Nordeifel - „Weiße Weihnacht” und Ausnahmezustand

„Weiße Weihnacht” und Ausnahmezustand

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
reithallendach
Die Besitzer der Pferde, die in der Reithalle in Monschau-Mützenich untergebracht waren, brachten ihre Tiere in Sicherheit. Foto: psm

Nordeifel. Eine „weiße Weihnacht”, also ein Christfest mit viel Schnee, ist alle Jahre wieder der Wunsch der meisten Menschen. In diesem Jahr hat Petrus es aber mit der weißen Pracht ein wenig zu gut gemeint: Die Wetterkapriolen mit Eisregen am Vortag des Heilgabend, stundenlangen Schneefällen und Schneeverwehungen sowie zweistelligen Minusgraden haben die Nordeifel an den Feiertagen in einen Ausnahmezustand versetzt.

Dramatischer Höhepunkt der wetterbedingten Ereignisse während der Weihnachtstage war der Einsturz der Reithalle des Reitervereins St. Georg am Kleinbüchel in Mützenich.

Eisregen und Streusalzmangel

Das Wetter-Unheil nahm in den Höhenlagen der Nordeifel am Tag vor Heiligabend seinen Lauf. Denn anders als beispielsweise in Aachen oder im Dürener Land fiel hier am Donnerstag kein Schnee, sondern stundenlang Eisregen vom Himmel, der auf Straßen, Autos und Landschaft bei immer weiter sinkenden Temperaturen sofort gefror.

Die Folge war eine zentimeterdicke Eisschicht, der auch der Winterdienst nicht mehr Herr werden konnte. „Wir können nur an alle Bürger appellieren, das Auto stehen zu lassen”, riet Polizeisprecher Paul Kemen am Nachmittag. Die ASEAG hatte ihren Busbetrieb zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon eingestellt.

Auch Klaus Dollmann, Leiter der Straßenmeisterei in Simmerath, kapitulierte mehr oder minder: „Wir haben alle verfügbaren Kräfte im Einsatz und werden auch an den Feiertagen alles uns Mögliche tun. Aber wir sind an einem Punkt, wo vielleicht bei den Autofahrern mal ein Umdenken stattfinden muss und man einfach nicht mehr zu jeder Zeit und an jedem Ort Èschwarze StraßenÇ erwarten darf”, so Dollmann.

Und so musste sich - wie zuvor schon die Gemeinden - auch der Landesbetrieb beim Abstreuen auf die Steigungsstrecken und neuralgischen Punkte in seinem 300-Kilometer-Straßennetz der Nordeifel bis Kalkhäuschen beschränken. Denn trotz aller Bevorratung und Vorsichtsmaßnahmen nach der Erfahrung des letzten Winters geht auch den Straßenmeistereien wieder das Streugut aus: „Wir haben jetzt noch zirka 200 Tonnen und erhalten laut Verteilerschlüssel frühestens am Mittwoch eine neue Lieferung. Bei einem Tagesverbrauch von 100 Tonnen an einem strammen Wintertag kann man sich ausrechnen, wie viel wir über die Feiertage streuen können”, rechnete der Winterdienstleiter vor.

Nicht nur Autofahrer sind aber von den winterlichen Einschränkungen betroffen, sondern vor allem auch der Schwerlastverkehr.

Keine Post, kein Sprit

Seit Tagen hat offenbar kein Kraftstofflieferant mehr den Weg über die Himmelsleiter in die Eifel geschafft, und so ist an kaum einer Tankstelle im Bereich Roetgen, Monschau und Simmerath noch Dieselkraftstoff erhältlich. „Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wann Nachschub kommt”, sagte ein Tankwart in Imgenbroich achselzuckend am zweiten Weihnachtsfeiertag. An seiner Tankstelle war auch das Tanken von Superbenzin nur noch an einer Säule möglich.

Probleme mit ihren Lieferungen haben offensichtlich auch Brief- und Paketdienste, denn in vielen Bereichen wurde am Heiligabend einfach nicht mehr zugestellt. So manches Last-Minute-Geschenk blieb buchstäblich auf der Strecke.

Der Eisregen und die folgenden Neuschneemengen waren dann wohl auch die Ursache für den Einsturz der großen Reithalle am Rande des Venns in Mützenich.

Leimbinder wie Zahnstocher

Rolf Schütt, Kassierer des 200 Mitglieder starken Reitervereins St. Georg, hatte noch am Donnerstagabend gegen 21.30 Uhr die Heizung im Casino, der „guten Stube” der Georgsreiter kontrolliert, da aber noch keine Anzeichen der bevorstehenden Katastrophe bemerken können. Als er Heiligabend kurz nach 6 Uhr in der Frühe sein Pferd füttern wollte, traute Schütt seinen Augen nicht: Das Hallendach war nahezu über die gesamte Länge in der Mitte eingebrochen, die Last des Schnee- und Eisgemischs auf der Dachkonstruktion hatte die Leimbinder wie Zahnstocher durchbrechen lassen.

„Gottlob sind weder Menschen noch Tiere zu Schaden gekommen”, sah der ehemalige zweite Vorsitzende noch „Glück im Unglück”. Nicht auszudenken, wenn noch Reiter in der Halle gewesen wären oder auch die seitlichen Stallungen vom Einsturz betroffen gewesen wären. So aber konnten die Besitzer der Pferde ihre 14 verstörten Tiere am Morgen aus den Stallungen führen und anderweitig in Mützenich unterbringen.

Die Feuerwehr Monschau, die mit zwei Zügen und ihrer Einsatzleitung zum Kleinbüchel geeilt war, konnte nicht viel ausrichten. „Es war frühzeitig klar, dass keine Menschen oder Tiere in der eingestürzten Halle zu suchen waren. Da alle weiteren Maßnahmen nur mit schwerem Räumgerät möglich sein werden, konnten wir uns auf die Sicherung der Einsatzstelle und die Unterstützung der Pferdebesitzer und Vereinsangehörigen beschränken”, so Heiner Sauren, Sprecher der Feuerwehr.

„Unsere Mitglieder sind natürlich sehr deprimiert, denn wir haben jahrelang viel Herzblut in diese Halle gesteckt”, meinte Rolf Schütt. Nach einigem politischen Ringen war die Halle unter großem ehrenamtlichem Einsatz errichtet worden, 2003 hatte der Georgsverein das Dach der Halle eingedeckt und die Nutzungsgenehmigung erhalten.

Nach Angaben des Kassierers wird bereits am heutigen Montag ein Sachverständiger die Halle untersuchen; die Reiter hoffen nun zumindest auf Regulierung des materiellen Schadens durch die Gebäudeversicherung, „der ideelle Wert ist ohnehin nicht zu beziffern”, so ein Mitglied des vor allem in der Jugendarbeit aktiven Vereins, für den dann demnächst das große Aufräumen bevorsteht.

Das aber wird erst möglich sein, wenn der Winter von seinem Würgegriff ablässt und nicht noch neue Schneemassen schickt.
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