Monschau/Mützenich - Wie eine Theateraufführung zum Desaster gerät

Wie eine Theateraufführung zum Desaster gerät

Von: Max Stollenwerk
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Auch kleinere Missgeschicke gehörten zur Handlung. Doch mit vereinten Kräften und seelischem Beistand des Pfarrers ging am Ende alles glimpflich aus. Foto: Max Stollenwerk

Monschau/Mützenich. Die Aula des Monschauer St.-Michael-Gymnasiums war prall gefüllt wie sonst nur bei der Abi-Zeugnisübergabe – und das inmitten der Weihnachtsferien.

Nein, die Schüler hatten nichts verpasst, denn der Grund war ein anderer: Der Theaterverein „Wortspiel“ Concordia Mützenich präsentierte am zweiten Weihnachtstag die Premiere des Dreiakters „Dieses Mal was mit Niveau“ von Andreas Heck. Offensichtlich eine durchaus gute Alternative zu den etlichen Weihnachtsklassikern, die parallel im TV liefen, wie die knapp 200 Zuschauer, die in die beinahe ausverkaufte Aula geströmt waren, bewiesen. Kurz vor Beginn füllten sich die Reihen zunehmend, der Lärmpegel stieg und eine deutliche Vorfreude war zu spüren.

„Es ist nicht wie sonst eine ländliche Komödie, sondern, wie der Titel verrät, etwas mit Niveau“, verriet Regisseurin Brigitte Palm kurz vor der Premieren-Vorstellung. „Es ist ein englisches Stück, mit dem die Männer zunächst etwas unglücklich sind. Ein Bankräuber versteckt sich auf der Probebühne und wird dann für den neuen Regisseur gehalten, der eigens für das Stück verpflichtet wurde“, gab sie kurz vor Beginn bereits einen kleinen Ausblick, was die Zuschauer erwartet.

Zu Beginn des Stückes ertönte dann eine Durchsage der Polizei über Lautsprecher, die darüber informierte, dass die Sparkasse in Mützenich ausgeraubt worden sei. Besagter Bankräuber versteckt sich dann über Nacht und springt kurzerhand als Regisseur ein und versucht, die Gruppe der Laiendarsteller recht unbeholfen unter Kontrolle zu bekommen. Zwei der Hauptakteure sind Michael Sommer (als Heinz sowie als Pater Brown) und Ralf Steffens (als Gerhard sowie als Butler James).

Sie gehen zunächst davon aus, dass ein ähnliches Stück gespielt wird wie in den Jahren zuvor und sind dabei, das Bühnenbild vorzubereiten. Das Bühnenbild wird übrigens während des gesamten Stückes bewusst nie fertiggestellt. Später erfahren sie jedoch von Spielleiterin Beate (Hermine Schmitz), dass in diesem Jahr „mal etwas mit Niveau gespielt“ werde, um den schauspielerischen Ansprüchen der Akteure entgegen zu kommen. Außerdem wurde angeblich ein Profi-Regisseur über das Internet verpflichtet, um die ehrgeizigen Vorgaben des Theatervereins zu erfüllen.

Drei Monate lang geprobt

Nach dem ersten Akt gibt es leichte Unstimmigkeiten über die Auswahl des Stückes, das jedoch letztendlich widerwillig angenommen wird. Anschließend läuft kaum etwas wie geplant, so dass die Proben für das Stück „Pater Brown und das Geheimnis der alten Gräfin“ immer mehr zum Desaster geraten und im Chaos münden. Die Ungeduld steigt und zu allem Überfluss gibt es auch noch Artikulierungsprobleme bei der englischen Sprache. Amüsante Passagen wie: „Sie sieht nicht so gut? Nicht gut sehen ist die Untertreibung der Woche. Neulich hat sie sich beim Kriegerdenkmal entschuldigt, als sie dagegen gelaufen ist“ oder kleine Zwischenfälle sorgen immer wieder für spontane Lacher und Applaus.

Bis es zur ersten Aufführung kam, war einiges an Vorbereitungen vonnöten. „Wir haben drei Monate lang jeweils zweimal pro Woche geprobt“, erklärte Brigitte Palm. Zudem habe man einmal einen ganzen Tag geprobt und das Stück insgesamt drei- bis viermal komplett durchgespielt. Denn schließlich dauere das Stück circa 120 Minuten und jeder habe einiges an Text zu lernen.

Vor den Proben habe man bei verschiedenen Theaterverlagen Ausschau gehalten und geguckt, welches Stück passen könnte. „Als Ergebnis gibt es diesmal ein anderes Bühnenbild als das gewohnte mit Küche, Wohnzimmer und Dreiecksbeziehungen“, so Palm schmunzelnd vor der Premiere. „Ich hoffe natürlich, dass das Stück, das etwas aus dem Rahmen fällt und anders ist als sonst, den Leuten Freude bereitet und auch zu den folgenden drei Vorstellungen viele Leute kommen“, sagte die Spielleiterin, die seit über 40 Jahren im Theaterverein aktiv ist.

Neben Hermine Schmitz, Ralf Steffens und Michael Sommer überzeugten Leo Hübner (als Kurt), Petra Jollet (als Trudel), Annemie Stollenwerk (als Rosi), Frederike Dörr (als Lisa) und Eva Meyer (als Karina) in den weiteren Rollen. Für die Bühnentechnik zeichnete Hagen Kaspar verantwortlich, für den Bühnenbau Wolfgang Schmitz. Nach gut zwei Stunden Spielzeit, inklusive einer kurzen Pause, war Regisseurin Brigitte Palm die Erleichterung doch ein wenig anzumerken.

„Die Premiere hat immer ihren eigenen Charakter, aber alles ist gut gelaufen und die Darsteller haben immer die Kurve bekommen“, sagte die Regisseurin schmunzelnd. „Jetzt können wir frohen Mutes in die drei noch ausstehenden Vorstellungen gehen und hoffen wieder auf viele Zuschauer.“ Im Frühjahr beginnen dann bereits erste Planungen für das Stück im nächsten Jahr, erklärte sie und äußerte noch einen Wunsch: „Schön wäre es, wenn sich unserem Verein noch ein paar Männer anschließen, denn es herrscht schon eine gewisse Männerknappheit.“

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