Wie standfest sind die Linden auf der Haag?

Von: hes
Letzte Aktualisierung:
bäumebild
Ortstermin an der Walter-Scheibler-Straße in Monschau. Im strömenden Regen trugen zwei Bürgerinnen den Ausschussmitgliedern die Gründe vor, warum nach ihrer Auffassung insgesamt drei rund 50 Jahre alte Linden gefällt werden sollten. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Und täglich grüßt das Murmeltier - oder im Falle der Stadt Monschau besser gesagt: wöchentlich die Baumschutz-Debatte. Diesmal hatte sich der Umweltausschuss mit der Frage zu befassen, ob alte Bäume an recht exponierter Stelle entfernt werden sollen und/oder ob man damit Präzedenzfälle schafft.

Ortstermin am Dienstagnachmittag auf der Haag in Monschau, Walter-Scheibler-Straße. Im strömenden Regen trugen zwei Bürgerinnen den Ausschussmitgliedern ihre durchaus plausiblen Gründe vor, warum nach ihrer Auffassung insgesamt drei rund 50 Jahre alte Linden gefällt werden sollten.

Das Wurzelwerk des Baumes unmittelbar vor ihrem Grundstück habe bereits Drainagerohre und Versorgungsleitungen in Mitleidenschaft gezogen, erläuterte eine Anwohnerin. Auch am Baum selbst ist deutlich zu sehen, wie sich das Wurzelwerk in den vergangenen Jahren gehoben hat und in absehbarer Zeit wohl auch Bankett und Fahrbahn anheben und beschädigen wird. Noch dringlicher scheint das Anliegen ihrer Nachbarin.

„Wenn es stürmt, schläft die Hauseigentümerin „auswärts”, zu groß ist die Sorge der älteren Dame, die mächtige Linde, die sich schon leicht in Richtung ihres kleinen Hauses geneigt hat, könne ihr buchstäblich aufs Dach fallen.

Doch schon an Ort und Stelle gab es auch Gründe, die gegen eine Fällung sprechen. „Wenn wir hier einer Fällung zustimmen, ist bald die ganze Allee weg, den irgendein Grund zum Fällen lässt sich hier für jeden Baum finden”, mahnte eine Stimme aus dem Besichtigungsausschuss. Linden seien in aller Regel auch in diesem Alter noch sehr standfest, kam eine weitere Entwarnung aus Reihen der Ortspolitiker. Aber wer will garantieren, dass einer der mächtigen Bäume nicht beim nächsten „Kyrill” oder bei der nächsten „Xynthia” kippt?!

Deshalb sollen nun die Experten der städtischen Forstverwaltung die zur Diskussion stehenden Bäume einer genauen Prüfung unterziehen, wie man später im trockenen Sitzungssaal übereinkam.

Grünen-Ausschussmitglied Gerd Goebel plädierte für eine Zwischenlösung: „Die Bäume sind gefährlich, weil sie eine große Krone haben und so dem Wind viel Angriffsfläche bieten”, meinte Goebel. Wenn man die Krone zurückschneide, könne man wieder ein paar Jahre gewinnen und in dieser Zeit durch Neupflanzung die Lücken schließen und den Allee-Charakter erhalten meinte Gerd Goebel. „Wir sollten keine Bäume unnötig wegnehmen”, so der Grünen-Vertreter.

Die Entkronung ändere aber nichts am störenden Wurzelwerk, meinte Waltraud Haake (CDU), und auch SPD-Sprecher Gregor Mathar sprach von einem „gewissen Risiko, dass Bäume dieses Alters nun einmal bergen”.

Ausschussmitglied und Gärtner Hermann-Josef Backes bewertete die Auswahl der Baumart bei der Pflanzung vor Jahrzehnten als „nicht glücklich”. Linden hätten ein gewaltiges Wurzelwerk, könnten so Straßenschäden verursachen und seien daher nicht sonderlich als Allee-Bäume geeignet. „Falls nachgepflanzt wird, sollte man auf eine weniger wüchsige Baumart zurückgreifen”, riet Backes.

Straße wird saniert

In jedem Falle eilt nun eine Entscheidung, denn nach dem beschlossenen Straßeninstandsetzungsprogramm steht exakt dieser Teil der Walter-Scheibler-Straße in Kürze zur Sanierung an. Und da wäre es ein Schildbürgerstreich, wenn die frisch erneuerte Fahrbahndecke sogleich wieder aufgerissen werden müsste oder beschädigt würde, meinte auch Markus Legge (CDU), der bereits ahnt, wie die Untersuchung ausgehen wird: „Kein Gutachter der Welt wird mit 100 Prozent für die Standfestigkeit eines Baumes garantieren.”

Das Ergebnis der Untersuchung wird dann dem Planungsausschuss zur Beratung vorgelegt werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert