Vossenack - Wichtiger Bestandteil der Eifeler Bildungslandschaft

Wichtiger Bestandteil der Eifeler Bildungslandschaft

Von: Heiner Schepp
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Auf den großen Freiflächen des Franziskus-Gymnasiums tummeln sich in den Unterrichtspausen bis zu 600 Mädchen und Jungen, die hier das Abitur anstreben. Die meisten Schüler, gut 280, kommen aus der Gemeinde Simmerath täglich hierher, 240 wohnen in der Gemeinde Hürtgenwald, fast 80 Kinder und Jugendliche aus Schmidt besuchen die Einrichtung. Foto: Heiner Schepp
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Die Klassenräume der Naturwissenschaften am FGV wurden in den vergangenen fünf Jahren komplett erneuert. Foto: Heiner Schepp
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„Wir werden auch in Zukunft die Eingangsklassen immer noch so voll bekommen, wie wir sie brauchen“, ist Schulleiter Pater Peter Schorr nicht bange um die Zukunft des Vossenacker Gymnasiums. Foto: Heiner Schepp
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Klosterkirche und Kloster der Franziskaner in Vossenack. Foto: Heiner Schepp

Vossenack. Seit einigen Tagen herrscht wieder pulsierendes Leben am Franziskusweg. Gut sechs Wochen lang war es recht still auf dem beschaulichen Stückchen Erde am Waldrand zwischen Kalltal und Raffelsbrand, doch mit Beginn des neuen Schuljahres liegen am Vor- und Nachmittag wieder fröhliche Kinderstimmen über dem Gelände.

605 Schüler – 336 Mädchen und 269 Jungen – strömen nun wieder täglich zum Privaten Franziskus-Gymnasium in Vossenack, das seit nunmehr 47 Jahren hier am südlichen Rand der Gemeinde Hürtgenwald als wichtiger Bestandteil der Eifeler Bildungslandschaft junge Menschen auf das Leben vorbereitet.

Als 1967 die Franziskaner aus dem niederländischen Exaten nach Vossenack in den Hürtgenwald übersiedelten, ahnte niemand, was aus dieser neuen Gründung werden sollte. Auf der umkämpften Höhe 470 Meter über dem Meeresspiegel, neben der Stätte des Todes, dem Soldatenfriedhof, sollte eine Stätte des Friedens, das Gymnasium mit Internat und Kloster der Franziskaner errichtet werden. Junge Menschen sollten „im Hürtgenwald heranwachsen und aus den furchtbaren Kriegserfahrungen lernen, nach dem Beispiel und Vorbild des Heiligen Franziskus, Boten und Werkzeuge des Friedens zu werden“, so damals die Absicht des Ordens.

Für den Internatsschulstandort Vossenack entschied man sich, weil zu der damaligen Zeit die Nordeifel in diesem Bereich einen großen weißen Fleck auf der schulischen Landkarte bildete. Das ländliche Gebiet zählte zu den stark benachteiligten. Viele Schüler hätten ein Gymnasium in Düren, Aachen, Monschau oder Schleiden nur unter sehr erschwerten Bedingungen besuchen können. Im Laufe der Zeit sind jedoch flächendeckend in fast allen Gemeinden allgemeinbildende Schulen enstanden, die heute mit modernen Verkehrsmitteln gut zu erreichen sind.

Spätestens in den 90er-Jahren war dadurch eine Internatsschule als Institution für eine höhere Schulbildung nicht mehr relevant. Das Internat änderte sich in seiner pädagogischen Funktion; die bis dahin enge Einheit von Internat und Schule wurde getrennt. Und so öffneten sich die Schule für externe Schüler und das Internat für andere Schularten. Die aktuell 25 Jungen des Internats besuchen heute die Haupt- und Realschule im Nachbarort Kleinhau.

Die 605 Schülerinnen und Schüler, die aktuell die Schule besuchen, strömen heute allmorgendlich aus allen Himmelrichtungen am Franziskusweg zusammen. „Die Räumlichkeiten der Schule sind damit voll ausgelastet“, erzählt Pater Peter Schorr, der Direktor des FGV. 1967 nahm das Vossenacker Gymnasium seine Arbeit auf, damals als einzügige Jungenschule für 350 Schüler. Die gute pädagogische Arbeit hier sprach sich rasch herum, und so wuchsen Schüler- und Lehrerbestand in den 70-er-Jahren.

Ein gravierender Einschnitt folgte dann 1978, als die Schule auf Koedukation umstellte und in den Eingansklassen wie auch in der Jahrgangsstufe 11, der damals untersten von drei Oberstufenklassen, Mädchen aufnahm. „Die Aufnahme von Schülerinnen hat das Niveau der Schule erheblich angehoben“, blickt Pater Peter zurück und bezeichnet die damalige Grundsatzentscheidung des Trägers als richtig.

Gleichwohl stieß die noch junge Schule damit an die Grenzen ihrer Kapazität, denn eine Schulerweiterung in größerem Umfang war nicht möglich. Die Schule musste trotz einer enormen Nachfrage zunächst zweizügig bleiben, weil schlicht der Platz fehlte. Erst in den letzten Jahren wurde ab und an eine dritte Eingangsklasse gebildet, „wenn Platz da war“, so Pater Peter. Zum laufenden Schuljahr war das nicht möglich: „57 Schüler haben Ende des letzten Schuljahrs das FGV verlassen, neu hinzugekommen sind 67 Neuanmeldungen und etwa zehn Schülerinnen und Schüler in der EF (Anm. d. Red.: Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe). Damit ist die Schule voll“, rechnet der Direktor vor. Wenngleich die Zeiten vorbei sind, als Eltern im Wohnwagen auf dem Schulparkplatz übernachteten, um für den Sprössling bei der Anmeldung zum Zuge zu kommen, sieht Pater Peter Schorr kaum eine Gefahr für seine Schule: „Natürlich wird der allgemeine Geburtenrückgang auch an uns nicht spurlos vorübergehen. Aber wir werden auch in Zukunft die Eingangsklassen immer noch so voll bekommen, wie wir sie brauchen“, sagt der Schulleiter selbstbewusst und gewinnt der sinkenden Nachfrage sogar etwas Positives ab: „Ich bin immer froh, niemandem absagen zu müssen.“

Bei einer Eingangsstufe mit 65 bis 70 Kindern und gewohntem Zuwachs zur Oberstufe geht der Direktor von jährlich rund 60 jungen Menschen aus, die am FGV ihre allgemeine Hochschulreife erwerben. „Das ist ein schöner Stamm, mit dem man gut arbeiten kann“, findet Pater Peter und ist ein wenig stolz auf die guten Leistungen, die hier erbracht werden. Ein Drittel der Abiturientia 2014 ging mit einem Einser-Schnitt, im Jahr davor hatte sogar fast die Hälfte eine „Eins“ vor dem Komma. Der Schulleiter schreibt dies neben der familiären Atmosphäre am Franziskus-Gymnasium vor allem der guten Arbeit seines 50-köpfigen Lehrerkollegiums zu.

Die Veränderungen in der Nordeifeler Schullandschaft hat der Franziskanerpater bislang am FGV nicht spüren können; die Neugründung der Sekundarschule, die ja nur wenige Kilometer entfernt einen Standort in Kleinhau unterhält, habe bislang noch keine Auswirkungen auf Anmeldung und Schülerschaft des Gymnasiums. Man sei als Kooperationspartner dieser neuen Schulform aber darauf vorbereitet, 2018 die ersten Absolventen der Sekundarschule in die gymnasiale Oberstufe zu übernehmen, wenn diese die notwendige Qualifikation mitbringen.

Pater Peter Schorr sieht das Vossenacker Gymnasium auch 47 Jahre nach der Gründung als wichtigen Bestandteil des Bildungsangebots in der Nordeifel an, auch oder gerade weil das FGV eine private Einrichtung ist: „Das Nebeneinander von staatlichen und privaten Schulen ist ja vom Gesetzgeber ausdrücklich gewollt, um die Schullandschaft zu beleben“, umreißt der Oberstudiendirektor den Auftrag seiner Schule, deren Haushalt zu 94 Prozent vom Land getragen wird. Die verbleibenden 240.000 Euro Jahresbedarf teilen sich die Gemeinde Simmerath, die 2016 wieder über den freiwilligen Zuschuss entscheiden muss, die Gemeinde Hürtgenwald, der Kreis Düren und das Bistum Aachen.

Nicht beteiligt werden an den Kosten die Eltern, wie das an manchen Privatschulen der Fall ist. „Ein Schulgeld ist auch nicht erlaubt“, verweist Pater Peter auf gesetzliche Bestimmungen.

2017 wird das Franziskus-Gymnasium Vossenack seinen 50. Geburtstag gebührend feiern – zunächst aber wird am 28. September, so wie jedes Jahr, der Namenspatron der Schule gefeiert. Beim 35. Franziskusfest sind alle Schüler und ihre Familien, Freunde, Ehemaligen und sonstigen Interessierten von 10 bis 17 Uhr herzlich auf das Schulgelände eingeladen, sich selbst ein Bild von der Schule zu machen.

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