Windanlagen: „Die Gesamtsituation hat sich verbessert“

Von: Peter Stollenwerk
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Schöne Aussichten auf der Windenergieanlage des Typs Enercon E-82 in Raffelsbrand: Hoch hinaus muss REA-Projektmanager Klaus Wildrath, um auf 98 Meter Nabenhöhe gut gesichert die Windkraftanlagen in ihrer ganz Dimension zu erleben. Foto: P. Stollenwerk
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Sie möchten die Windkraft im Kreis Düren nach vorne bringen: REA-Geschäftsführer Hans-Willi Schruff, Projektmanager Klaus Wildrath und Landwirt Stefan Schümmer (v. r.) als Gesellschafter.

Raffelsbrand. „Der Bodenschatz unserer Region ist der Wind“, sagt Hans-Willi Schruff. Der Diplomingenieur ist Geschäftsführer der REA GmbH (Regenerative Energie Anlagen Management) mit Sitz in Düren. Das Ingenieurbüro realisiert seit 1997 Windenergie- und Photovoltaikanlagen und unterstützt als Projektbegleiter den Ausbau der regenerativen Energien in Nordrhein-Westfalen. An rund 20 Windenergieanlagen in der Region Düren/Eifel, davon stehen sieben in der Gemeinde Hürtgenwald, ist das Unternehmen selbst beteiligt.

Schruff weiß aber auch, dass die Energiewende kein Selbstläufer ist. Besonders beim Windkraft-Ausbau gibt es oft enorme Widerstände zu überwinden. Die Gegner und Kritiker finden immer wieder Argumentationsansätze, um den Ausbau zu behindern. Das spüren die REA und die Betreibergesellschaft aktuell besonders deutlich in Raffelsbrand. Im Frühjahr 2015 wurde hier eine Windenergieanlage des Typs Enercon E-82 mit 98 Meter Nabenhöhe errichtet.

Die weithin bekannte Pionieranlage aus den 1990er mit ihrem markanten Gittermast wurde nach 20 Jahren vollständig abgebaut. Die neue Windenergieanlage mit einer Gesamthöhe von 140 Metern wurde von der REA mit Landwirten aus Raffelsbrand geplant und finanziert. Die Anlage soll über sechs Millionen Kilowattstunden (kWh) umweltfreundlichen Strom im Jahr produzieren. Die Höhenlage Raffelsbrand/Lammersdorf bietet einen der besten Windkraft-Standorte in ganz NRW.

Klage abgewiesen

Diese Anlage (von insgesamt vier in Raffelsbrand) ist dennoch zur Zielscheibe der Kritik für einen Landwirt der Siedlung Raffelsbrand geworden, der mit allen Mitteln versucht, die Windkraft aus seiner Nähe zu verdrängen. Den jüngsten Etappensieg aber hat die REA errungen, denn eine weitere Klage eines Landwirts, die sich gegen den seiner Meinung nach nicht ausreichenden Abstand der Windmühle zur Bebauung, die Geräuschbelästigung, die optische Bedrängung und die Bedrohung von Tierarten richtete, hat das Landgericht Aachen vor einigen Tagen in allen Punkten abgeschmettert. Sein Anwalt kündigte zwar bereits Widerspruch an, doch weiteren juristischen Verfahren sieht die REA gelassen entgegen, denn es werde mit „Wunschzahlen“ agiert, sagt Hans-Willi Schruff.

Der Abstand der Windanlage zum Wohngebäude betrage exakt 481 Meter. Das sei objektiv nachzumessen. Es würden sowohl dieser wie auch andere Grenzwerte eingehalten, was vom Gericht auch bestätigt worden sei. Die geforderten größeren Abstände bezogen sich auf größere Anlagen neueren Typs. „Wenn wir die Abstände nicht eingehalten hätten, dann hätten wir überhaupt keine Genehmigung erhalten“, sagt Christof Kienert, einer der Gesellschafter der Windenergieanlage.

Der Landwirt aus Raffelsbrand sieht in den Attacken gegen die Windkraft eine in der Gesellschaft weit verbreitete grundsätzliche Tendenz bestätigt, indem gegen größere Projekte zunächst einmal generell Widerstand aufgebaut werde. Dabei seien Winderenergieanlagen „aktiver Klimaschutz“. Das sei vielen Bürgern auch bewusst, „solange die Windräder nicht vor der eigenen Tür errichtet werden“. Andererseits hätten laut einer aktuellen Umfrage fast Dreiviertel der Bürger sich für den Ausstieg aus der Braunkohle ausgesprochen.

Neue Blätter sind leiser

Nicht nachvollziehbar sind auch für Klaus Wildrath, Projektmanager bei der REA, die gegen die Raffelsbrander Anlage und die Windkraftnutzung im allgemeinen aufgefahrenen Argumente. „Nur gegen etwas zu sein, reicht nicht. Ich muss auch Alternativen aufzeigen“, fordert er. Die Rotorblätter neueren Typs seien so geformt, dass eine messbare Geräuschreduzierung erfolge. Weitere Anlagen würden mit dieser Technik noch nachgerüstet.

Auch für den Artenschutz stellten die Windenergieanlagen wohl nur aus subjektiver Sicht eine Gefahr, sagt Wildrath und verweist auf ein zweijähriges Fledermaus-Monitoring bei der in Rede stehende Anlage in Raffelsbrand. Fledermäuse seien in der Regel nur bei Windstille und guter Witterung aktiv. Um nun auch in den Grenzbereichen dem Artenschutz gerecht zu werden, werde bei neuen Anlagen eine Abschalt-Automatik aktiviert, die auf die von Fledermäusen erzeugten Töne reagiere. Damit werde der Betrieb der Anlage an die Aktivitäten der Fledermäuse angepasst.

Auch die Gefahr für Zugvögel, etwa für Kraniche, sei im Falle Raffelsbrand nicht gegeben, ergänzt Stefan Schümmer, ebenfalls Gesellschafter der Anlage. Dieser Konflikt werde künstlich erzeugt, sagt der Landwirt, denn Kraniche flögen deutlich höher als Windanlagen. Außerdem müsse man feststellen, das „in der Gemeinde Hürtgenwald deutlich mehr Tiere durch den Straßenverkehr als durch Windanlagen zu Tode kommen“.

Auch, dass man im Zusammenhang mit Windrädern von Landschaftszerstörung spreche, könne er nicht nachvollziehen. Eine Bauphase im Wald könne in der Tat schon einmal „heftig aussehen“, aber die Bedeutung einer zur Abholzung anstehenden Fichtenmonokultur in einem Nutzwald solle man auch nicht überbewerten. „Der Tagebau stellt da einen ganz anderen Eingriff in die Natur dar.“

Für Hans-Willi Schruff ist es bedauerlich, dass man mit dem Hauptgegner der Anlage in Raffelsbrand zu diesem Thema keine gemeinsame Gesprächsbasis gefunden habe. Objektiv festzustellen sei aber, dass die alte Gittermastanlage in nur 300 Meter Entfernung vom Gebäude gestanden und mit 106 Dezibel eine „wirkliche Geräuschbelästigung“ dargestellt habe.

Die jetzt am Haus ankommenden Geräusche seien „deutlich geringer“. Dies habe auch das Gericht festgestellt. Schruff: „Die Gesamtsituation hat sich wesentlich verbessert. Es ist nur noch halb so laut.“ Auch sei festzuhalten, dass der gesetzliche Schutzanspruch im Hinblick auf Geräuschbelästigung in einer Streusiedlung wie Raffelsbrand gegenüber einem reinen Wohngebiet nicht so hoch angesetzt sei. „In Raffelsbrand dürfen beispielsweise auch in der Nacht Traktoren fahren.“

Für Akzeptanz kämpfen

Der REA-Geschäftsführer will aber trotz der gerade in letzter Zeit wieder stärker aufkommenden Windkraft-Kritik („Die Gegner sind überzeugt davon, dass sie damit für die Gesellschaft etwas Gutes tun, aber leider fehlt es oft am Hintergrundwissen“) weiter für die Akzeptanz der Energiewende kämpfen. Schruff: „Windkraftnutzung hat nichts mit Industrie zu tun. Das ist Wertschöpfung vor Ort, die auch der infrastrukturellen Stärkung einer ganzen Region dient. Die Anlagen werden von Anwohnern betrieben, und der Strom wird zu 100 Prozent gebraucht.“

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