Rohren - Wer zuviel fernsieht, lernt schwerer sprechen

Wer zuviel fernsieht, lernt schwerer sprechen

Von: P. St.
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Auch kräftiges Pusten kann einer besseren Aussprache dienen. Im Kindergarten Sonnenland in Rohren wird ein seit zwei Monaten ein Sprachprojekt erfolgreich umgesetzt.

Rohren. „Deutsche Sprache - schwere Sprache”, lautet ein ziemlich abgegriffener Spruch, der einem leicht über Lippen geht. Aber diese Phrase hat auch einen wahren Kern. Ein Lied davon singen können auch die Mitarbeiterinnen im Rohrener Kreiskindergarten „Sonnenland”.

Hier wurde Ende April ein Sprachprojekt gestartet, das zum Ziel hat, Kinder mit dem Einmaleins der deutschen Sprache vertraut zu machen. Am Freitag werden den Eltern in der Zeit von 16 bis 18 Uhr die Ergebnisse des Projektes in der Turnhalle präsentiert.

Aussprache und Artikulation stellen für Kinder in der heutigen Zeit ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Sie sind insbesondere durch ein verändertes Verhalten beim Medienkonsum starken visuellen und akkustischen Reizen ausgesetzt.

Eine Folge davon ist, dass die eigentlich selbstverständliche Kommunikation im Alltag leidet und Kinder zum Teil massive Defizite bei der Anwendung der Sprache zeigen. Auch die für die Sprache benutzte Muskulatur ist nicht ausreichend aktiviert, und schon ist die Aussprache unsauber.

Alexandra Janys-Hupp, Erzieherin im Kindergarten Rohren, bringt es auf den Punkt: „Es gibt Kinder, die können nicht pusten.” Gemeinsam mit Kindergartenleiterin Birgit Theißen und Natascha Hirch von der Nachmittags-Betreuung hat man sich seit dem Projektstart Ende April Schritt für Schritt an das Thema Sprache herangearbeitet. Ausgangspunkt war ein Fortbildungsseminar, das die Mitarbeiterinnen in den Kindergärten des Kreises Aachen für dieses neue gesellschaftliche Problem sensibilisierte.

In Rohren setzten die Verantwortlichen das Thema gleich in die Praxis um. Die Reaktion von Seiten der Eltern war zunächst eher verhalten, auch deshalb soll der heutige Info-Nachmittag, die Zielrichtung noch einmal verdeutlichen.

Das Kindergartenteam entwickelte eine Reihe von einfachen Spielen, mit denen es gelang, geradezu spielerisch an den Sprach-Problemen zu arbeiten. Von den 19 zwei- bis sechsjährigen Kindern im eingruppigen Kindergarten Rohren zeigte rund ein Drittel erkennbare Probleme. Spezielle Übungen für die Zunge oder die Lippenmuskulatur wurden in Spiele eingebunden, die die Kinder begeistert aufnahmen, ob es sich um Seifenblasen-Pusten oder lustige Ansaug-Übungen handelte.

Alexandra Janys-Hupp: „Die Kinder haben ihren Spaß und es tut ihnen gut.” Die Anwendung der unterschiedlichen Techniken geschah dabei häufig auch in Absprache mit Logopäden, die einige der Kinder betreuen.

Auf vielen Ebenen wurde das Sprachprojekt in die Praxis umgesetzt, so auch bei der Aussprache von Phantasielauten, die dennoch eine hohe Herausforderung an das Sprachvermögen darstellen. In Verbindung mit einem Tanz ist die Begeisterung dann bei den Kindern groß. „Die Kinder machen gerne mit, und daher sind diese Übungen wirklich ein gutes Sprachtraining ”, hat die Erzieherin festgestellt.

Zum Trainingsprogramm gehörte auch die Aktivierung der Feinmotorik, denn Untersuchungen haben ergeben, dass die Artikulation in einem direkten Zusammenhang dazu steht.

„Es werden werden ganz spielerisch einfach alle Sinne angesprochen”, erläutert Alexandra Janys-Hupp, und viele der Spiele, die mit einfachsten Hilfsmitteln umgesetzt werden könnten, seien auch daheim im Alltag anwendbar.

Nach gut zwei Monaten Projektzeit haben die Erzieherinnen im Kindergarten bereits konkrete Erfolgserlebnisse registriert. „Das Selbstbewusstsein der Kinder wird gestärkt, wenn sie von den anderen plötzlich besser verstanden werden.”

Und so wird das spielerische Sprachtraining in Rohren auch über den Projektzeitraum hinaus weiterhin fester Bestandteil der Arbeit im Kindergarten Sonnenland bleiben.
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