Nordeifel - „Weiße Ritter“: Filmdreh für ein Roadmovie in der Eifel

„Weiße Ritter“: Filmdreh für ein Roadmovie in der Eifel

Von: Andreas Gabbert
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Kurze Pause am Drehort: Das Team von Westendfilme um Kai Maria Steinkühler (vorne links) und Markus Mischkowski (vorne rechts) hat in der Eifel wochenlang für ihren neuen Film „Weiße Ritter“ gedreht. Foto: A. Gabbert
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Letzte Absprache, bevor die Kamera läuft: Auch in der Tankstelle zwischen Imgenbroich und Monschau wurde gedreht. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Der Mann mit dem Schnäuzer und den zurückgekämmten langen Haaren wirkt ein wenig seltsam. Aus der Tasche seines beigefarbenen Trenchcoats schaut eine Zeitung heraus, eine dunkle Sonnenbrille sitzt auf den Augen und ein Fernglas hängt über der Schulter. Er scheint irgendetwas an dem Lkw, der auf dem Parkplatz an der Bahnhofstraße in Kalterherberg abgestellt ist, zu suchen.

Als er fündig geworden ist und das Bündel öffnet, kommt ein Gewehr zu Vorschein. Diese Szene wiederholt sich immer wieder, bis Markus Mischkowski (47) und Kai Maria Steinkühler (46) sich zufrieden zunicken. Die beiden Filmemacher aus Köln drehen mit ihrem Team zurzeit in der Eifel den von der Filmstiftung NRW geförderten Kinofilm „Weiße Ritter“. Sie sind die Hauptdarsteller, die Drehbuchautoren und die Regisseure.

In dem Film werden die beiden langzeitarbeitslosen Freunde Mike und Alfred von ihrem alten Kumpel Rasto als Mitarbeiter seines neuen Kurierdienstes rekrutiert und sollen wichtige Unterlagen „diskret“ nach Luxemburg bringen. Als Dienstauto dient ihnen ein alter Trabant. Als Rasto (Jens Claßen) jedoch, gecoacht von einer charmanten Consulterin (Claudi Basrawi), neue Methoden der Personalführung und Mitarbeitermotivation einführt und Alfred sich in die eigenwillige Tramperin Anja (Steffi Gosejohann) verliebt, gerät das Pilotprojekt schnell zu einem unwägbaren Unterfangen.

Für die große Leinwand

Am 14. Juli haben die rund 20 Filmleute von Westendfilme ihr Quartier im Hotel Hirsch in Kalterherberg bezogen. Bis Freitag wollen sie noch in der Eifel bleiben. Für ihr Roadmovie haben die Macher ganz bewusst Motive aus der Eifel und den Ardennen ausgewählt. Auf der Burg Manderscheidt haben sie ein Mittelalterfestival inszeniert, bei Sourbrodt haben sie auf der ehemaligen Vennbahntrasse eine Verfolgungsjagd mit Draisinen gedreht und in Kalterherberg das Hotel Hirsch auf den Kopf gestellt.

„Wir wollen Eifelmotive stimmungsvoll in schwarz-weiß in Szene setzen, dabei aber nicht auf die typischen pittoresken Postkartenmotive zurückgreifen. Wir wollen die amerikanische Bildsprache in die Eifel übertragen“, erklärt Steinkühler. „Unser Film ist nicht für den Fernsehschirm gedacht, sondern für die große Leinwand. Auch wenn wir eine Komödie drehen, nehmen wir jede einzelne Figur sehr ernst“, ergänzt Mischkowski. Der Humor in dem Film hat immer auch einen ernsten Hintergrund. „Wir achten zum Beispiel sehr auf gecoachte Sprache und was passiert, wenn man sie ernst nimmt“, sagt Mischkowski.

Viele Requisiten brauchen die Filmemacher nicht. „Wir nehmen es, wie es kommt“, sagt Steinkühler. Wenn sich ein tolles Motiv ergibt, wird auch schon mal das Drehbuch umgeschrieben. Bei der Lichtsetzung wird allerdings nichts dem Zufall überlassen. „Bei unserer schwarz-weiß Produktion arbeiten wir im Stil des Film Noir. Wir arbeiten mit einer klassischen Lichtführung im Sinne der alten Schule, so wie die Studios in Babelsberg gearbeitet haben. Mit Ecken und Kanten“, erklärt Kameramann Kape Schmidt. Oft kommen dabei auch Rotfilter vor der Kamera zum Einsatz, „damit wir einen schönen schwarzen Himmel mit weißen Wolken erhalten“. Gedreht wird grundsätzlich immer bei Sonne, für ein „knallhartes Licht“ kommen zusätzlich Reflektoren und Scheinwerfer zum Einsatz.

Dieser Stil hat sich über Jahre entwickelt und ist so etwas wie das Markenzeichen des Filmteams geworden, dass jetzt schon seit 1996 immer wieder zusammen arbeitet. „Wir sind ein bisschen wie eine große Familie. Wir machen das, weil wir gerne zusammen arbeiten. Die meisten von uns kennen sich schon lange“, sagt Schmidt. Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler kennen sich sogar schon seit 1979, als sie gemeinsam die Schulbank drückten. Ihren ersten Film haben sie dann 1989/90 mit Opas Super-8-Kamera gedreht.

Zahlreiche Versuche

Als sich auf dem Parkplatz in Kalterherberg erneut die Sonne zeigt, heißt es: „Ruhe bitte! Alle auf Position? Ton? Kamera läuft!“ Im gleichen Moment fährt ein Auto auf den Parkplatz – die Szene ist im Eimer. Beim nächsten Versuch knattert ein Motorrad die Straße entlang, dann entsorgt jemand sein Leergut im Glascontainer gleich nebenan, ein anderes Mal ist eine Absperrung im Bild, anschließend läutet die Kirchenglocke, und als alles ruhig ist, versteckt sich die Sonne wieder hinter einer Wolke – so eine kleine Szene kann ganz schön viel Zeit in Anspruch nehmen.

Beim Dreh an der Tankstelle auf dem Hargard zwischen Monschau und Imgenbroich läuft es ähnlich ab. Bei den Innenaufnahmen wechseln sich die Schauspielerin und die echte Kassiererin hinter dem Tresen immer wieder ab – schließlich soll das Geschäft trotz der Dreharbeiten weiter laufen. Bei den anschließenden Außenaufnahmen richtet sich dann wieder alles nach der Sonne und dem Lärm der vorbeifahrenden Autos auf der B 258. „Filme zu machen besteht aus Warten, um dann plötzlich am Start zu sein“, sagt Steinkühler.

Von der Eifel und den Menschen, die hier leben, sind die Filmemacher begeistert. „Auf beiden Seiten der Grenze haben wir ganz tolle Menschen kennengelernt. Alle waren sehr hilfsbereit und entgegenkommend. Die haben sich für uns richtig ins Zeug gelegt und uns mit großer Gelassenheit und Professionalität ertragen. Aus Köln kennen wir das auch anders“, sagt Steinkühler.

Speisesaal wird zur Wartehalle

Günter Eichstädt, der Inhaber des Hotels Hirsch in Kalterherberg ist einer der Menschen, von denen Steinkühler spricht. „Die waren schon gewöhnungsbedürftig. Sie haben viel durcheinander gebracht und unseren Arbeitsablauf auf den Kopf gestellt“, sagt Eichstädt. Das Filmteam hatte zum Beispiel den Speisesaal zu einer Wartehalle umgebaut und dazu das Mobiliar zur Seite geräumt und auseinander geschraubt. Bei den Tonaufnahmen musste außerdem die Spülmaschine abgestellt werden. „Das war schon interessant, das alles hautnah mitzubekommen. Ich hab jetzt mehr Verständnis für den ganzen Aufwand, der bei einem Filmdreh betrieben wird. Außerdem waren die alle durch die Bank – von der Maske, über die Beleuchter bis hin zur Regie – sehr nett und freundlich“, sagt Eichstädt.

Showdown in Sourbrodt

Am Dienstag drehte das Team noch den Showdown am Bahnhof Sourbrodt und die Schlussszene an einer belgischen Frittenbude ganz in der Nähe. Bis zur Abreise des Filmteams am Freitag stehen jetzt noch einige Fahrszenen mit dem Trabbi und der Draisine auf dem Programm. Auch im Venn wollen Mischkowski und Steinkühler noch einige Eindrücke einfangen.

Seine Premiere soll der Film Ende Januar 2015 auf dem Filmfestival in Rotterdam feiern. Anschließend soll er in deutschen und belgischen Kinos gezeigt werden. Im Fernsehen dürfte es der Film schwer haben. „Das Fernsehen kauft grundsätzlich keine Schwarz-Weiß-Produktionen mehr an, zur Begründung heißt es dann oft, die Leute würden sonst denken, dass ihr Fernseher kaputt ist. Wir sind aber konsequent geblieben. Darüber sind wir froh und auch stolz darauf“, sagt Mischkowski.

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