„Weihnachtsmann freie Zone” in der Grundschule

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Amerikanische Weihnachtskultur: Diese vier Schokoladen-
Nikoläuse sind Weihnachtsmänner.

Simmerath. Nein, „Bambis” Vater ist nicht der stolze Hirsch. Diesen Fehler hat vor Jahrzehnten Walt Disney im seinem gleichnamigen Zeichentrick-Klassiker verbreitet. Das muss dann im Naturkundeunterricht immer wieder hingebogen werden. Ein anderer, ebenfalls aus den Staaten importierter Irrtum: Der Weihnachtsmann und der Nikolaus sind ein und dieselbe Person.

Eben nicht! Die Schokoladenfigur, die wohl die allermeisten am Montagmorgen in Schuh, Stiefel oder Strumpf gefunden haben, zeigen den Weihnachtsmann, mit dem roten Wams, dem weißen Rauschebart, den Sack voller Geschenke schleppend, auf einem Schlitten, den Rentiere durch die Lüfte ziehen. Das ist rein amerikanische Weihnachtskultur, auch wenn die Figur in den USA „Santa Claus” genannt wird. Aber „Santa” ist über den großen Teich hierher gekommen, wie Halloween.

Der heilige Nikolaus hierzulande ist jemand völlig Anderer. Er war katholischer Bischof und hat sein Leben den Armen, und hier insbesondere den armen Kindern, gewidmet. Alle Jahr wieder werden deshalb zum Gedenken an seinen Todestag, den 6. Dezember, Kinder beschenkt. Das berichtet Bettina Fricke, und die muss es wissen. Denn die Kath. Grundschule Simmerath, deren Leiterin Bettina Fricke ist, wurde zur „Weihnachtsmann freien Zone” erklärt, eine bundesweite Aktion des Bonifatiuswerks deutscher Katholiken.

Der amerikanische Weihnachtsmann muss sich nicht grämen, aber gegen den Nikolaus bekommt er jetzt an der Bekenntnisschule keine Schnitte mehr. Bereits die Erstklässler, berichtet Bettina Fricke, nähmen den Unterschied bewusst wahr.

Und all, überall in den Regalen stehen die Schoko-Weihnachtsmänner und warten auf Käufer. Ist ja auch noch einige Tage hin, bis zum Fest. In einem großen Supermarkt hat Bettina Fricke allerdings auch Schoko-Nikoläuse, mit Gewand, Bichofsmütze und Stab entdeckt: „Man muss nur ein wenig suchen!”

Über das Leben des historischen Nikolaus gibt es nur wenig Belegbares. Nach verschiedenen Überlieferungen wurde Nikolaus zwischen 270 und 286 in Patara geboren, einer Stadt in Lykien in Kleinasien. Im Alter von 19 Jahren soll er zum Priester geweiht worden und anschließend Abt des Klosters Sion in der Nähe von Myra gewesen sein, einem kleinen Ort, der inzwischen Demre heißt und etwa 100 Kilometer südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei liegt. Als Sohn reicher Eltern soll er sein Erbe unter den Armen verteilt haben.

Bereits seit dem 6. Jahrhundert gehört Nikolaus zu den populärsten katholischen Heiligen. Wie auch St. Martin gilt St. Nikolaus als „Apostel gleich” und ist einer der ersten Nicht-Märtyrer der katholischen Kirche, der als heilig gilt. Einige Wissenschaftler glauben nach intensiven Textstudien zu wissen, dass die heute bekannte Figur des Nikolaus eine fiktive Gestalt ist. Der heilige Nikolaus, wie ihn die Katholiken verehren, besteht demnach aus zwei historischen Personen gleichen Namens, die beide in Lykien gelebt haben, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten: der eine Nikolaus im 4. Jahrhundert, der andere Nikolaus im 6. Jahrhundert.

Zu seiner weltweiten Verehrung als Weihnachtsmann kam es erst im 20. Jahrhundert, ausgehend von den Vereinigten Staaten, die aus dem „Santa Claus” quasi den Gegenentwurf zum europäischen Christkind fertigten.

Wenn also jemand seinen Rentierschlitten an der Dachrinne anbindet und mit einem freudigen „Ho, ho, ho!” durch den Kamin poltert, dann ist das der Weihnachtsmann - und nicht der Nikolaus. Und das Christkind schon gar nicht.
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