Wenn die Schildkröte entwurmt werden muss ...

Von: Carmen Krämer
Letzte Aktualisierung:
Schildkröte
„Komische Geräusche”. - Sarah und ihre maurische Landschildkröte „Toni”. Foto: Heiner Schepp

Konzen. „Manche meiner Patienten sind in der Tat so giftig, dass ich vorher in den Apotheken anrufe und frage, ob es ein Serum gibt”. Seine Patienten reisen in Terrarien, Aquarien, Wassereimern oder Schuhkartons an, und ihren Schmerz können sie meist nicht so zum Ausdruck bringen, wie man es von anderen Lebewesen gewohnt ist. Die erste Frage lautet daher meistens: „Ist das Tier handzahm?”

Karl-Friedrich Arndts ist Diplombiologe und Tierarzt und behandelt als einer der wenigen in der Region auch Amphibien und Reptilien. Weil das so ist, reisen ihre Besitzer teils sogar aus Aachen, Köln und Eschweiler zu ihm an.

Ganz so weit war die Reise für „Toni” nicht. Die kleine Maurische Landschildkröte lebt in Kalterherberg und ist an diesem Morgen mit ihrer Besitzerin Sarah in die Praxis nach Konzen gekommen. „Sie verhält sich seit einigen Tagen ungewöhnlich und macht komische Atemgeräusche”, erzählt das Mädchen.

Tierarzt Arndts nimmt das Tier, begutachtet es von allen Seiten und hört es sogar mit einem Stethoskop ab. „Ich glaube es ist Zeit für den Winterschlaf”, lautet seine erste Diagnose. Dass Schildkröten in der kalten Jahreszeit für drei bis vier Monate in die Winterstarre verfallen, ist nichts Neues für Sarah, „schließlich haben wir Toni schon seit vier Jahren”. So früh habe das Tier aber noch nie Zeichen für den bevorstehenden Winterschlaf gezeigt, erzählt Sarahs Vater. Deshalb sei man vorsichtshalber zum Tierarzt gefahren.

Karl-Friedrich Arndts empfiehlt, „Toni” mit einem warmen Bad und einem Entwurmungsmittel auf das lange Nickerchen vorzubereiten und sich dann zurückziehen zu lassen. „Das ist ganz praktisch; wenn die Schildkröte dann so lange geschlafen hat und man länger nichts mit ihr hat machen können, freut man sich total darauf, wenn sie im Frühling wieder aufwacht”, sieht Sarah einen großen Vorteil bei einem Haustier mit Winterschlaf.

Schlangen und Geckos

Ungefähr einmal in der Woche kommen Herrchen mit ihren Schlangen, Bartagamen, Geckos, Chamäleons, Spinnen oder Schildkröten in seine Konzener Praxis. „Manchmal kommen sogar Menschen mit Fischen vorbei, und nicht selten sind die Tiere sehr sehr teuer,” erinnert sich Arndts an Patienten, für die ihre Herrchen mal schnell 1000 Euro bezahlt haben „ohne Terrarium, Futter und sonstige Anschaffungen für optimale Lebensbedingungen der Tiere einzurechnen”.

Und dann kommen noch die Arztbesuche dazu, von denen die Besitzer exotischer Tiere meist glauben, dass sie sehr teuer sind und sich deswegen häufig erst überwinden, die Praxis aufzusuchen, wenn es schon fast zu spät ist.

Pilze und Parasiten

Im Vergleich zu anderen Tieren und im Hinblick auf den Wert des eigenen leidenden Tieres sei es aber überhaupt nicht teuer, betont Arndts, der bemängelt, dass die Leute oft viel zu spät in seine Praxis kommen.

„Es kommt nicht selten vor, dass sich die Leute ein exotisches Tier kaufen, weil es gerade chic ist. Würden sie dann für optimale Lebensbedingungen der Tiere sorgen, wäre das auch kein Problem, aber meistens kennen sich die Menschen überhaupt nicht mit der Biologie aus,” erklärt der Tierarzt eines der Probleme mit der Haltung solcher Exoten. Das führe dann dazu, dass Tiere, die eigentlich aus einer trockenen Umgebung stammen, plötzlich in Feuchtbiotopen gehalten würden und umgekehrt.

Automatisch folgen daraus Krankheiten wie Pilze, Parasiten, Lungenentzündungen oder Maulfäule, die sich erst nach einiger Zeit für den Laien bemerkbar machen. „Eine Schlange zum Beispiel kann lange ohne Futter auskommen, hat in dem Sinne kein Ausdrucksvermögen wie Katze oder Hund, und so merkt manch einer gar nicht, dass das Tier krank ist”.

Teure Operation

Manche Herrchen oder Frauchen versuchen laut Arndts dann selbst über Zoofachhandel die Probleme zu lösen, wodurch wiederum Zeit verstreiche, in der das Tier eigentlich behandelt werden müsse. Der letzte Ausweg führt zu Karl-Friedrich Arndts in die Praxis, wo häufig schlechte Diagnosen gestellt werden müssen.

Nachdem der Tierarzt wie auch bei Kaninchen oder Hund Nase, Augen, Maul und Lymphdrüsen untersucht hat, können neben den genannten Krankheiten auch Tumore, Entzündungen der Leber oder Nieren, Brüche oder auch Legenot festgestellt werden. Dabei besteht neben der Gefahr für das Tier, sich einer teuren Operation unterziehen zu müssen oder sogar eingeschläfert zu werden, auch immer eine gewisse Gefahr für den Diplombiologen und seine Helferin. „Alle Schlangen sind giftig, da muss man aufpassen, dass man nicht gebissen wird”, erklärt Arndts, der mittlerweile aus Routine weiß, wie man am besten mit den Tieren umgeht.

Und auch die Spinnen sind nicht ohne, denn manche von ihnen klappern, wenn sie sich bedroht fühlen, mit den Hinterbeinen, um ihre Härchen abzubrechen und dem Feind damit die Atemwege zu belegen. „Einmal habe ich sogar ein Spinnenbein amputiert”, erklärt er lachend. Die Spinne musste er dazu aber nicht in Narkose versetzen. „Das stört sie nicht, sie hat ja genug Beine und manchmal wachsen sie sogar bei der nächsten Häutung nach.”

Selbst ist Karl-Friedrich Arndts der Meinung, dass Reptilien und Amphibien nur dann gehalten werden sollten, wenn die Umgebung stimmt und sich der Mensch mit der Biologie des Tieres auskennt. Dazu gehöre auch, vor dem Winterschlaf der Tiere noch einmal zu ihm in die Praxis zu kommen und ihnen eine Wurmkur zu verpassen - so wie bei Toni.

Impfen könne man die Tiere leider nicht, aber „man übernimmt schließlich eine gewisse Verantwortung, wenn man sich so ein Tier anschafft” und solle deshalb auch für die bestmögliche Haltung sorgen und nicht zu lange mit dem Arztbesuch warten, wenn einem etwas an seinem Tier auffällt.

Überraschung mit „Toni”

Patient „Toni” ist fertig untersucht und versorgt, und Sarah kann einigermaßen beruhigt mit ihrem Tier nach Hause fahren. Allerdings hat Experte Arndts noch eine große Überraschung für das tierliebe Mädchen parat: „Es ist zwar nur sehr schwer festzustellen, aber ich denke, dass Dein Toni eine Antonia ist”, meint der Tierarzt lachend.
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