Entscheidend für die Stabilität ist aber der Stahl. 60 Tonnen werden pro Anlage im Boden verbaut.

Bei den sieben Anlagen handelt es sich um den Anlagentyp V 112. Der Turm einer jeden Anlage misst 140 Meter, der Rotor verfügt über einen Durchmesser von 112 Metern, so dass man auf eine Gesamthöhe der Anlagen von jeweils 196 Metern an der Rotorspitze kommt.

Es handelt sich um 3,3 Megawatt-Anlagen, die zusammen jährlich 64 Millionen Kilowatt Windstrom produzieren sollen, der dann ins Netz eingespeist wird. Zum Vergleich: Die im Lammersdorfer Wald produzierte Strommenge würde ausreichen, um nahezu 20000 Haushalte durchgehend mit Strom zu versorgen.

Beim Wegebau, der erforderlich ist, um die Anlagen auch nach Fertigstellung zu erreichen, hat Brösse den Eindruck, dass auch der Gemeindeforst nicht unglücklich über diese Maßnahme ist. Das eingebaute Material sei mit dem Gemeindeförster abgestimmt worden und aus von der Genehmigungsbehörde vorgeschriebenen Steinbrüchen angeliefert worden.

Nach der Fundament-Verfüllung muss nun eine dreiwöchige Trocknungsphase eingehalten werden, ehe dann im September mit dem Aufbau der Rotortürme begonnen wird.

Besondere Vorkehrungen im Hinblick auf den Trinkwasserschutz musste der Bauherr auch wegen der direkten Nähe zur Kalltalsperre treffen, da sich einige Windanlagen zum Teil innerhalb der Wasserschutzzonen befinden. Eine Vielzahl sogenannter Sedimentsperren soll verhindern, dass Trübstoffe in die Talsperre gelangen. „Diese Sperren werden jeden Tag überprüft“, erläutert Robert Schade, der bei der Stawag Energie GmbH zuständige technische Projektleiter. Bislang habe es, auch bei Starkregen, noch keine Auffälligkeiten gegeben.

45 Millionen Euro kostet die Errichtung des Windparks Lammersdorf. Erst in vielen Jahren wird sich das Projekt durch die Stromlieferungen bezahlt machen. „Das ist eine sehr langfristige Investition“, sagt Frank Brösse.

Mit den kritischen Tönen zur Windkraft, die von einer möglichen Beeinträchtigung für die in der Nähe befindlichen Erdbebenmessstationen sprechen, setzt sich Frank Brösse auch auseinander. Von den bisher bereits errichteten Anlagen seien keine Störungen ausgegangen, zumal das Land die Genehmigungsrichtlinien aufstelle. Der Stawag-Techniker: „Ich halte solche Bedenken für absolut überzogen.“ Die weitaus größere Gefahr gehe seiner Meinung vom umstrittenen Atomkraftwerk Tihange aus, das mitten in einer Erdbebenregion liege.

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