Nordeifel - Weiter keine Handhabe gegen Motorradlärm

Weiter keine Handhabe gegen Motorradlärm

Von: Heiner Schepp
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Woche für Woche zieht es vor
Woche für Woche zieht es vor allem Scharen von niederländischen und belgischen Motorradfahrern auf die Eifelstraßen, da sie hier die Kurven finden, die zuhause eher selten sind. Ein paar „schwarze Schafe” unter den Zweiradliebhabern reizt aber auch die Tatsache, dass Verstöße gegen Gesetze und Lärmschutzbestimmungen jenseits der Grenze weitaus schwerer zu ahnden sind. Foto: Heiner Schepp

Nordeifel. Mit dem vergangenen Wochenende endete in der Eifel wohl die Motorradsaison. Für das kommende Wochenende sind schon beinahe winterliche Witterungs- und Straßenverhältnisse prognostiziert und danach sind für die meisten Zweiradfreunde die Saisonkennzeichen abgelaufen.

Während der Tourismus die Biker in den drei, vier Wintermonaten durchaus vermissen wird, beginnt für andere Bürger eine angenehme Zeit der Ruhe. Denn mit dem wachsenden Aufkommen von Motorradgästen auf den Eifel-straßen ist unbestritten auch ein höherer Lärmpegel, vor allem in Wohnbereichen entlang der beliebtesten Strecken, verbunden. Und immer noch gibt es keine gesetzliche Handhabe, den wenigen schwarzen oder besser gesagt lärmenden Schafen unter den Zweiradfahrern das Handwerk zu legen.

Das goldene Oktoberwetter am vergangenen Wochenende lockte Motorradgruppen und -fahrer aus ganz Deutschland und aus den Nachbarländern noch einmal zu Hunderten auf die Eifelstraßen. Der ganz große Teil tuckerte mehr oder weniger gemütlich durch die Dörfer, die Landschaft und rund um den Rursee, so wie auch viele Ausflügler auf vier Rädern.

Doch leider waren auch am Sonntag die „Raser und Heizer” dazwischen, die den Menschen an den bevorzugten Eifelstrecken den letzten Nerv rauben und die die ganze Branche in Verruf bringen - mit offensichtlich manipulierten Maschinen und rücksichtloser Fahrweise. Da die Polizei ihre - in der Saison mittlerweile wöchentlichen - „Kontrollen zur Vermeidung von Kradunfällen” so spät im Jahr nach eigenen Angaben nur noch sporadisch fährt, blieben die meisten Verstöße ungeahndet.

Wenn die Polizei in den kommenden Tagen ihre Bilanz der umfangreichen Sondereinsätze mit Radarkontrollen und den inzwischen drei Provida-Krädern vorstellt, wird von Verstößen gegen das Überholverbot und Geschwindigkeitsbegrenzungen die Rede sein - aber kaum von Überschreitungen geltender Lärmschutzwerte. Denn die Gesetzeslage diesbezüglich habe sich zwar zum 1. Juni 2012 ein wenig geändert und die Bestrafung verschärft, in der Praxis aber sei es „nach wie vor schwer bis unmöglich, selbst offenkundig laute Motorräder aus dem Verkehr zu ziehen”, bestätigt Polizeihauptkommissar Frank Wilde vom Verkehrsdienst der Aachener Polizei.

Hauptproblem ist wohl, dass bei auffällig lauten Maschinen, die bei einer Kontrolle herausgewunken werden, das Standgeräusch gemessen wird, nicht aber das Fahr- oder gar Drehgeräusch beim Beschleunigen. Wenn der Fahrer dann sein Motorrad vor den Ohren der Polizei schnurren lässt, ist das nächste Problem, dass die Schallpegelmessgeräte nicht geeicht sind und die Beamten deshalb „eine hohe Toleranz dulden” müssen, wie Frank Wilde formuliert.

Wird die im jeweiligen Gebiet zu duldende Lautstärke (tagsüber in bewohnten Gebieten zwischen 45 und 70 db) überschritten, wird ein Verwarnungsgeld von 50 bis 90 Euro fällig; je nach Verstoß wird neben dem Fahrer auch der Halter belangt, und es kommen noch einmal 50 Euro Strafgeld hinzu, wenn am Motorrad manipuliert wurde.

Letzteres nachzuweisen und zu verfolgen, stellt aber vor allem bei den vielen Kradfahrern aus den benachbarten Niederlanden oder auch aus Belgien ein echtes Problem dar. Werner Maaßen aus Monschau, selbst passionierter Motorradfahrer, erzählt aus eigener Beobachtung: „Da wird mit zwei Handgriffen der sogenannte db-Eater ausgebaut, und schon hört sich die Karre an als hätte sie 100 PS mehr”, weiß Maaßen, der in der Altstadt gemeinsam mit seinem Bruder die „Caffee-Rösterei” betreibt und somit durchaus von den Touristen, also auch von jenen auf zwei Rädern, lebt. Für die Polizei ist die Manipulation, je nach Motorradtyp, aber kaum ohne aufwendige Untersuchung nachzuweisen. „Und wenn doch, dann ist das Verwarnungs- oder Bußgeld nicht über die Grenze vollstreckbar”, beschreibt Werner Maaßen die unbefriedigende Gesetzeslücke.

Und so gingen und gehen bislang alle Bemühungen der Politik wie auch privater Initiativen gegen Lärmbelästigung durch Motorräder gleichsam ins Leere, weil die zugehörigen Gesetze fehlen oder lückenhaft sind.

„Simmerath will Motorradlärm stoppen” oder „Den Heizern solls an den Kragen gehen” - solche Überschriften waren in den vergangenen Jahren häufiger in dieser Zeitung zu lesen, insbesondere nach einer „Resolution gegen Motorradlärm und -raser”, die der Rat der Gemeinde Simmerath am 28. September 2010 beschloss und an Landes- und Bundestagsabgeordnete sowie kommunale Spitzenverbände richtete.

„Was ist aus der Resolution geworden?” richtete Herbert Steffen aus Kesternich, Sprecher einer „Interessengemeinschaft gegen Motorradbelästigungen” bereits im März eine offizielle Anfrage an die Gemeinde. Die Resolution habe insofern Resonanz gefunden, als sich weitere Kommunen der Städteregion dieser angeschlossen hätten und auch die Polizei ihre Bemühungen gegen Raserei und Lärmbelästigung durch Zweiräder verschärft habe.

„Die gesetzlich zulässigen Grenzwerte sind jedoch europarechtlich geregelt und können durch eigene nationale Vorschriften nicht verschärft werden, auch wenn die Bundesregierung zugesagt habe, auf eine Reduzierung der Grenzwerte auf EU-Ebene zu drängen”, antwortete Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns den lärmgeplagten Anwohnern den Straucher Straße, die mit ihrem Problem in der Eifel keineswegs alleine stehen (s. Box). Ein Problem, so Hermanns weiter, liege „in der komplizierten Überwachung der Grenzwerte durch die Polizei, da es zurzeit keine gerichtlich anerekannten mobilen Messgeräte gibt”.

Und so werden die Bürger in der Eifel auch 2013 in Abwandlung eines alten Schlagers von Cindy & Bert singen: „Immer wieder sonntags - kommt die Belästigung...”

Hier wird es an Wochenenden besonders laut

Rund um den Rursee, wo häufig Zweiradkontrollen der Polizei durchgeführt werden, ist das Lärmproblem weniger gravierend, da die Motorradstrecken in Rurberg, Woffelsbach oder Schmidt weniger direkt durch Wohngebiete führen. Betroffen sind allerdings erheblich die Rurtalorte Einruhr, Dedenborn und Hammer, wo die Strecken „mitten durchs Dorf” führen. Das gilt im Raum Simmerath auch für Lammersdorf und Kesternich sowie in Randlagen von Rollesbroich, Strauch und Steckenborn.

Die Orte an der B 258 - Roetgen, Konzen, Imgenbroich und Höfen - trifft das hohe Motorradaufkommen mit voller Wucht, in Imgenbroich sieht sich zusätzlich die Grünentalstraße (von Hammer kommend) sonntäglicher Lärmbelästigung ausgesetzt.

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