Windkraftzonen: Protest gegen geringen Abstand und Standortwahl

Von: P. St.
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Im Umfeld eines historischen Geländes, das noch viele Zeugnisse des Zweiten Weltkrieges aufweist, soll der Windpark Peterberg bei Rafffelsbrand entstehen. Foto: P. Stollenwerk

Hürtgenwald. Widerstand regt sich in Raffelsbrand gegen die Pläne der Gemeinde Hürtgenwald, die Ausweisung von zwei neuen Windkraftzonen auf den Weg zu bringen. Seit dem 23. Februar läuft die dritte Offenlage für die Änderung des Flächennutzungsplanes zur Ausweisung von Konzentrationszonen für die Windenergie.

Eine dieser neuen Windkraftzonen, der Windpark „Peterberg“, soll im kriegshistorischen Raffelsbrander Wald, welcher als Erinnerungslandschaft bezeichnet wird, entstehen. Hier soll ein Windpark mit fünf Windrädern mit einer jeweiligen Gesamthöhe von 200 Metern, teilweise nur rund 400 Meter von der Wohnbebauung auf engem Raum auf überwiegend gemeindeeigener Fläche verwirklicht werden.

Die betroffenen Anlieger aus Raffelsbrand sind über das rund 30 Millionen Euro teure Projekt empört. Ihr Sprecher Stephan Cranen kritisiert, dass mit „zweierlei Maß“ innerhalb der Gemeinde gemessen werde. Man fühle sich als „Bürger zweiter Klasse“.

Die Gemeinde habe festgelegt, dass eine Mindestentfernung von 800 Metern im „Innenbereich“ zur Bebauung eingehalten werde. In Raffelsbrand wiederum wolle man die gesetzlichen Möglichkeiten im Außenbereich voll ausschöpfen und nur 400 Meter Abstand zur Wohnbebauung einhalten. Daher fordern die Anwohner die Verwaltung bzw. den Rat auf, eine einheitliche Abstandsfläche von mindestens 800 Metern zur Wohnbebauung festzulegen.

Stephan Cranen: „Es ist bei vielen Kommunen geübte Praxis, dass es einheitliche Abstandsflächen zur Wohnbebauung gibt.“ Die Gemeinde Simmerath habe beispielsweise eine Entfernung von mindestens 1000 Metern zur Wohnbebauung beim angrenzenden neuen Windpark an den „Peterberg“ festgelegt.

Der Fraktionsvorsitzende Günther Hieke der CDU hat auf Anfrage der Bürgerinitiative „Rettet den Hürtgenwald“ e.V. zum Standpunkt der CDU Hürtgenwald hinsichtlich der Windenergie erklärt: „Die CDU-Fraktion im Rat der Gemeinde Hürtgenwald stellt sich den Herausforderungen des Klimawandels und unterstützt die Einführung und den Einsatz erneuerbarer Energien, also auch der Windenergie. Dieses Potenzial wollen wir zum Wohle der Gemeinde nutzen, im Einvernehmen mit den hier lebenden Menschen und im Einklang mit der Natur.“

Die Raffelsbrander aber konnten bisher kein Einvernehmen feststellen, schließlich handele es sich bereits um die dritte Offenlage.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in dieser Angelegenheit ist aus Sicht der Bürgerinitiative, „dass nicht nur Wald der Windenergie zum Opfer fällt, sondern auch historisches Gelände hierfür zerstört werden soll“. Der Landschaftsverband (LVR) als zuständige Bodendenkmalbehörde habe bereits im Rahmen der Beteiligung als Träger öffentlicher Belange mehrfach gegenüber der Gemeinde seine Bedenken gegen den „Peterberg“ als Windkraftkonzentrationszone vorgetragen.

In den großen Monschauer Staatsforsten, unter anderem in der Gemeinde Hürtgenwald, fanden von Oktober 1944 bis Februar 1945 umfangreiche Kämpfe zwischen den alliierten Truppen und der deutschen Wehrmacht statt. Im Bereich Peterberg, Ochsenkopf und nahe dem ehemaligen Forsthaus Raffelsbrand stoße man noch auf zahlreiche Relikte dieser Kämpfe. Als Zeugnis der jüngsten Geschichte sei daher das Schlachtfeld „Raffelsbrand“ als Bodendenkmal erfasst. Für ein Windrad im Wald müssten erfahrungsgemäß ein Hektar Fläche plus Zuwegung geopfert werden.

Die Gemeinde Hürtgenwald stellt fest, dass die Anlagenstandorte und die Zuwegung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens zwischenzeitlich mit dem LVR abgestimmt worden sei. Auf eine Untersuchung der Flächen könne aufgrund des hieraus resultierenden hohen Störgrades im Flächennutzungsplan verzichtet werden. Die Bürgerinitiative aber will von der zuständigen Sachbearbeiterin beim LVR die Auskunft erhalten haben, dass man nach wie vor den Peterberg als Windkraft-Standort ungeeignet einstuft.

Stephan Cranen betont, dass die Siedlung Raffelsbrand nicht als Außenbereich eingestuft werden könne. Es handele sich bei der Bebauung keineswegs nur um Aussiedlerhöfe, sondern inzwischen um eine mit der Zeit hier gewachsene Dorfstruktur.

Der Sprecher betont noch einmal, dass man keinesfalls gegen die Ausweisung von Windkraftzonen sei, aber die Abstandsfläche von 800 Metern müsse eingehalten werden, ansonsten sei eine Einschränkung der Wohnqualität zu befürchten. Cranen sagt, dass ein interessierter Käufer einer Immobilie in Raffelsbrand inzwischen von seinem Vorhaben Abstand genommen habe, nachdem ihm die Windkraft-Pläne zu Gehör gekommen seien.

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