Roetgen - Weltkriegsbombe in Naturschutzgebiet gefunden

Weltkriegsbombe in Naturschutzgebiet gefunden

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Was die Mitglieder des Roetgener Heimatvereins zunächst für das Teil eines Möbelstücks hielten, entpuppte sich als Stabbrandbombe. Foto: HeuGeVe Roetgen

Roetgen. Auch 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs findet man in unserer Heimat immer noch die Hinterlassenschaften dieser großen Tragödie. Bei der Erkundung der historischen Straße zwischen Roetgen und Rott fanden die Mitstreiter des Roetgener Heimat- und Geschichtsvereins (HeuGeVe) jetzt ein sechseckiges, „altes Tischbein“ auf dem Struffelt, ganz in der Nähe der Dreilägerbachtalsperre.

„Wir glaubten zunächst wirklich an die guterhaltenen Reste eines Möbelstücks, bis einer der Wanderer sich an die Worte seines Großvaters vor 70 Jahren erinnerte, der damals das Kind eindrücklich vor gefährlichen sechseckigen Brandbomben mit Sprengsatz gewarnt hatte“, berichtet Rolf Wilden von dem gefährlichen Fund.

Fotografiert und markiert

Weiter erzählt der Vorsitzende: „Wir wurden vorsichtig, legten das Fundstück wieder auf den Boden, fotografierten und markierten es mit GPS-Koordinaten. Wieder zu Hause angekommen, befragten wir unsere Experten. Es wurde schnell klar, dass wir es mit einer wirklich gut erhaltenen britischen Stabbrandbombe vom Typ INC 4LB MK zu tun hatten. Den genauen Typ konnten wir nicht feststellen, da die übliche Farbmarkierung in den 70 Jahren Liegezeit doch verschwunden war.“

Von diesem Bombentyp, so weiß man beim HeuGeVe Roetgen, wurden in Deutschland während des 2. Weltkriegs bis zu 80 Millionen Stück abgeworfen, „vielen unserer Städte wurde damit ‚der Rest‘ gegeben“, sagt Wilden. Wie sie funktionieren, kann man im Internet nachlesen. Wahrscheinlich ist, so glauben die Finder, dass diese Brandbombe mit vielen anderen beim Angriff auf die Talsperren-Anlage am 12. September 1944 abgeworfen wurde und nicht zündete; damals brannte das alte Filterhaus, was ja in der Nähe lag, komplett ab, wie in den Annalen nachzulesen ist.

Kampfmittelräumdienst gerufen

„Was wir zunächst nicht erkennen konnten, war, ob die gefundene Bombe den gefährlichen Sprengsatz wirklich enthielt, vor dem der Großvater – 70 Jahren früher – so eindrücklich gewarnt hatte; das erfuhren wir dann später“, berichtet Wilden.

Nachdem der Revierförster über die Situation aufgeklärt worden war, informierte dieser den NRW-Kampfmittelräumdienst. Es gab dann einen Ortstermin am vergangenen Freitag auf dem Struffelt. „Dank guter Ortskenntnisse und eines Wandernavis konnten wir den Fundort wiederfinden und die Bombe sicherstellen“, so der Vorsitzende.

Für den Fachmann vom Kampfmittelräumdienst waren natürlich solche „Kleinigkeiten“ wie eine Brandbombe nichts Besonderes. Nach einem kurzen Blick auf den stählernen Bombenkopf erzählte er den Findern, dass die Bombe keinen extra Sprengsatz enthalte, der als „Falle“ für das Löschpersonal damals gelegentlich eingebaut wurde und etwa die Sprengwirkung eine Handgranate hatte. „Hätte sich dort eine Schraube befunden, könnte die Bombe nicht mal transportiert werden, sondern muss an Ort und Stelle gesprengt werden“, so der Experte.

Die Brandbombe wurde schließlich ordnungsgemäß abtransportiert und wird demnächst in einem speziellen Brennofen vernichtet werden. Rolf Wilden berichtete abschließend: „Und wir mussten dann noch unsere Ehefrauen beruhigen, weil wir in letzter Zeit bei unseren Exkursionen schon fast regelmäßig Munition gefunden hatten!“

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