Nordeifel - Wenn im Wildschwein der Wurm ist

Wenn im Wildschwein der Wurm ist

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:

Nordeifel. Bereits vor einigen Monaten wurde in einem Jagdrevier im Kreis Aachen ein Wildschwein erlegt, das, so ergab die amtliche Fleischbeschau, quasi bis zur Halskrause voll mit Trichinen war. Diese Trichinen haben das Tier nicht das Leben gekostet, es war schließlich die Kugel des Jägers.

Trichinen sind winzige Fadenwürmer von bis zu vier Millimetern Länge, die im Darm ihres Wirts binnen 30 Tagen geschlechtsreif werden und sieben Tage nach der Begattung bis zu 1500 Larven lebend gebären. Wirte können alle Fleisch fressenden Haus- und Wildtiere sein, vorrangig Schweine, Hunde, Katzen, Füchse, Dachse, Nutrias, Luchse und Bären (letztere in hiesigen Breiten eher weniger), in nördlichen Gefilden auch Schlittenhunde und Robben. Und natürlich, als Allesfresser, die Wildschweine, von denen es in den Eifelwäldern bekanntlich mehr als genug gibt, und die bei der Suche nach Futter auch schon mal auf einer infizierten Maus herumkauen.

Sicherheit der Kontrollen

Diese Erkenntnis löst zwar nicht gleich Depressionen aus, doch wirft sie Fragen auf nach der Sicherheit der Kontrollen, denn Trichinellose ist eine Infektion mit Parasiten, die für Menschen lebensbedrohlich werden kann.

Dr. Peter Max Heyde, Leiter des Kreisveterinäramts, kann beruhigen: Jedes erlegte Wildschwein müsse der Behörde zur Fleischbeschau vorgelegt werden, und zwar am Stück.

Die Jagdstatistiken und die Beschaustatistiken würden immer wieder abgeglichen. Bisweilen betrage die Differenz zwei bis drei Stück Schwarzwild. Dr. Heyde: „Das liegt aber daran, dass einige Revierpächter, die nicht im Kreis Aachen wohnen, die erlegten Tiere mit nach Hause nehmen und sie den örtlichen Behörden, beispielsweise in Düsseldorf, zur Beschau vorlegen.”

„Die Finger davon lassen”

Nach Darstellung des Veterinärs werden von den toten Tieren Proben genommen und auf die Parasiten getestet, indem die biochemischen Reaktionen des menschlichen Verdauungssystems simuliert werden, denn nach der Verdauung infizierten Muskelgewebes bleiben im Darm des Wirts die Parasiten übrig, quicklebendig. Überprüft wird das Verfahren immer wieder mit trichinösem Fleisch aus dem Fundus der Hochschule. Dr. Heyde: Unsere Tests sind sehr genau. Wenn in dem Fleisch eine Trichine drin ist, dann finden wir sie!”

Jedes Wildschwein, das nach der Beschau durchgewunken wird, sei frei von Trichinen, versichert der Veterinär und kommt gleich zu den Schwachpunkten des Systems: Wenn ein Jäger eine Sau schießt und sie nicht zur Beschau bringt, oder wenn ein Autofahrer in der Dämmerung eine Tier auf der Kühlerhaube mitnimmt und den Kadaver erst in seinem Kofferraum und anschließend in seiner Tiefkühltruhe verschwinden lässt.

In beiden Fällen handeln die Betreffenden „kriminell”, so Dr. Heyde, weil sie gegen Gesetze verstoßen. Mehr noch, sie spielen mit ihrem Leben und dem Leben anderer Menschen, sollte das Fleisch dieser Tiere ohne Trichinentest roh oder geräuchert verzehrt werden.

Nur eine Erhitzung des Fleischs auf mindestens 70 Grad bringt Sicherheit, denn diese Temperatur hält die stärkste Trichine nicht aus. Zur Zeit sind laut Dr. Heyde keine Erkrankungsfälle bekannt: „Das System funktioniert also.”

Das bestätigt auch Rainer Wilms aus Roetgen, Obermeister der Fleischerinnung des Kreises Aachen. Die Hygienevorschriften in den Metzgereien seinen streng, die Kontrollen der Veterinäre sehr gewissenhaft und die Zahl der infizierten Tiere verschwindend gering, verglichen mit der großen Stückzahl des Schwarzwildes in den Wäldern. Die Jagdpächter und Jäger seien sensibilisiert für die Problematik und er könne nur jedem raten, kein rohes, nicht kontrolliertes Wildschwein zu verzehren. Wilms: „Davon sollte jeder die Finger lassen, denn er riskiert seine Gesundheit, möglicherweise sogar sein Leben.”

Noch in diesem Frühjahr soll eine weitere Sicherung einbaut werden, über die der Bundesrat noch zu befinden hat: Jedes erlegte Stück Schwarzwild erhält einen Ohrclip wie ein Steifftier und eine Bescheinigung, aus der hervorgeht, wer das Tier wo erlegt und wer wo die Fleischbeschau vorgenommen hat.

Tödliche Dosis

In den meisten der allerdings seltenen Fälle von Infektionen bei Menschen verläuft die anzeigepflichtige Trichinellose mild, in fünf Prozent allerdings fatal. Das vor Monaten entdeckte trichinöse Wildschwein hätte diese Statistik gehörig durcheinanderwirbeln können: Nur 100 Gramm Verzehr rohen Fleisches hätten in diesem Falle ausgereicht, um einen Menschen zu töten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert