Wie groß darf ein Hotel in Roetgen sein?

Von: P. St.
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Am Postweg wird sich das Gesicht Roetgens verändern. Der Betreiber der Roetgen-Therme (re.) möchte auf der gegenüberliegenden Straßenseite unter Einbeziehung des linken Gebäudes und der Grünfläche ein 75-Betten-Hotel errichten. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Die Absicht eines Investors, der seinen gastronomischen Betrieb, die Roetgen-Therme, am Roetgener Postweg um ein Hotel mit 75 Betten erweitern möchte, wird prinzipiell von allen Fraktionen des Roetgener Gemeinderates unterstützt, aber über die bauliche Ausführung des großen Bauprojektes im Dreieck zwischen Postweg und Bundesstraße gehen die Meinung noch weit auseinander.

Die jüngst erfolgte Bebauung von Grundstücken in der Rosental-straße mit stattlichen Baukörpern sowie der gleichzeitige Verlust alter Bausubstanz im Ort haben die Kommunalpolitiker für die künftige Ortsbildgestaltung sensibilisiert.

Bei der Beratung über die Aufstellung des Bebauungsplans Postweg in der Ratssitzung am Dienstagabend war daher auch im ersten Schritt noch keine Einigkeit darüber zu erzielen, welche Hotelgröße das Roetgener Ortsbild an diesem markanten Punkt vertragen kann. Dennoch wurde die Aufstellung des Bebauungsplans einschließlich der Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen einer öffentlichen Auslegung der Unterlagen bei 17 Ja- und 13 Nein-Stimmen beschlossen.

Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) aber versicherte den Bedenkenträgern in den Reihen der Grünen und der UWG, dass im Zuge des Verfahren die Einwände diskutiert würden und er durchaus die Chance auf einen Kompromiss sehe. Klauss: „Es ist absehbar, dass der Bebauungsplan nach Abschluss des Verfahrens anders aussehen wird.“

Was dem Projekt überdies im Moment Fahrt verleiht, ist die Tatsache, dass sich der Investor und ein gegen den Bebauungsplan Klage führender Nachbar in einigen strittigen Punkten auf dem Weg der Einigung befinden. „Es hat eine Reihe von Gesprächen gegeben“, berichtete Jorma Klauss dem Rat.

Gudrun Meßing (Grüne) hatte zu Beginn der Diskussion zwar grundsätzliche Zustimmung für das Projekt signalisiert, aber auch klare Vorstellungen darüber geäußert, wie es gelingen könnte, den Hotelneubau auf der gegenüberliegende Seite der Therme optisch angemessen in das Ortsbild einzugliedern. Das Baufenster lasse derzeit eine Frontlänge des 13,50 Meter hohen Gebäudes von 80 Metern entlang der Bundesstraße zu; diese solle auf 63 Meter begrenzt werden. Die langgezogene Fassade solle zudem aufgelockert werden und eine Begrünung erfolgen. Unterstützt wurden diese Anregungen von Silvia Bourceau (UWG): „Sie sprechen mir aus der Seele.“

Sowohl Michael Seidel (CDU) wie auch Klaus Onasch (SPD) betonten, dass man sich erst ganz am Anfang des Verfahrens befinde und die Einwände der Grünen zu gegebener Zeit diskutiert würden. Darauf aber wollten sich die Grünen nicht einlassen. Gerd Pagnia: „Später entscheidet dann die Städteregion über den Bauantrag, den wir gar nicht mehr zu Gesicht bekommen.“ Dem konnte auch Patrick Jansen (UWG) nur beipflichten: „Ich möchte den Einfluss auf die Ortsgestaltung bewahren. Es wäre jammerschade, wenn am Ortseingang ein solches Schiff entsteht.“

Michael Seidel warnte davor, schon im Vorfeld eine Maßnahme zu zerreden. „Das würde in den Nachbarkommunen ganz anders laufen.“ Es sei zudem nicht zu befürchten, dass der Investor ein Interesse daran habe, ein hässliches Hotelgebäude zu errichten. Ferner stelle sich auch die Frage, „ob die Gemeinde Roetgen sich weiter entwickeln will“.

Gegen eine Weiterentwicklung des Ortes aber wollten die Grünen ihre Bedenken nicht verstanden wissen: Bernhard Müller: „Eine gewisse Begrenzung lässt dem Investor noch ausreichend Möglichkeiten, sein Vorhaben umzusetzen.“

Eine „völlig neue Situation“ gegenüber dem ursprünglichen Bebauungsplan Postweg erkannte hingegen Günther Severain (parteilos). Jetzt sei beispielsweise eine geschlossene Bauweise möglich, weshalb er die Ausweisung eines projektbezogenen Bebauungsplans empfehle.

Nach langer Diskussion wurde dann wie eingangs beschrieben beschlossen. Der Bebauungsplan Postweg wird nach Eingang der Bedenken und Anregungen während der Offenlage noch mehrfach Thema im Fachausschuss sein. Wenn es für den Investor gut läuft, dann könnte der Rat Mitte des Jahres 2016 den Plan als Satzung beschließen.

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