Werden die Kampfhäuser von Wollseifen abgerissen?

Von: Michael Schwarz
Letzte Aktualisierung:
Die Kampfhäuser für Sarajewo
Die Kampfhäuser für Sarajewo in Wollseifen sind ein umstrittenes Thema im Kreisausschuss. Ein Antrag der großen Fraktionen sorgt für umfangreiche Diskussionen.

Wollseifen. Ein Antrag der großen Fraktionen, Befremden über die Wortwahl darin sowie die ergreifende Rede eines altgedienten Kreistagsmitglieds - das waren die Zutaten einer intensiven Diskussion im Kreisausschuss über die Kampfhäuser in der Wüstung Wollseifen.

Sollen diese Gebäude, die Nato-Truppen für Übungen im Kalten Krieg sowie für Einsätze auf dem Balkan genutzt haben, abgerissen werden? Dies hatte die Bundesforstverwaltung beantragt.

Eine Zustimmung des Kreistags scheint allerdings in weiter Ferne zu liegen. CDU und SPD fordern, nicht nur die Häuser zu erhalten, sondern auch unter Denkmalschutz zu stellen und bei Vogelsang-Rundgängen möglicherweise einzubeziehen: Die Häuser „bilden einen Bereich, in dem man die politischen und ideologischen Hintergründe dieser Epoche des 20. Jahrhunderts anschaulich darstellen kann”, heißt es im Antrag.

Und weiter: „Auch die Touristiker sehen die Kampfhäuser als eine vermarktbare Attraktion an” - ein Begriff, der wegen des Zusammenhangs mit dem Kalten Krieg bei den anderen Fraktionen Missfallen hervorrief.

Von „nicht nachvollziehbar” (UWV-Sprecher Franz Troschke und Grünen-Sprecher Jörg Grutke) bis hin zu „geschmacklos” (Linken-Chef Thomas Bell) reichte die Kritik an dieser Wortwahl, was SPD-Fraktionschef Uwe Schmitz nachdenklich stimmte: „Okay, darüber kann man streiten.”

Doch der eindringlichste Widerspruch gegen den Antrag der Großen Koalition kam aus den eigenen Reihen.

Kontext Vogelsang

„Schon der Ansatz, die Kampfhäuser in einen Kontext mit Vogelsang, diesem Zeichen einer so scheußlichen Zeit, zu bringen - ich wundere mich, wie man auf eine solche Idee kommen kann”, schrieb der CDU-Kreistagsabgeordnete Josef C. Rhiem den eigenen Leuten mit der in Jahrzehnten erworbenen Würde eines inoffiziellen Alterspräsidenten ins Stammbuch: „Ich kann nicht dabei sitzen und still sein.”

Gebannt lauschte der Ausschuss diesen Worten, was jedoch nicht bedeutete, dass Rhiems emotionaler Einwand unwidersprochen blieb. „Niemand will Vogelsang mit Wollseifen gleichsetzen”, widersprach Bernd Kolvenbach (CDU): „Aber hier wurden Menschen nach dem Krieg aus ihrem Dorf, ihrer Heimat vertrieben. Ist das kein Grund, daran zu erinnern? Ich denke schon.”

Dem widerspreche er ja gar nicht, legte Rhiem nach: „Aber in diesem Kontext Kampfhäuser zu erhalten, das passt nicht.”

Dem Schicksal überlassen

Wenn überhaupt, solle man ein Kampfhaus stehen lassen - am besten jenes, das am weitesten von der ehemaligen Ortschaft entfernt sei.

Unterdessen habe der Denkmalschutz gebeten, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen, erklärte der Allgemeine Vertreter des Landrats, Manfred Poth. Für den 10. April sei ein Abstimmungstermin der Beteiligten vorgesehen. Ob da auch der Vorschlag von Franz Troschke (UWV) zu Sprache kommt?

Er schlug vor, die Gebäude ihrem Schicksal zu überlassen - mit symbolischen Hintergrund: „Die Natur macht ihren Frieden mit den Häusern.”
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