Wetterexperte: „Vorhersagen sind meist auch Gefühlssache”

Von: Ernst Schneiders
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Wie wird das Wetter in der Eifel in diesem Winter? Vieles ist Spekulation, aber schöne Wolkenbilder gibt zu jeder Jahreszeit. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Mit weißen Weihnachten wird das in diesem Jahr vermutlich nichts werden. „Das wird schwierig. Die Großwetterlage ist nicht entsprechend, und die verändert sich nicht von heute auf morgen”, weiß Balduin Degen aus Vossenack.

Auf Schnee wird die Region noch etwas warten müssen, prognostiziert der Hobby-Wetterfrosch. Denn ständig wechselnde Windrichtungen verhindern eine stabile Wetterlage.

Im vergangenen Jahr, erinnert sich der „gelernte Landwirt”, war die Situation viel klarer - und viel extremer, wie sich am Ende eines kalten und schneereichen Winters herausstellen sollte. Im vergangenen Jahr lag nicht nur die Eifel fast permanent in einer Nordostströmung. Kalte Luft aus arktischen Gefilden und aus Sibirien bescherte hierzulande richtig knackige Minusgrade.

Nass-kalter Winter

Auch für den kommenden Winter gibt es bereits Prognosen in diese Richtung, doch der 84-Jährige hält dagegen: „Ich bin da ganz anderer Meinung. Das wird unser Winter.” Dabei zeigt Balduin Degen durch das Fenster nach draußen auf einen neblig-trüben, nassen und ungemütlichen Novembertag.

Abgesehen von extremen Wetterlagen, die es „immer wieder einmal geben kann”, wie der so genannte Sahara-Sommer 2003 mit seiner Gluthitze oder der vorige Winter, müsse man sich in unseren Breiten damit anfreunden, dass sich Sommer und Winter immer mehr angleichen. Das heißt, die Sommer werden weniger heiß, aber verregnet, die Winter weniger frostig, nass-kalt. Das sei nicht zuletzt eine Folge der globalen Erwärmung.

Wenn Maulwürfe buddeln

Auf hochsensible und teure Messinstrumente greift Balduin Degen für seine Prognosen nicht zurück. Vieles hat ihn sein Vater, auch ein Landwirt, gelehrt, spätestens, als die elfköpfige Familie im Jahr 1935 nach Schlesien übersiedelte. Dort war trockenes Kontinentalklima vorherrschend, erinnert er sich, im Westen Deutschlands sei zumeist mildes und bisweilen windiges Seeklima angesagt.

Für seine persönlichen Prognosen verfolgt Degen, was die Medien zum den Themen Wetter und Klimawandel zu bieten haben und betrachtet sehr genau die Natur in seinem Umfeld. Wann es Frühling wird, sieht man daran, dass die Knospen der Bäume und Sträucher „richtig fett” sind, und kalt wird es dann, wenn der gepflegte Rasen mit Maulwurfshügeln übersät ist.

Bei milder Witterung halten sich nämlich die Regenwürmer noch kurz unter der Grasnarbe auf und sind leicht Beute für die Maulwürfe, bei nahender Kälte ziehen sich die Würmer in tiefere Regionen des Erdreichs zurück und die Maulwürfe müssen richtig buddeln, um an ihr Mittagessen zu kommen. Degen: „Die Natur sendet immer eindeutige Signale aus. Man muss nur hinsehen.”

Mit seinen Prognosen versorgt er gerne Freude, Nachbarn und seine Ehefrau Agathe (81). Meistens geht es um Fragen, ob noch genügend Zeit bleibt, den Rasen vor dem nächsten Gewitterschauer zu mähen, oder ob man die Wäsche, auch in der jetzigen Jahreszeit, noch zum Trocknen nach draußen hängen kann. Agathe Degen: „In den allermeisten Fällen behält er Recht.”

Zu solchen Vorhersagen genügt Degen zumeist schon ein kurzer Blick auf die Wolkenformationen. Er bemüht weder den Hundertjährigen Kalender, noch irgendwelche Bauernregeln, noch das eine oder andere Zipperlein, „das einen mit 84 Jahren schon mal plagt”. Balduin Degen: „Ich verlasse mich völlig auf die Signale der Natur und auf meine Intuition.”
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