Windpark Höfener Wald: Millionenprojekt ohne Nebengeräusche

Von: Heiner Schepp
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Fünf große Flächen von gut einem Hektar Wirtschaftswald bei Wahlerscheid hat die Forstabteilung der Stadt Monschau in den vergangenen Wochen gerodet. Derzeit werden die Flächen für den Beginn der Fundamentbauarbeiten vorbereitet. Auf fast 600 Metern über Meereshöhe liegt der Grund für die über 200 Meter hohen Anlagen. Foto: Heiner Schepp
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Umgeben von Holder-, Dürholder-, Püngel- und Riffelsbach und südöstlich von Rohren liegen die Standorte der fünf Windräder. Karte: Stawag

Höfen. Es läuft alles weitaus geräuschärmer ab als vor zweieinhalb Monaten im Münsterwald: Die Bauarbeiten des Windparks im Höfener Wald sind fast abgeschlossen. Und wenn nicht alle Vorzeichen trügen, dann wird der Windpark in Höfen das Aachen-Roetgener Pendant womöglich noch überholen, was den Baubeginn und die Fertigstellung betrifft.

„Derzeit laufen die bauvorbereitenden Maßnahmen wie beispielsweise die Verlegung der Kabeltrassen. Im Juni beginnt dann der Bau der Fundamente für die Anlagen. Die Inbetriebnahme soll bis spätestens Frühjahr 2018 erfolgen“, sagte Eva Wußing, Pressesprecherin des Energieversorgers Stawag, unserer Zeitung.

Auch wenn die Centerleiterin Kommunikation des Windpark-Betreibers zur Reihenfolge der beiden großen Projekte in der Eifel „wegen der einflussreichen Wetterbedingungen“ keine Aussage treffen mag, scheint in Höfen derzeit mehr Bewegung zu herrschen als an der Himmelsleiter, wo Aschermittwoch die Sägen verstummten.

Die beiden nächsten Windparks in der Nordeifel weisen viele Parallelen auf, auch wenn der im Monschauer Stadtwald mit nur fünf Anlagen etwas kleiner ist als jener schon produzierende in Lammersdorf und das geplante Ensemble nördlich der Vennbahn bei Roetgen, wo jeweils sieben Anlagen stehen bzw. stehen sollen. Alle drei Parks wird die Stawag betreiben, alle drei stehen buchstäblich „im Walde“, überall soll sich der weitgehend baugleiche Anlagentyp drehen und überall wird der Ertrag Haushaltslöcher stopfen.

In Höfen geplant ist ein Windpark mit fünf Anlagen, die jeweils knapp über 200 Meter hoch sind (Nabenhöhe 149 Meter, Rotordurchmesser 115,7 Meter) und jeweils eine Leistung von drei Megawatt haben. Zusammen können die fünf Höfener Anlagen nach den Stawag-Berechnungen 48,1 Millionen Kilowattstunden jährlich erzeugen. „Damit können 13 750 Haushalte mit grünem Strom versorgt werden“, wirbt Eva Wußing.

Ursprünglich waren sogar acht Anlagen vorgesehen; da das artenschutzrechtliche Gutachten jedoch das Habitat eines Schwarzstorches im Plangebiet aufzeigte, war die Gesamtgenehmigung nur für fünf Standorte zu bekommen.

Wenn dadurch auch der jährliche Ertrag sinkt, so bleibt das Projekt Windpark Höfener Wald doch eine lukrative Sache für den Betreiber und die Stadt als Grundbesitzer. „Die Windbedingungen in Monschau sind sehr gut, so dass der Windpark wirtschaftlich attraktiv ist“, sagt Eva Wußing und unterstreicht: „Unser Engagement zum Ausbau der erneuerbaren Energien ist auch ein wichtiges Geschäftsfeld, das einen relevanten Beitrag zum Unternehmensergebnis leistet.“

Auch Monschaus Bürgermeisterin spricht von einer „sehr guten Windhöffigkeit“, die Probemessungen über anderthalb Jahre gezeigt hätten, und füttert ihre Aussage mit Zahlen: „Jährlich werden nach Baubeginn vom ersten bis zehnten Betriebsjahr 9,0 Prozent des Nettostromerlöses des gesamten Windparks gezahlt, mindestens jedoch ein jährliches Mindestentgelt in Höhe von 20 Euro pro Kilowatt Nennleistung je Windrad. Das entspricht 60 000 Euro jährlich pro Anlage“, erwartet die Bürgermeisterin jährlich rund 300 000 Euro für den maroden Haushalt. Vertraglich vereinbart wurde überdies eine wachsende Rendite für die Stadt: vom 11. bis 20. Betriebsjahr 10,0 Prozent des Nettostromerlöses (mindestens 21,67 Euro pro kW-Nennleistung), ab dem 21. Betriebsjahr dann sogar 10,5 Prozent (22,67 Euro/kW).

Bis die Gelder fließen, ist im Wald links der Bundesstraße 258 nach Schleiden noch viel zu tun und viel Erde zu bewegen. In den vergangenen Wochen erfolgte die Rodung im Wirtschaftswald, fünf Flächen von je 1 bis 1,5 Hektar Größe für den Sockel sowie als Stellfläche für den Riesenkran wurden dafür abgeholzt. Anders als in Roetgen geschah dies nicht durch ein externes Unternehmen, sondern durch den städtischen Forstbetrieb. Weil man gerne selbst den Überblick behalten wolle, was im Stadtwald passiere, hieß es. Auf „ungefähr die Hälfte“ schätzt Forstleiter Klaus-Jürgen Schmitz die Fläche, die später wieder aufgeforstet wird, wenn die Räder sich drehen.

Wohl auch deshalb ist die Rodung im Falle Monschau „geräuschlos“ abgelaufen. „Es gab keine Klagen“, hält Margareta Ritter fest. Und auch Eva Wußing hat keine negativen Einflüsse von außen feststellen können: „Sowohl in Simmerath als auch in Monschau haben wir keine Kritik der Bürger vor Ort wahrgenommen. Auch ist uns nicht bekannt, dass dort Bürger Vögel bedroht sehen“, sagt die Stawag-Sprecherin und verweist auf eigene Marktanalysen sowie Emnid-Umfragen, nach denen jeweils über 80 Prozent der Befragten die Energiewende und den Ausbau erneuerbarer Energien für äußerst wichtig halten.

Auch deshalb habe sich der Energieversorger das Ziel gesetzt, „600 Millionen Kilowattstunden grünen Strom in eigenen Ökostromanlagen jährlich ab dem Jahr 2020 zu erzeugen“. Rund 15 Windparks seien bereits in Betrieb, die jüngsten seien in Düren, Aldenhoven, Linnich und Simmerath in Betrieb gegangen. Bereits im Bau ist auch ein Windpark mit fünf Anlagen im Aachener Norden.

Rund 30 Millionen Euro wird das neueste Projekt der Stawag kosten. Doch beim Aachener Energieversorger ist man sich sicher, dass es gut angelegtes Geld ist.

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