Städteregion Aachen - Wenig Geld, wenig Lob, wenige Fachkräfte

Wenig Geld, wenig Lob, wenige Fachkräfte

Von: Heike Eisenmenger
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Wichtige Arbeit, wenig Lohn: D
Wichtige Arbeit, wenig Lohn: Die Pflegekräfte werden in einer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger. Doch weil die Arbeitsbedingungen nicht übermäßig attraktiv sind, gibt es nicht genügend Nachwuchs.

Städteregion Aachen. „Pflegen ist mehr als nur den Popo abzuwaschen!” Horst Schwering sagte es beim Pflegekongress auf der Stolberger Burg geradeheraus. Thema der Veranstaltung war der eklatante Mangel an Pflegefachkräften.

„Wir kriegen ein dickes Problem, schaffen wir es nicht, diesen Mangel in den Griff zu bekommen”, warnte der 54-jährige AOK-Regionaldirektor.

Die Städteregion, die AOK Rheinland/Hamburg und das Institut Betriebliche Gesundheitsförderung” (BGF), eine Tochter der Krankenkasse, hatten zu der Veranstaltung eingeladen. Rund 100 Gäste, vor allem aus den Führungsriegen von Seniorenheimen, Pflegediensten, Krankenhäusern und Behörden, beschäftigten sich mit dem durchaus brisanten Thema.

„Dieser Pflegekongress dient nicht nur der Bestandsaufnahme oder der Prognose”, betonte Günter Schabram, Dezernent für Soziales und Gesundheit der Städteregion. „Wir reden heute vor allem darüber, wie wir die Fachkräfte, die wir haben, länger fit halten können”, sagte er mit Blick auf die Branche, die gleich zwei große Probleme hat: Zum einen fehlt es an Bewerbern, zum anderen steigen viele Pflegekräfte vorzeitig aus dem Job aus, weil sie gesundheitlich angeschlagen sind.

Einseitige Belastungen wie das Heben von Patienten sind aber nur ein Grund. Unzufriedenheit und Stress sind laut der Referenten ebenso dafür verantwortlich, dass ein hoher Prozentsatz der Pflegekräfte nicht bis zur Rente in dem Beruf durchhält. Der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich: Es gibt immer weniger junge Menschen, die einen Pflegeberuf ergreifen könnten, zugleich aber immer mehr betagte Menschen, die der Pflege bedürfen.

„Mitarbeiter fit halten” klingt wie ein Slogan, ist aber tatsächlich das erklärte Ziel. Mit „fit halten” ist dabei keineswegs nur die körperliche Gesundheit gemeint, etwa indem Pflegekräfte darin geschult werden, gelenkschonende Bewegungsabläufe zu verinnerlichen.

„Es geht auch um die psychische Gesundheit. Wir reden hier von Wertschätzung, Freude an der Arbeit. Den Pflegekräften wird aber nicht die Wertschätzung entgegengebracht, die ihnen gebührt”, resümierte Schabram, der genau an diesem Punkt ansetzen will. Die fehlende Wertschätzung mache sich auch in der schlechten Bezahlung bemerkbar. An der schlechten Bezahlung kann die Städteregion jedoch nichts ändern. Ebenso wenig kann sie in die Diskussion um Mindestlöhne in der Branche eingreifen.

Dennoch sind sich die Beteiligten vor Ort sicher, einiges gegen den Fachkräftemangel tun zu können. „Wir werden alles daran setzen, dass der Beruf wieder als das angesehen wird, was er ist: eine hochwertige Tätigkeit”, stellte Jürgen Engels, Regionaldirektor der AOK für die Stadt Aachen, klar.

Dass alles daran gesetzt werden muss, das ramponierte Image der Branche „zu reparieren”, zeigt ein Blick in die Zukunft: Für 2030 prognostizieren Experten einen zusätzlichen Bedarf an Pflegefachkräften von 40 bis 70 Prozent in der Städteregion. Die große Abweichung ist darauf zurückzuführen, dass Experten unterschiedliche Daten zur Alterspyramide als Basis für ihre Prognose genommen haben und die Entwicklung im Bereich der häuslichen Pflege unterschiedlich einschätzen.

Dem wachsenden Pflegenotstand versucht die Städteregion als Trägerin eines der wenigen kommunalen Altenpflegeseminare im Land seit langem entgegenzutreten. Unter anderem wurde ein Netzwerk gegründet, das zu dieser Problematik arbeitet. Der Kongress in Stolberg ist eines der Resultate dieser Zusammenarbeit. Und Ende 2010 hatte der Städteregionstag beschlossen, die Ausbildungssituation zu verbessern. In der Konsequenz stockte das Amt für Altenarbeit, das für Fort- und Weiterbildung sowie das Altenpflegeseminar zuständig ist, das Seminar von einer auf drei Klassen pro Jahrgang auf.

Mit im Schnitt 100 Absolventen jährlich sei das Seminar in Würselen der größte Ausbilder in der Altenpflege, bilanzierte Schabram. Die Chancen für die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt seien mehr als gut: „Eine Stelle ist einer ausgebildeten Fachkraft sicher.”
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