Windkraft soll kein Problem für Rothirsche sein

Von: fm
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Ein breit aufgestelltes Fachte
Ein breit aufgestelltes Fachteam informierte über neueste Erkenntnisse zum Rothirsch und Wildbestandsregulierung mit sehr informativ aufgearbeiteten visuellen Präsentationen. Foto: Franz Mertens

Höfen. Das Nationalparkforstamt Eifel hatte zum fünften Informationsabend „Rothirsch und Wildbestandsregulierung im Nationalpark” nach Höfen eingeladen. In der Vereinshalle traf am Freitagabend ein großes, fachkundiges Publikum auf ein sehr kompetentes Team von Referenten, die das Thema aus unterschiedlichen Gesichtswinkeln beleuchteten.

Neben dem Informationsangebot seien die Referate gleichzeitig Fortbildung für Jäger und Waldführer, stellte er gleich nach der Begrüßung klar. Sein Kollege Gerd Ahnert verwies auf die Grenznähe des Nationalparkes. Die Verantwortung für die Wildregulierung kenne keine Grenzen. Nur eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Belgien könne zum Ziel führen.

Hilmar Freiherr von Münchhausen referierte über die Faszination Rotwild und die Arbeit der Deutschen Waldtierstiftung. Es ist eine operative Stiftung mit einem jährlichen Etat von zwei Millionen Euro. Nach dem Verständnis der Stiftung soll den Wildtieren eine Stimme gegeben werden. Ein besonderes Interesse besteht dabei am Rothirsch, weil er in unseren Wäldern heimisch ist.

Er soll für Nichtjäger erlebbar gemacht werden. Das ausgeprägte Wanderverhalten des Rothirschs führt zu Problemen. Nach dem geltendem Jagdrecht werden ihm Lebensräume zugewiesen, die immer enger gezogen werden und durch dichten Waldbestand die natürlichen Lebensgrundlagen entziehen. Häufige Störungen durch Waldbesucher und Nachtjagd machen den Rothirsch zu einem sehr scheuen Tier.

Auf Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern zeigt die Stiftung in der Praxis, wie die Lebensbedingungen für den Rothirsch sein sollten. Der Kernbezirk hat Waldbestand, der nie bejagt wird. Daran schließen sich Offenlandschaften an.

Der Buchenwald wird ohne Gatter verjüngt. Die umliegenden Landwirtschaftsbetriebe passen sich an die Bedürfnisse des Rothirschs an. Um dem Rothirsch vergleichbare Lebensbedingungen in den anderen Bundesländern zu schaffen, brauche die Stiftung Unterstützung mit Finanzen und durch die Köpfe der Jäger.

In der anschließenden Diskussion kamen Fragen zur Verträglichkeit von Windkraftanlagen im Revier der Rothirsche auf. Freiherr von Münchhausen zerstreute dazu aufkommende Bedenken. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es flächendeckend Windkraftanlagen und Rothirschbestände. Bisher lägen keinerlei negative Erkenntnisse vor. Dr. Petrak ergänzte dazu, auch in der Eifel seien bisher bei bestehenden Windkraftanlagen keine negativen Auswirkungen beobachtet worden. Der Hirsch brauche in der Anfangsphase nur eine kurze Eingewöhnungszeit.

Rene Dahmen stellte die Rahmenbedingungen in den belgischen Wäldern entlang der deutschen Grenze vor. Im Venn werde auf einer Fläche von 10.000 Hektar kein Hirsch gejagt. In den übrigen Jagdbezirken beschränke sich die Jagd auf die Zeit vom 21. September bis zum Jahresende. Seit 1994 werden keine Gatter mehr für die Verjüngung des Waldes gebaut.

Trotz Schälschäden sei es gelungen, die Bestände an Buchen- und Nadelwald zu erweitern. Dem Wald gehe es gut. Nur auf den Vennflächen werden weiter Gatter gebaut, um die Heide und Preisel- und Waldbeeren vor Verbiss zu schützen. Der Hirsch sei in den Jagdbezirken nicht mehr zu sehen, weil er heute sehr scheu sei und sich tief ins Waldesinnere zurückziehe. Die jährlichen Abschüsse belegen aber, die Population steige leicht an. Um die Bestandsregulierung den Entwicklungen mit Erfolg anzupassen, sind beiderseitige Absprachen nötig.

Um die Jagd und damit die Bestandsregulierung effektiver zu machen, laufen als Feldbesuche Bewegungsjagden mit Hunden. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. Olaf Simon vom Institut für Tierökologie und Naturbildung stellte dem Publikum die Erkenntnisse aus drei Jagden des letzten Jahres im Rurtal vor.

Bei dieser Jagdart beunruhigen Stöberhunder die Jagdfläche. Sie werden dabei von Hundeführern begleitet und legen beim Beunruhigen beachtliche Laufleistungen zurück. Die bisherigen Ergebnisse zeigen auf, mit dieser Jagdart lässt sich die Bestandsregulierung wesentlich effektiver gestalten.

Der Nationalpark soll nach den gesetzlichen Vorgaben für den Besucher erlebbar gemacht werden. Diesem Auftrag ist die Nationalparkverwaltung im letzten Jahr mit der Einrichtung einer Besucherempore auf der Dreiborner Höhe nachgekommen. Sie ist vom Publikum bestens angenommen worden. Dies belegen die bisherigen Besucherzahlen eindeutig.

Für das kommende Jahr wird überlegt, was noch verbessert werden könnte. Es laufen Bemühungen, den Weg vom Parkplatz zur Empore zu verkürzen. An der Empore finden sich demnächst zusätzliche Hinweistafeln und Wildtiersilouetten zu den Tierarten im Nationalpark. Michael Lammertz schloss sein Referat zur Empore mit dem Satz, Ziel müsse es sein, Kommunikation und Naturerleben zu verbinden.

Am Ende der Veranstaltung gab Gerd Ahnert die Abschusszahlen des letzten Jahres bekannt. Fast alle Abschüsse lagen über den Soll-Zahlen. Für das laufende Jahr plant die Forstverwaltung mit ähnlichen Zahlen für die Bestandsregulierung, begleitet von einem Monitoring, das nur auf den Nationalpark beschränkt ist.

In Kürze soll ein gemeinsames Monitoring mit dem Umfeld des Nationalpark anlaufen. Genaueres dazu steht noch nicht. Untersuchungen ergaben, dass bleifreie Munition im Abprallverhalten gegenüber bleihaltiger Munition im Abprallverhalten nicht signifikant abweicht. Deshalb wird bei der Jagd demnächst aus ökologischen Gründen nur noch bleifreie Munition verwandt.

Zum Schluss entspann sich eine Diskussion zur Überpopulation im Nationalpark. Dies stellt die Nationalparkverwaltung nicht in Frage. Ein weiter steigender Bestand sei auf Dauer nicht hinnehmbar. Wie auf diese Entwicklung reagiert werden soll, dazu besteht zwischen den Nationalpark und den angrenzenden Jagdbezirken weiter Klärungsbedarf.

Lösungsmöglichkeiten sollen die ministeriellen Gespräche zum gemeinsamen Monitoring bringen. Moderator Joerißen und Referent Ahnert betonten abschließend, Fragen zum Thema seien auch in anderem Rahmen möglich. Jeder Jäger könne sich gerne außerhalb dieser Veranstaltung mit seinen Anliegen unmittelbar an die Nationalparkverwaltung werden.
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