Wenn der Eulen-Joe mit der Kettensäge schnitzt

Von: Elke Silberer, dpa
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Eulenschnitzer Josef Scheckenbach
Der Eulenschnitzer Josef Scheckenbach sägt am Montag (14.12.2009) in Monschau mit der Kettensäge aus einem Baumstamm eine Eule. Der Kurpfälzer in der Eifel gehört zu den deutschen Pionieren der Kettensägen-Schnitzerei. Foto: dpa

Monschau. Sein Name ist „Eulen-Joe”. Sein Markenzeichen ist die rechte Hand mit den beiden fehlenden Fingern in der Mitte. Seine Leidenschaft gehört seiner Frau Gertrud - und seiner Kettensäge. Mit dem kleinen röhrenden Kraftprotz „schnitzt” Joe Eulen: Kleine fürs Heim, Zwei-Meter-Riesen für den Garten, Pärchen an Baumstümpfen im Wald oder einsame Schönheiten an Wanderwegen.

Joe Scheckenbach ist so was wie ein heimlicher Eifel-Promi. Einer, den sie in der Gegend von Monschau kennen. Sein Hobby ist ohrenbetäubend. Seine Nachbarn ertragen das mit Gelassenheit.

Scheckenbach nimmt einen 60 Zentimeter langen Stamm und klemmt ihn in die Zwinge. Douglasie, seine Lieblingsholzart. „Die wird mit der Zeit knallhart.” Schon beim Einfüllen des Sprits in die Motorsäge hellen sich seine Gesichtszüge in leiser Vorfreude auf. Die Säge heult auf, Sägespäne spritzen.

Mit einem Lächeln auf den Lippen legt der Mann die Säge an. Bei seiner Arbeit tänzelt er, schneidet den Kopf, schnitzt das Federkleid. Er lässt sich nicht ablenken, muss nicht nachdenken. Er sieht den Stamm und hat die Eule vor Augen. Er braucht keine Vorlage, er macht keine Skizze auf den Stamm - in dem Moment gibt es nur Scheckenbach, das Holz und die Motorsäge. „Der eine ist Handwerker und hat geschickte Finger und der andere eben nicht.” Das „Mannemerische” - der Dialekt seiner Heimatstadt Mannheim - schlägt noch immer durch, auch nach 25 Jahren Eifel.

Die Geschichte von Eulen-Joe begann vor acht Jahren mit einem Spendentöpfchen der „Tschernobyl Kinderhilfe” auf dem Zapfhahn in einer Vereinskneipe. Gesägt hatte der Rotationsmaschinen-Führer, der in diesem Beruf die beiden Finger verlor, vorher nur für den Hausgebrauch. Danach machte er Eulen, immer wieder Eulen - für den guten Zweck: 123.000 Euro Spendengelder brachte er mit seinem hölzernen Federvieh zusammen. Mit dem Holz sorge er dafür, dass es anderen Menschen besser gehe: „Ich mache aus Holz Brot”, nennt er das im übertragenen Sinn.

Der Kurpfälzer in der Eifel gehört zu den deutschen Pionieren der Kettensägen-Schnitzerei. Mittlerweile sind die künstlerisch ambitionieren Grobmotoriker immer häufiger zu finden. Sogar Kurse gibt es.

An dem neuen Trend kam selbst der Motorsägen-Hersteller Stihl nicht vorbei. Der Marktführer in Deutschland brachte vor zwei Jahren zum ersten Mal eine Motorsäge für Schnitzer auf den Markt. „Wir folgten damit dem Trend”, sagt Unternehmenssprecherin Petra Möck. Begonnen habe es mit dem Auftritt von Karl Blattmann in „Wetten dass...?” in den 90er Jahren. In drei Minuten habe der einen Stuhl in einen Baumstamm geschnitzt.

Die Spezialität von Helmut Bergsch zum Beispiel sind Schweinchen. So an die 700 Stück hat der Forstwirt im Nationalpark Eifel bisher gemacht. Mit Respekt betrachtet er die Leistungen anderer Schnitzer: „Es gibt Leute, die machen aus einem Baumstamm eine ganze Rotte Sauen. Das ist eine Leistung, so lange konzentriert zu bleiben.”
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