Wie Kabarettist Hammerschmidt und Folkmusiker Kaiser zueinander finden

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Das Duo „Ne Biebes unn ne Oaß“, Jupp Hammerschmidt (li.) trifft Georg Kaiser, ist am 27. Mai in der Vereinshalle Kalterherberg gemeinsam auf der Bühne. Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. Der eine ist durch sein treffsicheres Eifelkabarett bekannt, der andere ist ein Stimmungsgarant mit seinen Irisk Folk-Songs. Die Rede ist von Jupp Hammerschmidt, der aus Höfen stammt, und von Georg Kaiser, einem geborenen Kalterherberger.

Diese Biografie, dass die beiden Künstler aus zwei Eifeldörfern stammen, die von ihrer Historie her ein sehr spezielles Verhältnis miteinander pflegen, macht eine gedeihliche Zusammenarbeit praktisch unmöglich, erst recht wenn es um Kultur geht.

Hammerschmidt (70) und Kaiser (55), die inzwischen über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen, haben die Hitze ihrer Jugend beruhigen können und es geschafft, schier unüberbrückbare Hindernisse aus dem Weg zu räumen: Nach einem geglückten gemeinsamen Start außerhalb ihres Dunstkreises in der Galerie Eifelkunst in Gemünd haben sie nun als Duo auf der Bühne zueinander gefunden, und mit dem Programm „Ne Biebes unn ne Oaß“ – Eifelkabarett meets Irish Folk – Jupp Hammerschmidt trifft Georg Kaiser nicht nur einen Beitrag zu Integration und Völkerverständigung geleistet, sondern auch mit Musik und Humor eine bunte Mischung gefunden.

Wenn der Biebes einen Oaß trifft, dann trifft ein Schmetterling einen Ochsen. Man könnte auch sagen: Ein Höfener trifft einen Kalterherberger. Und wenn ein Biebes einen Oaß trifft, dann liegt allein schon aus genetischen Gründen knisternde Spannung in der Luft.

Und wenn der Biebes Jupp Hammerschmidt dann auch noch Geschichten, Gedichte und Anekdoten aus der schönen guten alten Eifel präsentiert – und der Oaß Georg Kaiser dazwischen immer wieder zur Gitarre greift und die Stimme erhebt, um seine Irish-Folk-Songs zum Klingen und Schwingen zu bringen, dann darf sich der Besucher auf eine nicht alltägliche Begegnung gefasst machen, denn Höfener und Kalterherberger verbindet eine traditionell gewachsene Hassliebe.

Ob Eifel-Kabarett und Irish-Folk zusammen passen, können die Gäste selbst feststellen, wenn Hammerschmidt und Kaiser am Samstag, 27. Mai, um 20 Uhr im Bühnenzimmer der Vereinshalle Kalterherberg die Nordeifel-Premiere ihres gemeinsamen Programms aufführen werden.

Die Rivalität zwischen den beiden Orten spielt selbstverständliche eine Rolle im Programm, „weil die Leute das erwarten“, sagen Hammerschmidt und Kaiser. Jupp Hammerschmidt übernimmt den Text-Part, Georg Kaiser ist für das musikalische Gelingen zuständig. Gemeinsam wollen sie auch ein Eifellied singen und auch Eifeler Anekdoten musikalisch verpacken.

Weil das Projekt so außergewöhnlich und fast unglaublich ist und noch vor einigen Jahrzehnten als undurchführbar gegolten hätte, sprach unserer RedakteurPeter Stollenwerk mit den beiden Künstlern Jupp Hammerschmidt und Georg Kaiser über Toleranz im Dorf, alte Hüte und Vorurteile:

Gibt das eigentlich keinen Streit, wenn ein Höfener und ein Kalterherberger gemeinsam auf der Bühne stehen?

Jupp Hammerschmidt: Vor 50 Jahren wäre das nicht möglich gewesen. Georg Kaiser: Normalweise geht das überhaupt nicht.

Woher kommt eigentlich die Rivalität zwischen den beiden Orten?

Hammerschmidt: Das liegt daran, dass in Kalterherberg damals die Fußkranken bei der Völkerwanderung liegengeblieben sind, sagte jedenfalls mein Vater immer. Georg Kaiser: Alles, was aus dem Osten kommt, taugt nichts, sagte mir ein alter Nachbar immer.

Was kann der Höfener am Kalterherberger überhaupt nicht leiden?

Hammerschmidt: Das fängt schon damit an, dass die Kalterherberger eine Kirche mit zwei Türmen haben müssen. Der Höfener kann am Kalterherberger außerdem nicht leiden, wenn der sagt: „Do kött hött mot hemm jefarre.“

Was kann der Kalterherberger am Höfener überhaupt nicht leiden?

Georg Kaiser: In Kalterherberg nennt man die Höfener nicht ohne Grund Finester.

In Zeiten der Globalisierung dürften die gegenseitigen Sticheleien doch eigentlich zu den Akten gelegt werden, oder gibt es unüberwindbare Hindernisse?

Hammerschmidt: Das liegt alles nur an den Genen. Georg Kaiser: Im Alltag gibt es eigentlich keine unüberwindbaren Hindernisse mehr, aber unter Alkoholeinfluss kann die Rivalität jederzeit wieder ausbrechen.

Erkennt man den Kalterherberger eigentlich an seinem Äußeren?

Hammerschmidt: Der Kalterherberger sieht nicht aus wie ein normaler Mensch, im Gegensatz zum Höfener.

Erkennt man den Höfener eigentlich an seinem Äußeren?

Georg Kaiser: Die Grenze zwischen Wahnsinn und Intelligenz liegt bekanntlich an der Höfener Mühle. Hammerschmidt: Das kommt aber darauf an, von wo man schaut.

Bitte einen kurzen Kalterherberger Witz erzählen:

Hammerschmidt: Warum sieht man oft Kalterherberger auf dem Kneipendach sitzen? Der Wirt hat gesagt, die nächste Runde geht auf‘s Haus.

Bitte einen kurzen Höfener Witz erzählen:

Georg Kaiser: Was ist der Unterschied zwischen einem Höfener und einem Knüppel Holz? - Holz arbeitet.

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