Wieder mehr Geburten in der Eifelklinik

Von: Andreas Gabbert
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Fühlt sich in Simmerath gut aufgehoben: Desiree Haas aus Strauch mit ihrem Sohn Thilo, der am 8. Januar geboren wurde.
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Geben einen Einblick in den Kreissaal des St.-Brigida-Krankenhauses: Dr. Andreas Cousin, Esther Schmitz, Birgit Jacob, Dr. Linda Tran und Dr. Dieter Sohr (von links). Foto: A. Gabbert

Simmerath. Tausende Menschen aus der Eifel sind 2008 für den Erhalt des Simmerather Krankenhauses auf die Straße gegangen. Insbesondere die Geburtshilfestation stand immer wieder zur Diskussion. Ein Komitee wurde gegründet, der Landes-Gesundheitsminister war vor Ort, 3000 Bürger zogen durch Simmerath... Am Ende wurden das Krankenhaus und die Geburtshilfestation gerettet. Beide sind noch da und erfreuen sich inzwischen wieder bester Gesundheit.

Der einstige Träger hat sich verabschiedet und das Krankenhaus 2010 an die private Artemed-Gesellschaft übergeben. Seitdem ist viel passiert. Das merken Besucher und Patienten schon beim Betreten des Hauses. Grün und weiß sind die dominierenden Farben. An den Wänden hängen großformatige Landschaftsfotos aus der Eifel. Alles wirkt moderner und freundlicher.

Auf der Geburtshilfestation hat sich auch einiges getan. Das wichtigste ist aber wohl das klare Bekenntnis zu dieser Station. „Die Aussage der Geschäftsführung war eindeutig: Die Geburtshilfe bleibt, egal wie die Zahlen aussehen“, erklären die beiden Chefärzte der Geburtshilfe, Dr. Dieter Sohr und Dr. Andreas Cousin.

Und die Zahlen sehen gut aus. Trotz zahlreicher Umbaumaßnahmen und bundesweit rückläufiger Geburtenzahlen, wurden im Jahr 2012 (245 Geburten) mehr Kinder in der Eifelklinik geboren als noch 2011 (234 Geburten). 122 der Neugeborenen waren Jungen und 123 Mädchen. 2012 wurde ein Zwillingspaar geboren, 2011 waren es drei. 40 Prozent der Geburten erfolgten per Kaiserschnitt, die Hälfte davon geplant.

Herkunft der Patienten

Die meisten Patienten kommen aus Monschau und Simmerath. Relativ viele kommen auch aus dem Schleidener Raum, um im St.-Brigida-Krankenhaus zu entbinden. Einige kommen auch aus Nideggen, Schmidt, Hürtgenwald und Vossenack. „Diese Leute haben durch den Altkreis Monschau noch eine Bindung nach hier, weniger nach Düren“, sagt Sohr. Etwas aus dem Rahmen fällt die Gemeinde Roetgen. Von dort zieht es nur wenige Mütter in das Simmerather Krankenhaus. In Roetgen lebten viele Zugezogene, denen das Krankenhaus in Simmerath nicht so bekannt ist, die eine andere Bindung hätten und sich eher nach Aachen orientieren würden, vermuten die beiden Chefärzte. Aber auch die Zahl der Patienten aus Roetgen nehme langsam zu.

Warum sich die Patienten für eine Geburt im St.-Brigida-Krankenhaus entscheiden, ist für die Ärzte nicht schwer zu erklären. Das liege an der familiären Atmosphäre und der guten Betreuung, sagen sie.

Die Patienten könnten auch ihre freiberufliche Hebamme mit ins Haus bringen und würden von der Vorsorge über die Entbindung bis zur Nachsorge alles in einer Hand finden. Außerdem bekommen die Mütter grundsätzlich ein Einzelzimmer, auch wenn es keine Garantie dafür gibt. Seit einiger Zeit besteht auch die Möglichkeit, ein so genanntes Familienzimmer zu beziehen. Das können die Eltern mit ihrem Nachwuchs dann ähnlich wie ein Hotelzimmer nutzen.

Die Aussagen der Chefärzte kann Desiree Haas aus Strauch, die am 8. Januar ihren Sohn Thilo in Simmerath zur Welt gebracht hat, nur unterstreichen. Die 31-Jährige fühlt sich gut aufgehoben und genießt die Intimsphäre auf ihrem Einzelzimmer. „Wenn ich Hilfe brauche, ist immer jemand da. Die nehmen sich hier alle Zeit der Welt und sind sehr nett“, sagt sie.

Betreut werden Mütter und Kinder von sieben Ärzten, offiziell fünf Hebammen und zwölf Kinderkrankenschwestern.

Froh über den Wechsel

Sohr und Cousin sind sehr froh über den Wechsel des Trägers. „Das war ein Glücksfall für die Nordeifel“, sagt Cousin. Die Artemed-gruppe habe kräftig in die Tasche gelangt und vieles wieder aufgebaut, was von den Vorgängern zurückgefahren worden sei. Die Intensivstation sei vor dem Wechsel nur mit Einschränkungen noch als solche zu bezeichnen gewesen. Das habe sich grundlegend geändert. Die Infrastruktur sei aber auch an vielen anderen Stellen verbessert worden. Beispielsweise sei es nun möglich, mehr Blutkonserven zu lagern. Außerdem könne man nun auf bessere Laborleistungen zurückgreifen. Hinzu kommen zahlreiche Neuanschaffungen wie ein Gyn-Stuhl.

Nach der Übernahme ist der Kreissaal auf die Station 1, auf die Ebene des OPs umgezogen. Auch das Chefarztbüro, die Geburtshilfe-Ambulanz und die Wochenbettstation mussten umziehen. Die Wochenbettstation sogar von der obersten Etage ins Erdgeschoss am anderen Ende des Hauses. „Wir wollten alles komplett zusammen haben“, erklärt Sohr die Gründe. Nun sind alle Abteilungen der Geburtshilfe auf der Station 1 vereinigt. „Das macht die Wege für Patienten, Schwestern und Ärzte kürzer“, sagt Cousin.

„Eine Geburt ist immer wieder ein tolles Ereignis, das nicht zwangsläufig mit Krankheit zu tun hat und einen immer wieder an dem Glück der Eltern teilhaben lässt“, verrät Dr. Andreas Cousin über seine Motivation, ausgerechnet in diesem Bereich als Arzt zu arbeiten. Deshalb sei es eine Herausforderung, Gefahren für Mutter und Kind abzuwenden, sagt der 45-jährige Vater dreier Kinder. Cousin kommt gebürtig aus Marburg an der Lahn, aufgewachsen ist er am Niederrhein, er hat in Aachen studiert und wohnt jetzt in Roetgen.

Der 61-jährige Dieter Sohr ist gebürtiger Aachener, Vater zweier Kinder und lebt in Imgenbroich. In seinem Fall waren es seine Professoren in Mainz, die ihn für die Geburtshilfe begeisterten. Bereut haben die Beiden ihre Entscheidung bis heute nicht.

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