Windkraft im Gewerbegebiet sorgt für Unsicherheit

Von: P. St.
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Über die Frage, ob Windräder im Gewerbegebiet Rollesbroich errichtet werden dürfen, gibt es unterschiedliche Auffassungen zwischen der Gemeindeverwaltung und einem Antragsteller. Foto: P. Stollenwerk

Rollesbroich. Dreht sich demnächst im Gewerbegebiet Rollesbroich eine 125 Meter hohe Windkraftanlage? Nach Auffassung der Gemeinde Simmerath ist die Zulässigkeit einer solchen Einzelanlage laut Bebauungsplan nicht gegeben, während der Antragsteller das Vorhaben vollkommen anders sieht und davon ausgeht, dass man eine Einzelanlage an seinem Betriebsgelände im Gewerbegebiet nicht verhindern kann.

In der zurückliegenden Sitzung des Simmerather Planungsausschusses aber erntete der Antrag zunächst einmal kräftigen Gegenwind, denn mehrheitlich wurde beschlossen, die Bebauungspläne für das Gewerbegebiet Rollesbroich sollen dahingehend geändert werden, dass die Errichtung von Windkraftanlagen hier ausgeschlossen ist.

Von der Möglichkeit einer Veränderungssperre wurde zunächst Abstand genommen, da die Gemeinde Simmerath keine Eile geboten sieht, weil der Antrag für das Windrad noch um ein artenschutzrechtliches Gutachten erweitert werden muss, dessen Bearbeitungszeit aber mindestens ein Jahr dauert. Bei der Städteregion Aachen ist der Bauantrag am 9. April eingegangen. Bei der Städteregion Aachen ist der Bauantrag am 9. April eingegangen.

Eine Veränderungssperre als plansicherndes Instrument hat den Effekt, dass ab sofort innerhalb eines genehmigten Bebauungsplanes keine weiteren Baumaßnahmen genehmigt werden. Für die Dauer einer Veränderungssperre dürfen keinerlei bauliche Aktivitäten stattfinden.

Eine Windkraftanlage im Gewerbegebiet Rollesbroich könnte eventuell negative Auswirkungen auf die Zulassung und Ansiedlung weiterer Betriebe haben, lautet die Befürchtung der Verwaltung. Auch sieht man die Abstandsflächen zur Wohnbebauung und die damit verbundene optisch „bedrängende Wirkung“ durch Schattenwurf (das nächstgelegene Wohnhaus befindet sich in rund 350 Meter Entfernung) als zu gering an. Problematisch sei auch die Nähe zu den Betriebswohnungen im Gewerbegebiet.

Seitens der CDU-Fraktion konnte man dieser Argumentation folgen, und auch Jens Wunderlich hatte Bedenken, dass eine Windkraftanlage insgesamt zu „negativen Auswirkungen“ für das Gewerbegebiet führen könne. Er sehe den Platz für Windkraftanlagen zudem allein in den von der Gemeinde ausgewiesenen Konzentrationszonen. Außerdem habe der Bürgermeister im Zug der Ausweisung des Windparks Lammersdorfer Wald den Anwohnern zugesagt, dass ein Mindestabstand von 1000 Metern zur Bebauung eingehalten werde. Diese Zusage müsse auch für Rollesbroich gelten, selbst wenn die Anlage kleiner ausfalle.

So sah es auch Hermann-Josef Bongard (FDP): Die Windkraftpotenzial-Studie weise für Simmerath die Konzentrationsflächen in Lammersdorf und im Buhlert aus; dabei solle man es auch belassen.

Für Manfred Sawallich (SPD) stellte sich die Frage, ob man damit Windkraftanlagen in Gewerbegebieten grundsätzlich ausschließen wolle. Im Falle Rollesbroich sei es für die Bewertung des Antrages wichtig, das Meinungsbild in der Bevölkerung zu ermitteln. Sein intensiv diskutierter Antrag, zu einer Bürgerinformation einzuladen, wurde allerdings abgelehnt.

Aus der Sicht von Marc Topp (SPD) ist es nicht ausgeschlossen, dass eine Windkraftanlage auf der Grundlage des jetzigen Bebauungsplans durchaus genehmigungsfähig ist. Auch der Rollesbroicher Ortsvorsteher sprach sich dafür aus, „alle Möglichkeiten der Information und Transparenz“ auszuschöpfen, denn auch der Antragsteller dürfte „ein Interesse am Meinungsbild in der Bevölkerung und einer verträglichen Lösung in Sinne eines gut nachbarschaftlichen Auskommens haben, ehe er später Tanz in allen Räumen hat“.

Der Antragsteller fühlt sich in seiner Auffassung, dass eine Windkraftanlage zulässig ist, bestärkt durch eine Einschätzung der REA GmbH Düren. Diese kommt zu der Auffassung, dass weder Regionalplan noch Windenergieerlass gegen eine Anlage im Gewerbegebiet Rollesbroich sprechen würden. Die Schallgrenzwerte für ein Industriegebiet seien problemlos einzuhalten. Auch gelte es zu bedenken, dass man für eine Betriebswohnung im Gewerbegebiet nicht die gleiche Schutzbedürftigkeit wie für ein Wohngebiet ansetzen könne.

Beigeordneter Roger Nießen stellte noch einmal heraus, dass nach Auffassung der Gemeinde Simmerath auf der Grundlage des bestehenden Bebauungsplans Windkraftanlagen im Gewerbegebiet Rollesbroich nicht zulässig seien, „auch wenn der Antragsteller und seine Anwälte das genau umgekehrt sehen“. Da es in der Tat „rechtliche Unsicherheiten“ gebe, ob beispielsweise ein Windrad als Haupt- oder Nebenanlage zu werten sei, wolle man diese durch klare Formulierungen in den textlichen Festsetzungen um Bebauungsplan ausräumen. „Spekulativ“ sei für ihn die Frage, ob ein Windrad eventuell negative Auswirkungen auf noch zu vermarktende Flächen haben könnte.

Dem Vernehmen nach sollen auch noch andere Betriebsinhaber im Gewerbegebiet Rollesbroich an der Errichtung von Windkraftanlagen interessiert sein.

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