Windkraftanlagen und Neodym: Nabu kritisiert die FDP

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Roetgen. Claus Mayr, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Aachen, hat keine Verständnis für die jüngsten Äußerungen des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Roetgener Rat zum Thema Windkraftanlagen und Neodym.

„Langsam muss man sich wirklich fragen, welche Sau Franz-Josef Zwingmann von der Roetgener FDP und seine wackeren Mitstreiter in der Bürgerinitiative noch durchs Dorf treiben wollen?” Wiederholt habe der Nabu sachliche Gespräche und Aufklärung angeboten, aber daran scheine kein Interesse zu bestehen, so Mayr. Stattdessen würden unhaltbare Behauptungen aufgestellt, etwa dass es im Windpark Vetschau („Wir bieten dort gern einmal eine Vogelstimmenwanderung an”) angeblich „keine Vögel mehr gibt”, oder dass ein Windpark im Münsterwald „tausende Kraniche” gefährde.

Dazu laut Mayr nur die rechtlichen Fakten: Würden dort nur Hunderte Kraniche regelmäßig rasten, wäre das eine „ornithologische Sensation”, das Gebiet müsste als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen werden, und gemäß Windkrafterlass dürfte dann auch kein einziges Windrad mehr dort gebaut werden. „Doch mit den Fakten nahmen und nehmen es die Experten der FDP noch nie genau.” Etwa Gerhard Papke, den sich die Roetgener FDP kürzlich zur Unterstützung aus dem Landtag geholt habe. Im Landtagswahlkampf 2005 hätten Guido Westerwelle, Christian Lindner und Gerhard Papke in jeder Veranstaltung gegen Windkraftanlagen gewettert, weil sie den Rotmilan gefährden, eine seltene Greifvogelart. „Doch die Hauptursache für den Rückgang des Rotmilans, den Verlust seiner wichtigsten Beute, des Feldhamsters, erwähnten sie nicht.” Für den Kampf der Naturschützer und Bürgerinitiativen gegen das Gewerbegebiet „Avantis” und die dort beheimatete Feldhamsterpopulation, eine der letzten in NRW, habe die liberale Prominenz nur Hohn und Spott übrig gehabt.

Jetzt habe die FDP das Neodym „entdeckt”, ein seltenes Metall, das von einigen Herstellern für die Magnete getriebeloser Windkraftanlagen eingesetzt werde. Nur, so Claus Mayr, die namhaften deutschen Hersteller von Windmühlen für das Binnenland wie „Enercon” verwenden gar kein Neodym. Das werde in erster Linie bei den großen Offshore-Windrädern eingesetzt. Der Nabu-Vorsitzende: „Und da beißt sich die FDP-Katze in den Schwanz. Credo der FDP, auch einiger Experten der Aachener FDP, war bisher: Auch wir wollen Windkraftanlagen, aber bitte nicht vor unserer Haustür, sondern weit draußen auf dem Meer.”

Im übrigen erinnert Mayr daran, dass Neodym und Dutzende andere sogenannte „seltene Erden” auch in Handys, Smartphones und Notebooks eingesetzt würden. In einer Tonne Althandys stecke zum Beispiel dreihundert Mal so viel Gold wie aus einer Tonne Erz gewonnen werde. Nicht nur in China, sondern auch in Rumänien und der Türkei durch Auswaschung mit Cyanid, was zur Verseuchung des Trinkwassers führen könne. Neodym finde sich überdies in den Magneten von Kernspin-Tomographen, es rette damit sogar Leben.

Claus Mayr: „Auch die FDP-Vertreter sollten sich ein wenig sachkundig machen, bevor sie lospoltern. Und auch sie sollten endlich begreifen, dass unsere westliche Lebens- und Wirtschaftsweise überdacht werden muss, statt ständig nur Wachstum zu predigen. In Bezug auf Energie bedeutet das, zunächst alle Möglichkeiten des Energiesparens zu nutzen, und dann für den unvermeidlichen Verbrauch die umwelt- und menschenfreundlichsten Erzeugungsformen zu nutzen. Ob ein Windpark im Münsterwald diese Kriterien erfüllt, werden uns erst die Gutachten zeigen. Bis dahin sollte man die Sau im Koben lassen!”
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