Wie kann die ältere Generation unterstützt werden?

Von: Heiner Schepp
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Der zuständige Roetgener Ausschuss möchte etwas für die Senioren mit ihren besonderen Bedürfnissen tun und prüft, ein Projekt ähnlich wie in Merkstein umzusetzen. Foto: imago/blickwinkel

Roetgen. „Quartier“ oder „Quartiers-Projekt“ – diese Begriffe stehen für ein Leben und Wohnen von Seniorinnen und Senioren in unserer Gesellschaft, das deren besonderen Bedürfnissen angepasst ist. Immer häufiger greifen wissenschaftliche Untersuchungen diese Begriffe als Begleitung der demografischen Entwicklung auf.

Im Mittelpunkt steht der ältere Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen, der sein Leben, auch im Alter, selbst bestimmen und nicht ab einem bestimmten Alter in ein Heim „abgeschoben“ werden möchte.

Auf Antrag von Franz-Josef Zwingmann (FDP) befasste sich nun auch der Roetgener Bildungs-, Generationen-, Sozial- und Sportausschuss mit dem Thema. Ursula Kullmann-Kreutz vom Quartiers-Projekt „Mitten in Merkstein“ berichtete dabei über ihre Arbeit im Stadtteil von Herzogenrath, der sich durch eine hohe Bevölkerungsdichte und einen relativ hohen Anteil älterer Menschen auszeichnet.

Deutschlands Bevölkerung schrumpft und wird immer älter – diese nicht überraschende Entwicklung hat die Bertelsmann-Stiftung aktuell mit neuen Zahlen unterfüttert. Demnach werde die Bundesrepublik im Jahr 2030 trotz Zuwanderung rund eine halbe Million Einwohner weniger haben – von denen dann über die Hälfte älter als 48 Jahre alt wäre. Und die Zahl der über 80-Jährigen steige bundesweit in den kommenden 15 Jahren um fast 50 Prozent auf über 6,3 Millionen. Ihre Prognosen koppeln die Forscher unter anderem an die Feststellung, dass Kommunen sich verstärkt auf einen erhöhten Pflegebedarf ihrer Bürger einstellen müssen.

Initiativen wie das 2015 an den Start gegangene Awo-Quartiers-projekt „Mitten in Merkstein“ zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation älterer Menschen gewinnen vor diesem Hintergrund in wachsendem Maße an Bedeutung. Quasi als Streetworkerin für Senioren ist hier Ursula Kreutz-Kullmann unterwegs. Sie will wissen, wo Anwohner der Schuh drückt, möchte Belange und Bedarfe offenbaren, damit ältere Menschen selbstständig in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben können.

Ein dichtes Netzwerk möchte sie knüpfen, das unter anderem Nachbarn wieder zusammenbringt. Denn die steigende Anonymität – die eigenen Kinder sind aus dem Haus, ins Umfeld sind neue Familien eingezogen – macht älteren Menschen auch in angestammten Siedlungen zu schaffen. Wer kümmert sich um Haus und Garten, wenn man ins Krankenhaus muss? Wer hilft, wenn man erkrankt ist? Oder auch nur: Wer hat Zeit für einen Plausch zwischendurch?

Um den nötigen Überblick zu gewinnen, bedarf es zunächst einer beträchtlichen Portion Neugier, die Ursula Kreutz-Kullmann an den Tag legen muss. Um Kontakte zu knüpfen, unternimmt die studierte Sozialpädagogin auch schon mal eine Kneipentour – im besten Sinne. Wertvolle Kontakte sind auch Kioskbesitzer, Taxi- und Busfahrer, Friseure oder Einzelhändler. Menschen, bei denen Dinge des täglichen Bedarfs erledigt werden.

Mit ihrem Projekt im Fachbereich Pflege und Betreuung der Awo angesiedelt, hat Quartiersfrau Kreutz-Kullmann enge Kontakte zum ambulanten Pflegedienst an der Anne-Frank-Straße. Auch offene Beratungsstunden bietet die 51-Jährige an.

„Grundsätzlich nachahmenswert“

„Mitten in Merkstein“, das Projekt des Awo-Kreisverbands Aachen-Land, wird umgesetzt in Kooperation mit der Stadt Herzogenrath und in Kooperation mit verschiedenen Akteuren und Trägern aus Merkstein, Herzogenrath und der Städteregion. Fördergeber ist die Stiftung DHW (Deutsches Hilfswerk) mit Mitteln aus dem Reinerlös der Deutschen Fernsehlotterie.

DHW stellt für drei Jahre insgesamt 132 254 Euro für Personal- und Sachkosten zur Verfügung. 20 Prozent der Gesamtkosten, 33.063 Euro, müssen vom Träger als Eigenanteil erbracht werden, Spenden sind willkommen.

Verwaltung prüft

Aufmerksam verfolgte man im Roetgener Ausschuss die Ausführungen von Ursula Kullmann-Kreutz und bewertete das Projekt grundsätzlich als „nachahmenswert“. Uneinigkeit herrschte aber in der Frage, ob das Projekt aufgrund der unterschiedlichen Ortsstrukturen des mehr ländlichen Roetgen und des eher städtischen Merkstein ohne weiteres zu übertragen sei. Auch eine Finanzierung und Förderung sei sicherlich schwerer umzusetzen als beim Modellprojekt in Merkstein, hieß es im Ausschuss.

Antragsteller Franz-Josef Zwingmann sprach sich dafür aus, Resthaushaltsmittel dafür zu verwenden, entsprechende Untersuchungen zu finanzieren und eventuell Fördermittel zu akquirieren. Denn, so betonte Zwingmann: „Auch Roetgen braucht ein Konzept, wie es in Zukunft mit der älteren Generation in der Gemeinde verfährt, und darf sich nicht alleine auf die Einrichtung sogenannter Generationensport- oder -spielplätze verlassen.“

Die Verwaltung wurde auf Antrag der FDP beauftragt, die Möglichkeiten zur Umsetzung des Quartier-Projektes in der Gemeinde Roetgen hinsichtlich Durchführbarkeit und Förderung zu prüfen und dem Ausschuss entsprechend zu berichten.

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