Wie stark sind die Kunstrasenplätze in Roetgen belastet?

Von: ag
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Der Sportplatz in Roetgen: Die Gemeinde Roetgen hatte im Herbst 2016 beschlossen, die drei Kunstrasenplätze in Rott und Roetgen (Foto) auf Belastungen prüfen zu lassen. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Viele Fußball-Amateurspiele waren im Herbst des vergangenen Jahres in den Niederlanden ausgefallen, weil das bis dato auf vielen Kunstrasenplätzen eingesetzte Granulat möglicherweise krebserregend sein soll. Auch in Deutschland waren immer wieder mal Verdachtsmomente gegen die bei Kunstrasenplätzen verbauten Materialien aufgetaucht.

Die ARD-Sendung „Kontraste“ hatte schon vor zwölf Jahren berichtet, dass Granulate in der Füllschicht von Kunstrasen krebserregende Stoffe, sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), enthalten. Auch in der Region sorgte das Thema vor Wochen für Gesprächsstoff.

Während sich die Kommunen Monschau und Simmerath auf ein Gutachten des Herstellers des Granulats verließen, entschied sich die Gemeinde Roetgen im Herbst 2016, die drei Kunstrasenplätze in Rott und Roetgen prüfen zu lassen. „Der Aufwand ist überschaubar; da gehen wir lieber auf Nummer sicher“, hatte Bauamtsleiter Dirk Meyer damals gesagt.

Also beauftragte die Gemeinde die Gesellschaft für Baustoffüberwachung und Geotechnischen Umweltschutz mbH aus Stolberg mit einer Untersuchung. Festgestellt werden sollte, ob das verwendete Einstreugranulat, das aus recyceltem Gummi besteht, belastet ist und ob davon eine Gefahr für die Menschen und die Umgebung ausgeht.

Bei den Untersuchungen wurden nach Auskunft der Gemeinde Grenzwerte zum Teil überschritten, wenn man die Grenzwerte der EU-REACH-Verordnung heranzieht. Ob diese EU-Grenzwerte weiterhin bestehen bleiben oder kurzfristig noch einmal angepasst werden sollen, sei derzeit unklar, teilt die Gemeinde mit. Aus einem Arbeitspapier des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz gingen jedoch andererseits Werte hervor, die eine Unterschreitung bedeuten würden.

Die Untersuchungsergebnisse seien daher dem Gesundheits- und dem Umweltamt der Städteregion Aachen mit der Bitte um Stellungnahme zur Verfügung gestellt worden, teilt die Gemeinde jetzt mit. Das Gesundheitsamt hege keine Bedenken hinsichtlich einer Belastung für Menschen.

Mit dem Verweis auf eine fachliche Stellungnahme des Bundesamtes für Gesundheit der Schweizerischen Eidgenossenschaft werde davon ausgegangen, dass eine Belastung über die Luft und das damit verbundene Einatmen der belasteten Partikel nur zu einem geringen Teil zu der allgemeinen Gesamtbelastung durch PAK beitrage. Die Aufnahme über die Haut werde als untergeordnet eingeschätzt, „weil die Belastung nur kurzzeitig erfolgt und die Staubauflagerungen nachfolgend wieder abgewaschen werden“, heißt es in dem Gutachten.

Das Umweltamt der Städteregion schließe sich den Ausführungen des Gesundheitsamtes an, schreibt die Gemeindeverwaltung. Es werde darauf hingewiesen, dass Kunstrasen ein technisches Bauwerk darstelle und somit außerhalb des Definitionsbereichs des Bodenschutzrechtes liege. Folglich könnten die Grenzwerte der Bodenschutzverordnung nicht als Bewertungskriterium herangezogen werden. Es werde lediglich empfohlen, die Produktdatenblätter anzufordern und das Drainagewasser im Sammelschacht untersuchen zu lassen. Weitere Maßnahmen hat die Gemeinde Roetgen zunächst nicht geplant.

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