Simmerath/Nordeifel - Wie Sekundarschüler für die Berufswahl vorbereitet werden

Wie Sekundarschüler für die Berufswahl vorbereitet werden

Von: hes
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Praktikum im Kindergarten Kalterherberg: Nicht alltäglich, aber höchst willkommen: Sekundarschüler Luca Koch (14) kann sich gut vorstellen, die erfüllende Arbeit mit Kindern auch zu seinem Beruf zu machen. Erzieherin und Kita-Leiterin Karla Engels ist angetan: Junge Männer in unserem fast nur von Frauen ausgeübten Beruf sind Gold wert – und Luca mit seiner ruhigen Art absolut geeignet dafür.“ Foto: H. Schepp

Simmerath/Nordeifel. Am liebsten würden sie ihn gar nicht wieder hergeben im Kindergarten Kalterherberg, „ihren“ Schülerpraktikanten Luca Koch. Der 14-Jährige ist einer von 95 Neuntklässlern der Sekundarschule in Simmerath, die zurzeit ihr dreiwöchiges Praktikum absolvieren. Es ist das erste mehrwöchige Praktikum der noch jungen, 2013 gegründeten Schule.

Die Sekundarschule setzt damit die erfolgreiche Berufsvorbereitung fort, die zuvor an der Elwin-Christoffel-Realschule und an den Hauptschulen in Simmerath und Monschau praktiziert wurde und derzeit in den zehnten Schuljahren von ECR und GHS auch noch praktiziert wird.

Die Fäden für die 95 Praktika bei rund 80 Betrieben und Behörden in der näheren, aber auch weiteren Umgebung laufen zusammen bei Lars Jacobs, dem Koordinator für Studien- und Berufsorientierung an der Sekundarschule Nordeifel in Simmerath. Als „StuBo“ obliegt dem 47-jährigen Pädagogen aus Kesternich die Begleitung und Beratung der Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur wohl wichtigsten Entscheidung ihres Lebens, nämlich der Berufswahl.

Thema schon in Klasse sieben

Das Themenfeld Berufsorientierung und Berufswahl setzt an der Sekundarschule bereits in der siebten Klasse an, wie Jacobs erläutert. „Die erste schulische Begegnung mit der Berufswelt haben unsere Schüler bereits in der 7. Klasse beim ,Boys-&-Girls-Day‘, wo sie bewusst in einen Beruf hineinschnuppern sollen, der häufiger vom anderen Geschlecht gewählt wird. Und ebenfalls im siebten Schuljahr haben wir den sogenannten Berufs-Schnuppertag, an dem die Schüler einen Tag mit einem Elternteil oder Verwandten zur Arbeit fahren und sich deren Beruf einmal ansehen sollen“, zählt Lars Jacobs auf.

Mit der Klasse acht startet dann die Berufsorientierung als Schulfach mit einer Wochenstunde. Hier wird unter anderem die verpflichtende Potenzialanalyse vorbereitet, eine eintägige Überprüfung der motorischen Fähigkeiten, des Sozialverhaltens und des allgemeinen Leistungsstandes. In Einzel- und Gruppenarbeit wird hier durch ein Tochterunternehmen der Handwerkskammer („QualiTec“) getestet, wo jeder seine persönlichen Stärken hat, die er oder sie dann bei der Berufswahl zum Einsatz bringen könnte, wie Jacobs erklärt. Das Ergebnis der Analyse wird eine Woche später im persönlichen Gespräch den Jugendlichen mitgeteilt und mit ihnen erörtert.

Im zweiten Halbjahr können die Achtklässler der Sekundarschule dann im Rahmen der sogenannten Berufsfelderkundung an drei aufeinanderfolgenden Tagen in drei von 16 Berufsfeldern hineinschnuppern. Die längeren Praktika stehen im ersten Halbjahr der neunten Klasse (drei Wochen) und im ersten Halbjahr der Klasse zehn (zwei Wochen) auf dem Programm.

Ergänzend können die Schüler in den Klassen neun und zehn dreitägige Praxiskurse in den Bildungseinrichtungen der Handwerkskammer (auch im BGZ Simmerath) absolvieren und werden dafür vom Unterricht freigestellt. Vorstellungsbesuche aller sieben Berufsschulen der Städteregion Aachen in der Sekundarschule runden das Angebot ab.

Bewerben will gelernt sein

Auch auf das Bewerbungsverfahren, das in etwa einem Jahr für die jetzigen Neuntklässler ernst wird, werden die Jugendlichen durch die Sekundarschule vorbereitet. Bereits in Klasse acht ist die schriftliche Bewerbung Thema im Deutschunterricht, in Klasse neun werden diese Kenntnisse aufgefrischt. „Und Ende der neunten oder Anfang der zehnten Klasse wird es simulierte Bewerbungsgespräche geben, bei denen die Schüler lernen, was bei der Vorstellung beim potenziellen Arbeitgeber wichtig ist“, erläutert Lars Jacobs.

Der Lehrer für Mathe, Sport, Informatik und Wirtschaftslehre steht den Schülern ab Klasse sieben darüber hinaus jederzeit für eine persönliche Beratung im eigens eingerichteten „BOB“ (Berufsorientierungsbüro) der Schule zur Verfügung, sei es für Fragen zum Thema Bewerbung oder Beruf, Praktikum oder Kontakt zu Unternehmen.

Das erste große Praktikum, so die allgemeine Rückmeldung, hat den meisten Sekundarschülern jedenfalls so viel Spaß gemacht, dass sie gerne noch ein paar Wochen anhängen würden. Luca beispielsweise fühlte sich nicht nur wohl in der Kita seines Wohnortes, sondern erhält auch äußerst positive Rückmeldungen zu seiner täglichen Arbeit. „Die Kinder lieben ihn einfach, und es wäre toll, wenn er diesen Beruf trotz einer langen, unbezahlten Ausbildungszeit ergreift“, sagt Kita-Leiterin Karla Engels. Denn kaum anderswo herrsche derzeit so großer Mangel an Fachkräften wie in den Kindergärten und an den Schulen.

Voll des Lobes ist auch Marita Claaßen bei der Firma Kaulard Augenoptik über ihre junge Kollegin: Celina ist hier schon voll eingebunden, arbeitet zackig und ist sehr zuverlässig“, lobt sie das 15-jährige Mädchen aus Rurberg. Die Sekundarschülerin würde am liebsten gleich ihre Lehre beginnen, muss aber noch eineinhalb Jahre zur Schule und hofft dann auf eine Lehrstelle bei Kaulard.

Auch einen Steinwurf weiter, bei der Bäckerei Sories in Simmerath, sind Meisterin Ramona Jansen aus Rollesbroich und Meister Franz-Josef Birkigt aus Roetgen voll des Lobes über Antonia. „Sie hat hier in den letzten Wochen sehr fleißig beim Herstellen der Weckmänner und Plätzchen-Stanzen helfen können“, erzählen die beiden.

„Sollen etwas mitnehmen“

Auch die Stadt Monschau unterstützt die hiesigen Schulen mit Praktikumsstellen. Wichtig sei, dass sich Mitarbeiter um die Schüler kümmern, „denn sie sollen ja auch etwas mitnehmen“, sagt Oliver Krings von der Stadtkasse. „Die beiden waren sehr aufgeschlossen und lernwillig – mehr als mancher Praktikant vom Gymnasium“, lobt Agnes Kirch vom Personalamt Yasmin Nießen und Nico Steffens, die durchaus mit der – recht lukrativen – Ausbildung im öffentlichen Dienst liebäugeln. Den ersten Schritt dazu haben sie getan.

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