Wenn das Haus Gottes zur Baustelle wird

Von: Andreas Gabbert und Peter Stollenwerk
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Die Arbeiten laufen auf vollen Touren: Der Anbau der Kirche in Konzen wird abgerissen. Als die Pläne im Jahr 2012 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, setzte eine emotionale Diskussion über den Sinn und Zweck dieser Maßnahme ein. Foto: A. Gabbert
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Die Arbeiten laufen: Der Anbau der Kirche in Monschau-Konzen wird abgerissen. Als die Pläne im Jahr 2012 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, setzte eine emotionale Diskussion über den Sinn und Zweck dieser Maßnahme ein. Foto: A. Gabbert

Monschau. Mit lautem Krachen stürzt die Holzdecke der Kirche in den früheren Altarraum und lässt ihn in einer Staubwolke versinken, während der Bagger weitere Teile des Gebäudes zum Einsturz bringt. Die Mutterkirche des Monschauer Landes in Konzen ist zur Großbaustelle geworden – ein Anblick, bei dem den älteren Bürgern nur ein Vergleich einfällt: „Das sieht ja aus wie im Krieg.“

Der Umbau der Pfarrkirche hat unter den 1800 Gläubigen im 2500-Seelen-Ort emotionale Diskussionen ausgelöst, seit 2012 die Pläne erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Hintergrund ist, dass die Energiekosten für die Gebäude zurzeit zwei Drittel des gesamten Pfarretats beanspruchen.

Das Bistum Aachen hatte schon vor Jahren Handlungsbedarf gesehen und gewarnt, sie würden die Mittelzuweisungen für den Unterhalt von Kirchen massiv zurückfahren. Da die kirchlichen Immobilien in Konzen jährlich 21.000 Euro Energiekosten verschlingen, hätte eine Kürzung der Bistumsmittel bedeutet, dass diese Kosten für die Pfarre nicht mehr zu bewältigen gewesen wären.

Eine Million Euro

Nun wird also der Anbau der Kirche abgerissen, der von 1952 bis 1954 auf Initiative des damaligen Pfarrers Johannes Henn erfolgte. Der Gottesdienstraum wird wieder auf das ursprüngliche Maß der historischen Dorfkirche zurückgebaut und soll danach multifunktional genutzt werden. Die Weihnachtsgottesdienste sollen schon wieder in der Pfarrkirche gefeiert werden können, das ist der Plan.

Der Weg dahin war kein leichter, es gab viel Widerstand in der Gemeinde. Inzwischen hat das Personal des Kirchenvorstandes gewechselt und ein neuer Architekt ist beauftragt worden. Anfang des Jahres hatte der neue stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende und Bauleiter, Martin Krings, noch einmal deutlich gemacht, dass es nur mit einer Reduzierung des Bauvolumens möglich sei, die Mutterkirche zukunftsfähig und wirtschaftlich zu halten. Eine Million Euro investiert das Bistum in den komplizierten Umbau, bei dem wertvolle Bausub­stanz wie die Sandsteinfassungen der Fenster und andere Elemente der Fassade erhalten bleiben müssen.

Das Grab mitten in der Baustelle

Doch nicht nur der Umbau der Kirche ist ein sensibles Thema. Noch emotionaler wurde die Frage behandelt, wie in Zusammenhang mit der Kirchenverkleinerung mit dem angrenzenden Friedhofsgelände zu verfahren ist. Einige Grabreihen befanden sich direkt hinter der Nordwand der Kirche, wo dringend Platz für das Rangieren der Baufahrzeuge benötigt wurde.

Die noch verbleibende Ruhefrist der 45 Reihengräber betrug durchschnittlich noch drei Jahre. In Gesprächen mit den Angehörigen erhielt der Kirchenvorstand eine fast 100-prozentige Zustimmung zur vorzeitigen Auflösung der Gräber. Nur in einem Fall wurde diese verweigert, so dass ein Reihengrab an seinem ursprünglichen Platz geblieben ist und sich nun mitten in einer Baustelle wiederfindet.

Die Konzener Pfarrkirche ist aber nicht die einzige Kirche im Bistum Aachen, die zurückgebaut wird. Schon seit acht bis neun Jahren gebe es im Rahmen des Kirchlichen Immobilienmanagements (KIM) immer wieder Anfragen von Gemeinden, die ihre Kirche umbauen wollen, um sie zu verkleinern oder eine multifunktionale Nutzung zu ermöglichen, erklärt Bernd Wolters, beim Bistum Aachen zuständig für die Nutzung und Umnutzung von Kirchengebäuden.

Im Vergleich zur Konzener Pfarrkirche gebe es oft einen erheblich größeren Umbaubedarf. Im hinteren Teil der Marienkirche in Düren sei zum Beispiel eine Empore eingebaut worden, die Treffen von Jugendlichen und der Gemeinde ermöglicht. In der Kirche St. Elisabeth in Aachen würden nach dem Umbau nun auch das Pfarrbüro, eine Cafeteria, Besprechungs- und Sanitärräume Platz finden, und in der Kirche St. Maria Empfängnis in Willich-Neersen finden sich nun auch ein Besprechungsraum, die Pfarrbibliothek und Pflegeräume der Caritas.

Außerdem wurden 22 Kirchen im Bistum Aachen in ihrer Nutzung verändert oder verkauft. Insgesamt gibt es im Bistum Aachen rund 880 Kirchen und Kapellen. Die Kirche St. Josef in Aachen und die Erlöserkirche in Aachen-Brand sind in Grabeskirchen umgewandelt worden. St. Alfons in Aachen wurde an einen Investor verkauft, der ein Bürogebäude daraus gemacht hat, in der Herz-Jesu-Kirche in Pesch bei Mönchengladbach sind Wohnräume entstanden, und in St. Peter in Waldhausen bei Mönchengladbach gibt es nun einen Kletterparcours.

„Alle Gemeinden haben ein Pastoralkonzept, vor dessen Hintergrund überlegt werden muss, welche Nutzung der Gebäude möglich ist“, sagt Wolters. Zurzeit habe das Bistum zu viele Gebäude, die langfristig nicht finanzierbar seien. „Wir sind kein Immobilienunternehmen, das nur Gebäude unterhält. Wir wollen sie inhaltlich nutzen“, sagt Wolters. Daher sei auch zukünftig mit weiteren Rückbauten zu rechnen. „Die Gemeinden müssen sich anpassen.“ Da helfe es auch nicht weiter, dass momentan im Bistum Überschüsse erwirtschaftet würden. „Das muss man langfristig sehen.“

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