Wenn der Glaube in Bewegung gerät

Von: js
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Die Chorsänger animierten die Konzertbesucher zum Mitsingen und Mittanzen: Dies gelang, weil auch sehr viele jüngere Besucher anwesend waren. Foto: Josef Schreier

Roetgen. Ungewohnte Klänge waren am Freitagabend in der evangelischen Kirche in Roetgen zu hören. Der „Gospelchor n‘joy“ war zu Gast, ein Chorensemble der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Honnef. „Gospel“ hat etwas mit dem Evangelium zu tun, wie der Chorleiter Johannes Weiß erläuterte. Das Wort ist eine Verkürzung des englischen „good spell“, was „gute, frohe Nachricht“ – eben „Evangelium“ bedeutet.

Und auf Seiten derjenigen, die diese Botschaft empfangen, soll sie natürlich Freude hervorrufen. Daher der Name des Chores, „n‘joy“, was zugleich anklingen lässt, dass es auch ums „Genießen“ geht.

Nun, die zahlreichen Zuhörer, die auch ins musikalische Geschehen einbezogen wurden, genossen das knapp anderthalbstündige Konzert ersichtlich in vollen Zügen. Das Programm beschränkte sich freilich nicht auf die im engeren Sinne religiösen Inhalte des traditionellen, aus den „Spirituals“ der amerikanischen schwarzen Bevölkerung hervorgegangenen Gospel.

Es gab auch eine Reihe von bekannten Pop-Nummern, wie Michael Jacksons „Man in the mirror“ und Leonard Cohens „Halleluja“, oder auch den bewegenden „Gabriellas Song“ aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“. Doch stand dies sinnvoll im Zusammenhang des grundsätzlichen Anliegens des Chores, die Freude der Sänger an ihrer Musik auf die Zuhörer zu übertragen.

Dies gelang schon von Beginn an, als die Sänger (sicher nahezu 50 an der Zahl) mit einer Pop-Adaption des Halleluja aus dem Händelschen „Messias“ einzogen. Immer intensiver übertrugen sich im Laufe des Konzerts die Melodien und Rhythmen der Stücke auf die Zuhörer.

Der Höhepunkt war sicherlich das Stück „Glorious“ (der Gospelsong von Martha Munizzi), bei dem die Chorsänger sich über die ganze Kirche verteilten und die Konzertbesucher zum Mitsingen und Mittanzen bewegten. Dies konnte gut gelingen, da doch erfreulicherweise auch sehr viele jüngere Besucher anwesend waren.

Sichtbar wurde dadurch aber, wie Kirche ein neuartiger Erlebnisraum wurde und auf diese Weise ihre eigene hergebrachte Spiritualität erweiterte. Hier kam Glaube sozusagen in Bewegung.

Durchaus erstaunlich, dass der Chor sein großes Programm, das musikalisch und rhythmisch wohl gar nicht so einfach zu realisieren war, doch ganz auswendig und sehr präzise vortrug. Auch etliche Solisten traten eindrucksvoll hervor.

Akustisch waren vielleicht einige Abstriche zu machen, da die instrumentale Begleitung komplett über Playback lief. Die Mikrofone der Solisten waren nicht optimal eingestellt, was auch für die Moderation des Chorleiters Johannes Weiß galt, die teilweise akustisch schwer zu verstehen war. Das waren aber lediglich minimale Schönheitsfehler bei einem Abend, der insgesamt als eine sowohl musikalische wie spirituelle Bereicherung zu gelten hat.

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