Monschau - Weiße Eingangstüren für das Rote Haus?

Weiße Eingangstüren für das Rote Haus?

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Hinter der Einhausung am Roten Haus in Monschau wird in diesen Tagen eine wichtige Entscheidung getroffen: Werden die beiden Eingangstüren im Zuge ihrer Restaurierung weiß gestrichen?
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Am 1. April begrüßt Hausverwalter Dietmar Gonnermann zur neuen Saison wieder Besuchergruppen im Roten Hauses. Vielleicht betreten sie Monschaus Wahrzeichen dann durch weiße Eingangstüren.

Monschau. Am 1. April, und das ist kein Scherz, öffnet nach traditionell fünfmonatiger ausgedehnter Winterpause wieder Monschaus touristische Sehenswürdigkeit Nummer eins, das Rote Haus im Herzen der historischen Altstadt. Wenn die ersten Besuchergruppen in knapp drei Wochen über die Blausteintreppen das einstige Tuchmacherhaus in der Laufenstraße betreten, dann werden sie das Gebäude wie gewohnt durch die über 250 Jahre alten kunstvoll geschnitzten dunkelbraunen Holztüren betreten – oder auch nicht.

Vieles spricht nämlich im Moment dafür, dass die beiden Eingangstüren zu den Gebäudehälften im Zug der gerade stattfindenden Restaurierung die Farbe wechseln und künftig in edlem Weiß erstrahlen werden. Die Entscheidung darüber, ob die Türen ein neues Gesicht erhalten und tatsächlich weiß gestrichen werden, fällt in dieser Woche. Letztendlich trifft die von der Familie Scheibler und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) vor mehr als einem halben Jahrhundert gegründete Stiftung Scheibler-Museum Rotes Haus die Entscheidung.

Ablenkungsmanöver

Viele Monschauer Bürger und auch Gäste haben in den vergangenen Wochen bereits gerätselt, was es mit der Einhausung der Türbereiche am Roten Haus auf sich hat und welche Baustelle sich dahinter verbirgt. Die spitzfindige Erklärung von Hausverwalter Dietmar Gonnermann, dass zu Beginn der neuen Saison hier „ein Kassenhäuschen“ errichtet werde, erwies sich als reines Ablenkungsmanöver. Die beiden Eingangstüren zu den Gebäudehälften (das Wohnhaus trägt den Namen „Zum goldenen Helm“, die rechte Hälfte heißt „Zum Pelikan“ und wurde als Kontorhaus und Produktionsstätte genutzt) werden nacheinander aufgearbeitet. Die Einhausung dient dem Schutz des Gebäudes und bietet auch die Möglichkeit, während der Schlechtwetterzeit von innen am Türbereich zu arbeiten. Im Januar ist zunächst die linke Türe ausgebaut worden.

Geht es nach den Vorstellungen der Restauratoren, „dann gibt es eine klare Tendenz zu Weiß“, sagt Diplom-Restaurator Daniel Ferber aus Köln. Der 46-jährige Hausrestaurator gehört zu einem Viererteam, das derzeit einen intensiven Austausch darüber führt, wie die Eingangstüren künftig aussehen sollen. Ferber hat noch eine Gemälderestauratorin zu Rate gezogen, die ebenfalls zu weißer Farbe tendiert, genauer gesagt zu einem gebrochenen grau-weiß. In die Entscheidung einbezogen ist seitens des Landschaftsverbandes ein Holzrestaurator und Dr. Monika Herzog, wissenschaftliche Referentin beim LVR für den Bereich Bau- und Kunstdenkmalpflege.

Daniel Ferber hat den Zustand der Eingangstüren des Roten Hauses und der beiden Oberlichter genau unter Lupe genommen. Dabei sind allein auf den Oberlichtern bis zu zehn Farbschichten nachgewiesen worden. Aktuell sind die Oberlichter weiß-vergoldet. Unterstützt wurde er durch labortechnische Untersuchungen, der Fachhochschule Erfurt, die ihre Ergebnisse am Montag bekanntgegeben hat. Auf dieser Grundlage wird nun entschieden. Den Zustand der Türen bezeichnet Ferber als „insgesamt gut, aber es gibt Handlungsbedarf“. In den 1980er Jahren wurden die beiden Türen braun lasiert. Dieser nicht atmungsaktive Anstrich war zu dieser Zeit sehr beliebt. Inzwischen blättert die Lasur ab und macht das Holz für Witterungseinflüsse angreifbar. „Ein neuer deckendender Anstrich wäre auf jeden Fall der bessere Schutz“, sagt der Diplom-Restaurator.

Maßgebend für die letztendliche Entscheidung sei aber die Ergründung der Ursprungsfarbe. In den Vertiefungen der Schnitzereien auf dem Türblatt habe man Reste von weißer Farbe entdeckt. Die Türen sind einschließlich der Schnitzarbeiten aus einem Stück gearbeitet. Sicher sei, dass die Türen „mehrfach überlackiert wurden. Das ist schon eine kleine Überraschung.“

Wissenschaftlich untermauert

Die heutige Generationen kennt das Rote Haus nicht anders als mit braunen Türen. Auch diese öffentliche Wahrnehmung lassen die Restauratoren nicht unberücksichtigt. Daniel Ferber: „Es wäre schon ein spürbarer Eingriff, wenn das Rote Haus jetzt weiße Türen bekommen würde.“ Wenn die Fachleute am Ende zu dieser Entscheidung kommen würden, „dann muss diese auch wissenschaftlich untermauert sein“.

Das Rote Haus und seine Farben ist keine Diskussion aus diesen Tagen. In den 1980er Jahre gab es eine kontroverse Auseinandersetzung unter den Experten darüber, welcher rote Farbton der Fassade angemessen ist. Es hatte neue Erkenntnisse gegeben, die diese Diskussion im Zug des Neuanstriches auslösten. Das Ergebnis war zunächst einmal, dass Monschaus Wahrzeichen sich über Monate mit einer schlammig-braunen Tragschicht präsentierte, ehe sich die Experten endlich auf einen kompromissfähigen Rot-Ton geeinigt hatten.

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