Will McBrides Fotokunst jetzt auch im KuK

Von: avl
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Eröffneten eine weitere Fotoausstellung von Weltformat: Axel Hartmann (allgemeiner Vertreter des Städteregionrats), Dr. Nina Mika-Helfmeier (Leiterin KuK) und Norbert Bunge (Galerist) (v.l.). Foto: van Londen

Monschau. Gestalt gewordene Unruhe am Checkpoint Charly, Momente zwischen Aufräumen und Aufbauen, zwischen Ruinen und erster aufkeimender Lebensfreude, viele Gesichter von Politkern die Weltgeschichte schrieben wie Konrad Adenauer, Willi Brandt oder John F. Kennedy, bekannte Persönlichkeiten wie Romy Schneider – aber auf jeden Fall immer Berlin, Berlin, Berlin.

Eine Stadt, bombardiert, geschunden, eigentlich kurz vor dem Exodus durch das Eingreifen der Alliierten– aber doch schon voller Hoffnungen, geläutertem Wiedererwachens der Lebensfreude derer, die den Kriegswahnsinn überlebten, einfach weiter machen müssen und wollen. Berlin nach dem Krieg – für einen sensiblen und jungen talentierten Fotografen wie den Amerikaner Will McBride ein Eldorado an Motiven, die Geschichte schreiben werden.

Ein sensibler Realist

Die in seinen Fotografien immer stets präsente, dichte Atmosphäre zeichnet markanterweise jedoch nicht die Tristesse der damaligen Zeit, sondern die zarte Lebensfreude der Menschen. McBrides Bilder sollen vor allem eines deutlich zeigen: das wahre Selbst!

„Die Fotokunst ist ein Genre, das sich schon lange aus einer Nische heraus entwickelt hat und ein echter Publikumsmagnet ist. Auch hier im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau. Somit ist das KuK zwar ein historisches Kleinod an der Rur, aber längst kein Geheimtipp mehr“, erklärte Axel Hartmann, allgemeiner Vertreter des Städteregionrats, bei seiner Eröffnungsrede der Vernissage vor einem großen Publikum in Monschau.

Er konstatierte, dass das Image dieses etwas anders geführten Museums gut sei und zu starken Netzwerken geführt habe, sowohl bei Kunstschaffenden als auch bei Galeristen, Kuratoren und Fotografen weltweit. „Heute eröffnen wir nicht einfach nur eine monografische Schau mit einem Querschnitt aus Will McBrides Schaffen, sondern die erste Retrospektive nach seinem Tod.

Das KuK der Städteregion ist also das erste Haus weltweit, das nach dem Tod des Fotografen im Januar 2015 in Berlin dessen Kunst einem breiten Publikum zur Diskussion stellen kann“, so Hartmann weiter. Einige seiner Arbeiten, die in Monschau zu betrachten sind, sind noch nie einer Öffentlichkeit präsentiert worden – ein Statement, das verdeutlicht, wohin sich das KuK entwickelt. Insgesamt 150 Arbeiten des Fotografen sind Dank der Galerie Norbert Bunge und anderer, privater Sammler aktuell im KuK zu sehen.

Der großartige Fotokünstler Will McBride hat retrospektiv eine ganze Generation junger Fotografen beeindruckt und inspiriert. Als 24-Jähriger kam der junge Amerikaner nach Berlin. Während seines Wehrdienstes in Würzburg beschloss er, in Deutschland zu bleiben.

Doch was den Philosophiestudenten im Nachkriegsdeutschland erwartete, darauf war er nun doch nicht gefasst: Zwischen Trümmern, Kriegsversehrten und Witwen fand er besonders bei der jüngeren Generation einen unerschütterlichen Optimismus. McBride verliebte sich spontan in die Stadt und ihre Lebensfreude. Seine Absicht, in Berlin neben dem Studium ein bisschen zu knipsen und zu malen, blieb angesichts der zahlreichen faszinierenden Motive nur ein Vorsatz.

Er stürzte sich förmlich darauf, das Leben im Wiederaufbau und die unermüdlichen Anstrengungen der Menschen zu dokumentieren. Er legt den Finger in die noch offene Wunde, doch sein Blick dabei ist nicht melancholisch. Vielmehr zeigt er das Leben und das Aufwachsen inmitten der Ruinen, das trotz aller Widrigkeiten möglich war. Seine Fotografien zeigen eine Berliner Jugend badend im Wannsee, die ausgelassen Bootsfahrten machen und dabei zur Musik von Elvis Presley feiert. Und McBride feiert mit.

Zum ersten Mal in seinem Leben sei er glücklich gewesen, schwärmte der Fotograf später. Der kühle Beobachter wurde zum Kollaborateur eines rebellischen Lebensgefühls. Seine ursprüngliche Idee, seine Fotografien als Vorlage für Gemälde zu verwenden, verwarf er bald und begann als Fotojournalist für Zeitschriften wie „Look“, „Paris Match“, „Life“, „Stern“ und „Brigitte“ zu arbeiten.

Internationale Berühmtheit erlangte McBride vor allem durch seine Fotoreportagen für die Jugendzeitschrift „Twen“, die von 1960 bis 1971 erschienen ist. Mit der Kultzeitschrift fand er früh eine redaktionelle Heimat für seinen sensiblen Realismus.

„Seine Bildgeschichten zeugen von einem neuen Lebensgefühl, von der Hoffnung auf jene ‚neuen Menschen‘, die die Parole ‚Make love, not war‘ zur Maxime erhoben. Ausgelassene Jugendliche auf Vespa-Rollern oder während Partys sowie Schüler des Salem-Internats und die Darsteller der Hair-Aufführung in München, nackt in Pappkartons übereinandergestapelt.

Seine Motive wurden zu Symbolbildern einer Jugend, die sich gegen die kleinbürgerliche Zufriedenheit der Adenauer-Ära auflehnte und schon bald in Drogenrausch und ausgelebter Sexualität die alten Lebensmuster sprengte.“ (Freddy Langer, FAZ vom 30.1.2015).

Rückkehr nach Berlin

Nach dem Mauerbau hatte McBride Berlin verlassen und lebte bis zur Trennung 1969 mit seiner Frau, Barbara Wilke, und den drei gemeinsamen Söhnen in München. Danach zog er sich mit seinem Freund in die Toskana zurück, um sich dort hauptsächlich der Malerei und Bildhauerei zu widmen. Nachdem er 1983 ein Fotostudio in Frankfurt eröffnete, kehrte er 1998 nach Berlin zurück.

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