Windpark: Aus Roetgen weht ein rauer Wind

Von: Ernst Schneiders
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Roetgen. „Die Grünen waren doch mal eine Partei, die sich um die Erhaltung jedes Baumes gekümmert hat”, verstehen Dr. Klaus Hübner und Lothar Löhrer die Welt nicht mehr. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern von der Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald” wollen sie verhindern, dass dort auf Aachener Stadtgebiet zehn Windräder von jeweils 160 Metern Höhe errichtet werden.

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern von der Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald” wollen sie verhindern, dass dort auf Aachener Stadtgebiet zehn Windräder von jeweils 160 Metern Höhe errichtet werden.

Das steht zwar noch nicht fest, weil der Aachener Stadtrat zunächst ein umfangreiches Gutachten abwarten will, das im Herbst auf dem Tisch liegen soll. Aber das Parlament hat dieser Tage den Gestattungsvertrag mit den Stadtwerken durchgewunken.

Das heißt: Entscheidet sich Aachen im Herbst für den Standort Münsterwald, werden der Stawag die notwendigen Grundstücke übertragen, so Hans Poth, Pressesprecher der Stadt Aachen, auf Anfrage.

Das hat die schwarz-grüne Koalition in Aachen so entschieden. Für Klaus Hübner und Lothar Löhrer eine unselige Entscheidung: Es ehrt die Grünen, dass sie es sich schwer machen mit der Entscheidung, ob man zur Reduzierung von CO2 intakte Natur opfern solle, aber „diese Entscheidung ist das Todesurteil für den Münsterwald”.

Widerstand auch in Aachen

Viele Roetgener seien „sehr, sehr böse”, noch mehr seien dagegen, „vor allem die Älteren”, so Hübner. Die jüngeren Roetgener seien sich noch nicht sicher, wägten noch ab.

Auch in Schmithof und Walheim formiere sich der Widerstand, weiß Dr. Hübner, sogar in Reihen der CDU, die damit die Parteilinie im Stadtrat verlasse. Dort würden inzwischen auch Unterschriften gesammelt, wie in Roetgen, wo sich mittlerweile hunderte Einwohner gegen den Windpark ausgesprochen hätten. Nicht zu vergessen die immer lauter werdenden Proteste im benachbarten Raeren. Der belgische Grenzort sei räumlich schließlich nah dran am Geschehen.

Schlussfolgerung der Bürgerinitiative: „Wir möchten jedenfalls in der Eifel in Zukunft nicht über den Eifelsteig von Windpark zu Windpark wandern oder über die Ravel-Route diese Tour mit dem Rad fahren, statt uns an der intakten und so schönen Natur zu erfreuen.”

Vom Roetgener Gemeinderat haben die Bürgerinitiativler jedenfalls nichts mehr zu befürchten, denn nach FDP und CDU hat sich inzwischen auch die UWG gegen einen Windpark an dieser Stelle ausgesprochen, von einer Roetgener Beteiligung ganz zu schweigen.

Damit ist rechnerisch im Rat die Mehrheit bereits weg. Die Gegner bringen es auf 14 Stimmen. Selbst wenn die SPD und der Bürgermeister das Großprojekt geschlossen gutheißen sollten, kämen sie mit den vier Grünen nur noch auf 13 Stimmen.

„Nicht vertretbar”

Wie UWG-Fraktionschefin Silvia Bourceau einräumte, habe man „lange gebraucht, weil wir nicht einfach so mit ins Horn stoßen wollten”. Bourceau: „Nach unserem derzeitigen Wissensstand halten wir einen Windpark im Münsterwald für nicht vertretbar und können nicht nachvollziehen, was die Stadt Aachen dort im Wald machen will.”

Mit einer eigenen Aktion „Windpark Himmelsleiter nein - Aachen, wir blasen Euch was!” werde die UWG die Stadt Aachen auffordern, ihre Windenergie dort zu produzieren, wo nicht eine solch riesige Fläche intakter Natur geopfert werden müsse.

Wenn Aachens grüne Umweltdezernentin Gisela Nacken die Zerstörung von Natur allerdings in Kauf nehme und erkläre, dann habe man aber sauberen Strom, „bringt das eine gewisse Würze in die grüne Politik”.

Braukehlchen gesucht

Missmutig stimmt die UWG das bisherige Stillschweigen von Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Der spreche zwar von der Ravel-Radroute als touristisches Highlight, übe allerdings bislang vornehme Zurückhaltung, wenn es darum gehe, eine Verschandelung dieses Highlights bereits im Vorfeld zu verhindern.

Silvia Bourceau hofft, dass es gelingt, das Großprojekt zu kippen. Um dieses Ziel zu erreichen, sei die UWG bereit, notfalls ungewöhnliche Wege zu gehen. Die UWG-Fraktionschefin fügte schmunzelnd hinzu: „Sollte es uns gelingen, dort ein Braunkehlchen oder ein Birkhuhn anzusiedeln, hat sich das mit dem Windpark ohnehin erledigt.”
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