Trancendence Kino Freisteller

Weidenkätzchen für Bienen am Baum lassen

Von: M. S.
Letzte Aktualisierung:
5373981.jpg
Gerhard Maaßen in seinem Element: Er demonstriert an diesem Brett mit wächsernen Waben, dass Bienen ihre Blütennahrung nicht nur für sich selbst sammeln, sondern auch zur Fütterung der Brut in Nestern. Die Zellen des Bienenstocks bilden so ideale Kinderstuben für den Immennachwuchs. Foto: Manfred Schmitz
5314823.jpg
Eine Biene sammelt auf einer Kamillenblüte Pollen, den sie an ihren Hinterbeinen befestigt, um ihn zum Bienenstock bringen zu können.

Nordeifel. Deutschlands Bienenzüchter schlagen Alarm, die Medien verbreiten in diesen Wochen wahre Hiobsbotschaften. Der gerade erst hinter uns liegende, außergewöhnlich strenge und lange Winter, verkünden die Nachrichtenagenturen, habe im Bundesgebiet ein glattes Drittel aller Bienenvölker vernichtet.

Die verheerende Folge mangelhafter Blütenbestäubung durch fleißige Immen: Dramatisch verringerte Ausbeute an Obst und aus landwirtschaftlichen Kulturen wie Raps, Wildkirschen, Löwenzahn, Eberesche oder Futterklee.

Eine Zahl, die Gerhard Maaßen aus Mützenich freilich relativiert. Der seit bald 25 Jahren amtierende Vorsitzende des Imkervereins Monschauer Land bestätigt zwar „regional durchaus realistische Bestandsverluste von 30 Prozent oder gar weit mehr, dafür erlitten Kollegen andernorts so gut wie keine Einbußen. Man sollte nicht verallgemeinern.“

Der Nordeifeler Imkerverein hat derzeit 50 Mitglieder. Diese besitzen zusammen 500 Völker, jedes einzelne ist im Hochsommer durchschnittlich 50 000 summende Staatsbürger stark. Maaßens Erklärung für die beobachteten krassen Gegensätze zwischen Gedeih und Verderb einer Kolonie?

Mutter Natur hat ihre Geschöpfe mit überlebenswichtigen Eigenschaften wahrer Stehaufmännchen und -weibchen ausgestattet. „Im Winter bilden die Bienen in ihren Häusern dichte Körperkugeln, um sich gegenseitig Wärme zu spenden und vom bis Herbst eingetragenen Futtervorrat zu zehren.

Diese quirlig-runden Gebilde sind unterschiedlich dick und gewährleisten folglich auch ein von Fall zu Fall schwankendes Nahrungsreservoir. Das reicht leider nicht in jedem Fall bis zum ersten Ausschwirren der Insekten und ihres neuerlichen Nektarsammelns, dazu muss die Außentemperatur bei mindestens zehn Grad Celsius liegen.“

Ihren Kot, erklärt Maaßen, speicherten die Honigbienen (Apis mellifica) – sie zählen wie die Ameisen zur weltweit in 150 000 Arten gegliederten Familie der Hautflügler – im Darm. Beim ersten Ausflug unter wärmenden Sonnenstrahlen leeren der Deutschen Lieblingsinsekten ihren Verdauungskanal.

Als Gefahr droht ihnen nicht nur gar zu lange eisige Temperaturen ohne Nachschub an Kraftreserven. „In Waldnähe“, beobachteten Maaßen und seine Kollegen, „klopfen Spechte systematisch Löcher in Majas Haus, um an einen leckeren Happen zu kommen.“ Unheil geschehe den gelbbraunen Stockbewohnern auch von jagenden Mardern oder Waschbären.

Maaßen und Gleichgesinnte hoffen nun ungeduldig auf weiter steigende Temperaturen, denn: „Die Brut muss schleunigst beginnen, wie in wärmeren Jahren oft schon im Januar. Maaßens Fazit: „Die jetzt erlittenen Verluste an Honigerträgen sind, im Vergleich der Zeiträume früherer Ernten, nicht mehr wettzumachen“.

Er appelliert an die Eifeler Bevölkerung, die nun weithin sprießenden Weidenkätzchen auf ihren Stammplätzen am blühenden Baum zu belassen, statt sie zur kurzlebigen Erbauung in die heimische Vase zu tragen: „Die Blüten der Pelze sind die erste Nahrung der Bienen nach dem Winter und für ihre Existenz geradezu unentbehrlich.“

Eine seit langem existierende Seuche macht den Haltern von Bienenständen und ihren Lieblingen unvermindert das Leben schwer: die Ende 1980 aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe. Gegen diesen gefährlichen Parasit ist seinen Opfern noch immer kein Stachel gewachsen. Fatal geradezu: Präparate, die den Milben wirksam schaden, greifen bislang auch deren putzige Wirte mit tödlichen Folgen an.

Ohne die Befruchtung durch Bienen, macht Gerhard Maaßen deutlich, wäre der Ernteertrag speziell deutscher Apfelbauern und Obstplantagen-Besitzer um mehr als die Hälfte geringer als mit Hilfe der emsigen Pollenlieferanten. Deren Erlösausfall könne durch solitär, also nicht im Kollektiv agierende Hummeln, andere Insekten oder durch Windbestäubung bei weitem nicht ausgeglichen werden.

Frühjahrshonig, schätzt Maaßen, „dürfte diesmal nur schwer zu gewinnen sein, die Tierchen konnten trotz aller Mühen nicht genügend Stärke in ihren Körpern aufbauen. Eine Brutphase – von der Eiablage der Königin bis zum Schlüpfen des Junginsektes – dauert immerhin drei Wochen“.

Die Biologische Station, erklärte Gerhard Maaßen, gebe interessierten Bienenpaten kostenlos Obstbäume und Sträucher ab: „Hecken sollten nicht gerodet, sondern eher beigepflanzt werden, und nicht nur die so populären Eifeler Buchenhecken verdienen umweltaktive Hege!“ In günstigen Jahren, errechnen Maaßen und seine Immenfreunde, erzielen sie 15 bis 20 Kilogramm köstliche Honigernte pro Volk: „Ein urgesundes, unbehandeltes Lebensmittel!“

Das wussten schon die Kinder Israels zu schätzen, die arge Wüstenstrapazen auf sich nahmen, um das „Land, wo Milch und Honig fließen“, zu finden. Honig als heilende Kraftnahrung, Arznei und Genussmittel, etwa als berauschendes Getränk (Met), war den „alten Germanen“ wie Römern und Griechen schon wohlvertraut. Das goldgelbe Elixier nimmermüder Produzenten habe, konstatiert Maaßen, „auch für die heutige Bevölkerung enorme Bedeutung - kulinarisch wie medizinisch“.

Die Imker des Monschauer Landes gehören dem Kreis-Imkerverband Aachen an. Dieser hat 200 Mitglieder. Seit Jahren bietet die Dachorganisation interessierten Insidern kostenlos Schulungen und Fachseminare an, stets mit positivem Echo angenommen. Das Ziel: Das kostbare Naturprodukt Honig erhalten!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.