Weihnachten in früherer Zeit: Senioren erinnern sich an Kindertage

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
4685489.jpg
Erzählen in der Seniorenresidenz Simmerath von Weihnachten in früherer Zeit: Therese Linzenich (li.), Agnes Huppertz, Herbert Joust (li.) und Hajo Mais. Foto: Andreas Gabbert

Simmerath. Große Geschenke gab es nicht. „Wenn man Socken haben wollte, musste das über die Kleiderkarte geschehen und Schokolade gab es nur von den Amerikanern“, erinnert sich die 93-jährige Therese Linzenich an die Weihnachtszeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Gebacken wurde selbst, „wenn man denn etwas zum Backen hatte“. Ansonsten gab es Nüsse, Äpfel und manchmal auch Feigen.

Auch in den Kindertagen von Herbert Joust war es „nicht üppig“. Unterhosen, Socken und Kleinigkeiten zum Spielen wie eine Laubsäge lagen unter dem Tannenbaum. Die Mutter und die Oma standen zusammen in der Küche und haben gebacken. „Ohne Oma ging gar nichts“, sagt Joust.

Das Zusammensein mit der Familie war das Wichtigste, alles andere war Nebensache. Darin sind sich die vier Senioren einig, die in der Simmerather Stadtresidenz am Tisch sitzen und über Weihnachten reden – über Weihnachten so, wie es früher einmal war.

Weihnachtsbraten hat überlebt

Bei Hajo Mais Familie stand meist Kaninchen oder Ente auf dem Speiseplan. Das Tier wurde das ganze Jahr gefüttert, und der Vater hatte Ende Dezember dann die unangenehme Aufgabe, es zu schlachten. „Nach drei Stunden meinte meine Mutter, ich solle mal nachschauen, wo der Papa bleibt“, erzählt der 88-Jährige.

Der Vater saß mit einer Flasche Schnaps auf dem Boden und jammerte: „Ich kann es nicht, ich kann es nicht“, und die Ente quakte fröhlich. Sie hat das Weihnachtsfest damals überstanden. An zwei Geschenke kann sich Mais noch besonders gut erinnern – die Katze, die in den Weihnachtsbaum sprang und die Fußballschuhe, auf die er sich das ganze Jahr gefreut hatte und die dann doch nicht mehr passten.

Bis das Glöckchen läutete

Der 86-jährige Herbert Joust ist nach der Kochlehre zur See gefahren. Er hat viel von der Welt gesehen, aber Weihnachten wurde kaum gefeiert. Anders war das in der Kinderzeit. Seine Eltern hatten ein Restaurant, das am Heiligabend immer bis 15 Uhr geöffnet war.

Dann wurden die Gäste „rausgelotst“ und die Mutter bereitete oben in der Stube alles vor, während Herbert Joust mit seiner Schwester in der Küche wartete bis das Glöckchen läutete – das Signal, dass man die gute Stube betreten durfte. Auf den Teller kam meist eine Ochsenzunge. „Das schönste Geschenk, war für mich ein Tretroller“, sagt Joust und erzählt noch, wie er sich mit seiner Schwester gestritten hat, wer damit fahren darf.

„Der Heiligabend war früher ein Tag wie jeder andere auch“, sagt Therese Linzenich. Die Bescherung fand am Morgen des 1. Weihnachtstages statt. Gleich nach dem Aufwachen flitzten die Kinder zum Tannenbaum, um zu sehen, was das Christkind gebracht hatte. Die Geschenke waren meist eher zweckmäßig und die Enttäuschung groß, als Therese Linzenich als Zehnjährige einen Dynamo für ihr Fahrrad unter dem Weihnachtsbaum fand. „Das war so unromantisch“, sagt sie.

Das Christkind überrascht

Agnes Huppertz aus Lammersdorf ist die älteste von drei Kindern. Mit ihrer Mutter hat sie früher immer Plätzchen für die ganze Familie gebacken. „Alles was es heute zu kaufen gibt, haben wir damals selbst gemacht“, erinnert sie sich. An Heiligabend gab es Herings- oder Geflügelsalat, bevor es „mitten in der Nacht“ zur Christmette ging.

Auch im Hause Huppertz fand die Bescherung damals noch am 1. Weihnachtstag statt. Zu dieser zeit teilte sie sich ein großes Zimmer mit ihren Brüdern. Einer von ihnen hielt es irgendwann nicht mehr aus und ist in der Weihnachtsnacht ins Wohnzimmer gegangen, um das Christkind zu überraschen und festzustellen: „Ich glaub, das war die Mama.“ Besonders gut erinnert sie sich an ihre Puppe, die jedes Jahr zu Weihnachten neu angezogen wurde. „An die durfte keiner ran“, sagte sie und lacht dabei. Heute freut sie sich auf den Besuch ihrer „kleinen“ Brüder in der Stadtresidenz.

Hajo Mais erwartet zu Weihnachten den Besuch eines Freundes mit Frau und Hund, er will eine Freundin treffen, einige Telefonate führen und Emails verschicken. Und wenn es die Gelegenheit dazu gibt, will er auch gerne einige seiner Gedichte vortragen, über 2000 hat er inzwischen geschrieben. Herbert Joust wird mit seinen Kindern essen gehen, darauf freut er sich ganz besonders. Therese Linzenich wird alleine bleiben. „Ich bin aber zufrieden“, sagt sie.

In einem sind sich die vier Senioren einig: Als Kind war Weihnachten schöner. Das Empfinden sei ein anderes gewesen. Je mehr man verdient habe, um so größer seien die Wünsche, Erwartungen und Enttäuschungen geworden. Das Besondere dieses Festes sei mit den Jahren immer mehr geschwunden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert