Werden Gräber in Roetgen unbezahlbar?

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
13575727.jpg
Der Friedhof an der katholischen Kirche in Roetgen wurde 2014 aufwendig höher gelegt und um einen Urnenschrank erweitert. Auch die Kosten dieser Maßnahmen holen die Gemeinde nun bei den Friedhofsgebühren ein. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Eine Kostensteigerung von 2000 Euro für ein Urnenwahlgrab, über 1000 Euro mehr für ein normales Reihengrab und eine glatte Verdoppelung der Gebühr für ein anonymes Urnenreihengrab: „Bei diesen Preisen wird sich bald niemand mehr in Roetgen begraben lassen“, meinte Silvia Bourceau (UWG) jetzt im Roetgener Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss, als es um die neuen Friedhofsgebühren ging.

Doch der Ausschuss versagte der Gebührenbedarfsrechnung seine Zustimmung, obwohl die Verwaltung diese in gleich drei Varianten vorgelegt hatte. Mit 7:4-Stimmenmehrheit vertagte der Ausschuss die Verabschiedung der Gebühren und beauftragte die Verwaltung, zu einem Arbeitskreis einzuladen, der sich die Stellschrauben der Gebührenberechnung dann nochmals zur Brust nehmen soll.

Gebühren als Super-GAU

„Mit diesen Gebührensätzen schaffen wir es noch ins Fernsehen“, unkte Gerd Pagnia (Grüne) und sprach von einem „Super-GAU für Ratsvertreter“. Denn schon im Rechnungsprüfungsausschuss Anfang November war deutlich geworden, dass die Verwaltung keinen großen Spielraum bei der Berechnung der Gebühren hat.

„Schön ist das nicht. Aber wir haben uns über den Städte- und Gemeindebund extern beraten lassen und auf dieser Grundlage die Berechnung durchgeführt. Die Kalkulation ist korrekt und wurde nach der Vorberatung um zwei Varianten erweitert“, erläuterte Bürgermeister Jorma Klauss.

So hatte die Verwaltung unter anderem in den Alternativberechnungen reduzierte Bauhofstunden bei der Abfallentsorgung (1800 statt 2000) und beim Friedhofswärter (460 Stunden Reduzierung) angesetzt oder hatte in der günstigsten Variante zusätzlich den sogenannten grünpolitischen Wert der Friedhöfe reduziert, der die Erholungsfunktion der (Grün-) Anlagen in die Gebühr mit einfließen lässt.

Gleichwohl waren nahezu alle Gebührensätze „exorbitant gestiegen, weil die Fallzahlen dazu führen“, wie Klaus Onasch (SPD) festgestellt hatte. Eine andere Berechnung werde daher auch nicht zu deutlich geringeren Sätzen führen, so der SPD-Sprecher. Und das werde sich auch nicht bessern, fürchtete Silvia Bourceau: „Bei diesen Preisen möchte bald niemand mehr in Roetgen begraben sein“, mutmaßte die UWG-Vertreterin, die an den Arbeitskreis Friedhöfe erinnerte. „Der Kreis sollte genau das verhindern, was jetzt eingetreten ist. Also frage ich mich: Was haben wir falsch gemacht?“

Auf diese Frage hatte auch Helmut Mulorz eine Antwort: „Im Arbeitskreis wurde viel über Begehrlichkeiten, Pflege und Ausstattung unserer Friedhöfe gesprochen, aber wenig über Geld“, sagte der Sozialdemokrat. Manfred Wagemann von der Verwaltung meinte vorsichtig: „Der Fehler war vielleicht, dass wir seinerzeit bei der Grabfelderweiterung, beim Kauf der Stelenwand und der Schaffung alternativer Bestattungsformen die Kostenseite nicht genügend betrachtet haben“, beantwortete er Silvia Bourceaus Frage.

Peter Schneider (CDU) erinnerte sich, „dass uns vor 20 Jahren gesagt wurde, wir würden durch den Bau der Altenheime im Ort mehr Friedhofskapazität benötigen. Dann stellte sich aber heraus, dass die Leute aus den Heimen lieber in Aachen, Stolberg oder sonstwo beerdigt werden möchten, jedenfalls nicht in Roetgen“, begründete Schneider die sinkenden Fallzahlen. 80 Prozent der Begräbnisse seien heute Urnenbestattungen, „und dann werden oft auch noch mehrere Urnen in ein Grab gelegt“, so der CDU-Vertreter.

Leichenhalle teurer als Hotel

Bernd Vogel (PRB) beschäftigte das Thema Friedhofskapellen, deren Nutzung zwar als einziger Posten nicht teurer werden soll, aber auf hohem Niveau verbleibt: „Die Leichenhallen sind ja teurer als ein Sterne-Hotel. Da ist es klar, dass keiner sie bucht. Und jeder nicht genutzte Tag bedeutet auch keine Einnahme“, sagte Vogel.

Eine kurze Diskussion gab es um die Frage, ob man die Friedhofskosten durch den Einsatz von 430-Euro-Kräften drosseln könne. „Denn markanterweise sind die Unternehmerpreise konstant, während bei den Arbeitskosten der Gemeinde eine eklatante Kosteigerung zu sehen ist, über 100 Prozent in den letzten fünf bis sechs Jahren“, rechnete Silvia Bourceau vor.

Den Einsatz von preiswerteren Arbeitskräften gegen diese Entwicklung lehnt Klaus Onasch jedoch ab: „Diese Arbeit sollte von vernünftig bezahlten Kräften gemacht werden. Und unsere Gesellschaft sollte imstande sein, den entsprechenden Preis für gute Arbeit zu zahlen“, sagte der Sozialdemokrat und fügte fast schon trotzig hinzu: „Wenn jemand deshalb nicht in seiner Heimatgemeinde beerdigt sein möchte, dann muss er oder sie das für sich entscheiden.“

Geteilter Meinung war man im Hauptausschuss auch über die Frage, ob der vor rund zwei Jahren bemängelte Pflegezustand der Friedhöfe sich gebessert habe. Während Silvia Bourceau den Zustand der Friedhöfe und Wege in manchen Jahreszeiten für „nicht akzeptabel“ hielt, sah Peter Schneider „eine erhebliche Verbesserung“ und fand „die Wege top in Ordnung“. Schneider appellierte vielmehr an die Nutzer der Friedhöfe: „Der Zustand mancher Gräber ist sehr traurig. Und daran kann auch die Gemeinde nichts machen“, meinte der CDU-Sprecher.

Trotz gut einstündiger Diskussion konnte man sich im Hauptausschuss nicht auf eine der Varianten einigen, sondern vertagte den Beschluss der neuen Gebühren, die eigentlich zum 1. Januar 2017 greifen sollen – in der Hoffnung, dass die Verwaltung doch noch Stellschrauben finden möge, die die Gebührenexplosion zumindest ein wenig drosseln. „Denn die Tatsache, dass uns hier drei Varianten vorgelegt wurden, zeigt doch, dass die Verwaltung schon gewissen Spielraum hat“, wie Gudrun Meßing festhielt.

Die Verwaltung wird nun versuchen, bis zur Ratssitzung am 13. Dezember eine weitere Variante auszuarbeiten. Parallel dazu soll aber auch ein alternativer Arbeitskreis gebildet werden, der sich der Roetgener Friedhofsproblematik annehmen wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert